Parkinsontherapie

Rotigotin (Neupro®) bessert motorische und nicht-motorische Symptome

 

Frankfurt am Main (20. März 2012) – Patienten mit idiopathischem Morbus Parkinson leiden unter motorischen und nicht-motorischen Symptomen. Diese wirken sich auf Schlafqualität und Stimmung, morgendliches Befinden und die gesamte Lebensqualität aus. Bei einem von UCB unterstützten Case-Workshop in Frankfurt/Main wurden Studiendaten und Erfahrungen zur Therapie mit dem Dopaminagonisten Rotigotin transdermales System bei Morbus Parkinson präsentiert und Tipps für eine Umstellung auf Rotigotin gegeben.

 

Motorische und nicht-motorische Symptome von Parkinson-Patienten wurden in der RECOVER-Studie (Randomized Evaluation of the 24-hour Coverage: Efficacy of Rotigotine) untersucht. Dies war die erste große doppelblinde, randomisierte Studie, welche Schlaf und morgendliche Bewegungsstörungen als kombinierten primären Endpunkt erfasste. Prof. Dr. med. Jan Kassubek, Leitender Oberarzt an der Klinik für Neurologie der Universität Ulm, erklärte das Studiendesign: „287 Patienten wurden im Verhältnis 2:1 auf eine 16-wöchige jeweils morgendliche Applikation von Rotigotin oder Placebo randomisiert. Rotigotin konnte, ausgehend von 2 mg/24 h, auf bis zu 16 mg/24 h auftitriert werden; L-Dopa durfte als Add-on-Therapie beibehalten werden.“

 

Die morgendliche motorische Funktion wurde mittels Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (UPDRS-III), erfasst. Mit der Parkinson’s Disease Sleep Scale (PDSS-2) wurde die Schlafqualität ermittelt. „Diese primären Endpunkte Schlafqualität und morgendliche Bewegungsstörungen waren unter Rotigotin signifikant stärker gebessert als unter Placebo“, konstatierte Kassubek. So wurden die UPDRS-III-Werte um 7,0 vs. 3,9 (Placebo) Punkte gesenkt, die PDSS-2-Werte um 5,9 vs. 1,9 Punkte. Die Unterschiede waren signifikant. (Behandlungsdifferenz: 3,55 Punkte bzw. 4,26 Punkte; p = 0,0002 bzw. p < 0,0001).

 

Sekundäre Studienendpunkte betrafen etwa die Besserung nicht-motorischer Symptome bestimmt mit der Parkinson’s Disease Non-Motor Symptoms Assessment Scale (PDNMS), der Lebensqualität gemessen mit dem Parkinsons’s Disease Quality of Life Questionnaire (PDQ-8) sowie des Schmerzes laut der Likert-Schmerzskala. Auch hier schnitt Rotigotin (z.B. Neupro®) deutlich besser ab als Placebo. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Übelkeit, Hautreaktionen an der Applikationsstelle, Schwindel, Dyskinesien und Kopfschmerz; sie waren meist mild oder moderat. [1]

 

 

Starke Effekte auf Beeinträchtigungen der Lebensqualität

 

In einer aktuellen Post-hoc-Analyse von RECOVER wurden die Effekte in den einzelnen Items von PDSS-2 und PDQ-8 genauer untersucht. Es zeigte sich für Rotigotin in zehn der 15 PDSS-2 und fünf der acht PDQ-8-Items ein erheblicher Vorteil. Dieser Benefit trat in der gesamten Studienpopulation am stärksten in den Kategorien „Beinschmerz, der zum Aufwachen führt“ und „unwohl im Bett wegen Unbeweglichkeit“ (PDSS-2) sowie „Schwierigkeiten beim Ankleiden“, „depressive Stimmung“ und „Probleme in der Öffentlichkeit“ (PDQ-8) auf. Die Einschätzung der Studienautoren: „Rotigotin zeigte mit die stärksten Effekte in Items, die oft übersehen werden, aber eine große Bedeutung für die Lebensqualität der Patienten haben.“ [2]

 

 

Einfache Handhabung und gleichmäßige Wirkung

 

Dass Rotigotin sich auch in der Praxis bewährt, wurde in Kasuistiken deutlich, die Dr. med. Stefan Ries aus Erbach präsentierte. Sie bestätigten die Vorteile des breiten Wirkspektrums von Rotigotin gegen Einschränkungen der Beweglichkeit ebenso wie gegen Schmerz, Schlafprobleme und Stimmungsstörungen. Denn ca. 30 bis 50 Prozent der Parkinsonpatienten berichten über depressive Störungen mit Apathie, Anhedonie und Gereiztheit. „Auch diese lassen sich durch eine effiziente dopaminerge Behandlung mit Rotigotin bessern“, berichtete der niedergelassene Neurologe, Geriater und Schmerztherapeut. Er unterstrich zudem die Vorteile der einmal täglichen Applikation des transdermalen Pflasters für den Alltag und die Compliance der Patienten. So könne die kontinuierliche dopaminerge Stimulation mit stabilen Rotigotin-Plasmaspiegeln, die gefürchtete morgendliche Akinese vermeiden.

 

 

Einfache Umstellung auf Rotigotin

 

Eine Umstellung von einem anderen Dompaminagonisten auf Rotigotin ist 1:1 über Nacht möglich. Möglicherweise können bei einem “Overnight-Switch” motorische Einbrüche auftreten – oder der Patient hat Angst hiervor. “Dies zu vermeiden erfordert, einen zeitlich engen Patientenkontakt, der im Rahmen der ambulanten Versorgung nur schwer zu realisieren ist“ erklärte Priv.-Doz. Dr. med. Dirk Woitalla, Oberarzt an der Klinik für Neurologie des St.-Josefs-Hospitals Bochum. Er stellte die von ihm entwickelte und bei seinen Patienten eingesetzte „Tip-Toe-Strategie“ vor. Sein Umstellungsschema beschreibt die schrittweise Umstellung eines Dopaminagonisten auf Rotigotin. Demnach erhalten seine Patienten, deren mittelschwere bis schwere Parkinson-Symptomatik mit einem Dopaminagonisten unzureichend behandelt ist, zunächst Add-on 2 mg/24 h Rotigotin. „Eine Woche später kann die Dosis des bisherigen Medikaments um ein Viertel reduziert und Rotigotin auf 4 mg/24 h erhöht werden. Nach ca. 1 Woche wird die ‚alte‘ Medikation um die Hälfte der Ausgangsdosis verringert und es werden nun 6 mg/24 h Rotigotin gegeben“, erklärte Woitalla. Im letzten Schritt ersetzt er komplett die ursprüngliche Medikation durch insgesamt 6 – 8 mg/24 h Rotigotin.* „Das ‚Ausschleichen‘ der Vormedikation wird vereinfacht, wenn wir uns an den kommerziell angebotenen Tablettenstärken orientieren“, empfahl Woitalla abschließend.

 

 

Anmerkung

 

  • * Siehe auch Dosierungsempfehlung in der Fachinformation Neupro®, Stand August 2011

 

 

 

Literatur

 

  • [1] Trenkwalder C. et al. (2011). Mov Disord 26(1):90-99.
  • [2] Ghys L et al. Expert Opin Pharmacother 12(13):1985-1998.

 

 

Neupro® in der Europäischen Union

 

Neupro® (Rotigotin transdermales System) ist in der Europäischen Union zugelassen zur symptomatischen Behandlung der idiopathischen Parkinson-Erkrankung als Monotherapie (d.h. ohne Levodopa) im Frühstadium der Erkrankung oder in Kombination mit Levodopa, d. h. während des Krankheitsverlaufs, einschließlich der Spätstadien, wenn die Wirkung von Levodopa nachlässt oder unbeständig ist und Schwankungen der therapeutischen Wirkung auftreten. Neupro® ist in der Europäischen Union außerdem zur symptomatischen Behandlung von mittelschweren bis schweren idiopathischen Restless-Legs-Syndroms bei Erwachsenen zugelassen.

 

Alle Vorräte von Neupro® sollten in einem Kühlschrank aufbewahrt werden. Für den Patienten besteht keine Notwendigkeit, Neupro®-Pflaster in speziellen Behältern zu transportieren und es sollte auch nicht im Gefrierfach aufbewahrt werden.

 

Ausführliche Angaben zur Verschreibung finden Sie in der Europäischen Zusammenfassung der Charakteristika des Arzneimittels (freigegeben im Februar 2011):

http://ec.europa.eu/health/documents/community-register/html/alfregister.htm

 

 

Weitere Informationen über Neupro®

 

 

 

Über UCB

 

UCB, Brüssel, Belgien (www.ucb.com) ist ein weltweit tätiges biopharmazeutisches Unternehmen, das sich der Erforschung und Entwicklung von innovativer Medizin und Behandlungsmöglichkeiten in den Bereichen Zentrales Nervensystem, Immun- und Entzündungserkrankungen widmet, um Menschen mit schweren Krankheiten eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen. UCB erreichte 2011 ein Umsatzvolumen von 3,2 Mrd. € und beschäftigt mehr als 8.000 Mitarbeiter in über 40 Ländern. UCB wird an der Euronext Börse in Brüssel gehandelt.

 


 

Quelle: Case-Workshop „Neupro® bei Parkinson – Alle Symptome im Blick behalten“ am 20.03.2012 in Frankfurt am Main. (tB)

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