Parodontitis erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

 

Marburg (11. Juni 2008) – Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – diese Verbindung mag zunächst absurd klingen, ist es aber keineswegs. Die Entzündung des Zahnhalteapparates gilt als wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Zu diesem Ergebnis kommen unterschiedliche Forschungsergebnisse. Die Parodontitis, an der in Deutschland etwa 70 Prozent der Erwachsenen im Alter von 35 bis 50 Jahren und über 80 Prozent der Senioren leiden, wird mittlerweile mit den klassischen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck und Übergewicht gleichgesetzt. Studien haben ergeben, dass Parodontitis-Patienten ein bis 1,7-fach höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben können.

 

Doch wie kommt es zu diesem Zusammenhang? „Man geht davon aus, dass entzündungs-fördernde Botenstoffe, die bei Parodontalerkrankungen chronisch ausgeschüttet werden, über

die Blutbahn in andere Körperregionen gelangen und so eine systemische Wirkung entfalten“, erklärt Professor Ulrich Schlagenhauf, Leiter der Abteilung Parodontologie der Klinik und

Poliklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Würzburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie.

 

Ursache für arterielle Verschlusskrankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall – der Todesursache Nummer eins in Deutschland – sind entzündliche Veränderungen der Gefäßinnenwände. Neben Rauchen, Diabetes, Alkoholmissbrauch und Übergewicht wurden mittlerweile auch chronische Entzündungen als wesentlicher Risikofaktor identifiziert. „Bei einer unbehandelten chronischen Parodontitis gelangen permanent Bakterien aus den vertieften Zahnfleischtaschen ins Blut. Da manche von ihnen in der Lage sind, direkt in die Zellen der Gefäßwände einzudringen, können sie den Ausgangspunkt einer schwerwiegenden Gefäßerkrankung bilden“, so Professor Schlagenhauf.

 

Der Mund spielt generell für die Einschwemmung von Krankheitserregern in die Blutbahn, so genannter Bakteriämien, eine Schlüsselrolle. Bakteriämien gelten beispielsweise als Hauptursache für eine Endokarditis, eine infektiöse Entzündung der Herzinnenhaut. Bislang wurde allgemein angenommen, dass vor allem bei invasiven medizinischen Eingriffen das größte Endokarditisrisiko besteht. Laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) haben neuere Untersuchungen jedoch gezeigt, dass bei 80 Prozent der Endokarditis-Patienten das Auftreten der Erkrankung in keinem erkennbaren direkten Zusammenhang zu einem operativen Eingriff stand. Die Bakterien müssen also auf einem anderen Weg ins Blut gelangt sein. „Es wurde festgestellt, dass bei Menschen mit Zahnfleischerkrankungen Bakterien bereits bei alltäglichen Aktivitäten wie dem Zähneputzen, dem Gebrauch von Zahnseide oder dem Kauen von Nahrung ins Blut gelangen. Laut der DGK kann daher ein schlechter Zahnstatus ein Risikofaktor für Bakteriämien und damit für die Entstehung etwa einer Endokarditis sein. Menschen mit gesunden Mundverhältnissen hingegen haben erwiesenermaßen seltener Bakteriämien“, sagt Professor Georg Ertl, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Würzburg und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

 

Vor diesem Hintergrund kommen neben einer gesunden Lebensführung und der Vermeidung der klassischen Risikofaktoren einer sorgfältigen Zahnpflege und Mundhygiene sowie der Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung der Parodontitis eine wichtige Bedeutung auch für die Allgemeingesundheit zu, insbesondere zur Vorbeugung von entzündlichen, vielleicht aber auch anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

 

Vor allem Maßnahmen wie die professionelle Zahnreinigung und die Parodontitistherapie können wirkungsvoll dazu beitragen, das Risiko für Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen zu verringern. Bei Erkrankungen, die im Zusammenhang mit einer Parodontitis stehen, ist zudem die Zusammenarbeit mit dem Hausarzt oder Internisten wichtig.

 

Individuelle Tipps für eine effektive Zahnpflege und Mundhygiene zur Vorbeugung einer Parodontitis sowie Informationen zur Behandlung geben der Zahnarzt und sein Team.

 

Quelle: SEKTION ZAHNGESUNDHEIT im Deutschen Grünen Kreuz e. V.

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…
Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern
Toujeo®: Ein Beitrag zu mehr Sicherheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes
Diabeloops Ziel: Baldige Marktpräsenz mit ​individuellen Lösungen zum Diabetes-Management für​ verschiedene…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können
Onkologische Pflegekräfte entwickeln Hörspiel für Kinder: Abenteuer mit Alfons
Krebsüberleben hängt von der Adresse ab

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
Empfehlung zur Corona-Impfung bei Multipler Sklerose (MS)
Fallstudie: Beeinflusst SARS-CoV-2 Infektion die Multiple Sklerose?

PARKINSON

Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit
Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…