Parodontitis

Krankheitsrisiko für den ganzen Körper

 

Abb. 1: Gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch sind wichtige Vorausstzungen zum Schutz vor Allgemeinerkrankungen. Photo: eyewireMarburg (27. Mai 2008) – Gesunde Zähne, gesundes Zahnfleisch und eine insgesamt gesunde Mundhöhle sind wichtige Voraussetzungen zum Schutz vor Allgemeinerkrankungen. Bei unzureichender Hygiene kann der Mund zur Eintrittspforte für schädliche Bakterien in den Körper werden. Vor allem Keime, die zu einer Entzündung des Zahnhalteapparates, einer Parodontitis, führen, können das Risiko für systemische Erkrankungen erhöhen. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass eine Parodontitis ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, akuten und chronischen Atemwegserkrankungen, Diabetes und das metabolische Syndrom sein kann. Neueste Ergebnisse zeigen sogar, dass eine Parodontalbehandlung die Funktionsfähigkeit der Blutgefäße wieder verbessern kann. Außerdem kann eine unbehandelte Parodontitis zu Komplikationen in der Schwangerschaft führen. Darüber hinaus werden auf Basis aktueller wissenschaftlicher Daten Wechselwirkungen einer Parodontitis mit weiteren systemischen Erkrankungen wie Osteoporose, Alzheimer, rheumatoide Arthritis und Krebserkrankungen der Mundhöhle diskutiert.

„Wird eine Parodontitis nicht behandelt, können Bakterien und Entzündungsbotenstoffe vom Mundraum über die Blutbahn in andere Körperregionen vordringen und dort Erkrankungen auslösen oder vorhandene Erkrankungen begünstigen“, erklärt Professor Jörg Meyle, Direktor der Poliklinik für Parodontologie der Universität Gießen und Vorstandsmitglied der European Federation of Periodontology, die Wechselwirkungen zwischen Mund- und Allgemeingesundheit.

 

Ein Blick in die Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie aus dem Jahr 2006 zeigt die Brisanz des Themas: Etwa 70 Prozent der 35- bis 50-Jährigen und über 80 Prozent der Senioren leiden in Deutschland an einer Parodontitis an mindestens einem Zahn. Neben den Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit ist die Erkrankung nach dem 45. Lebensjahr die häufigste Ursache für Zahnverlust. Anfänglich meist schmerzlos, kann es infolge der Entzündung fast unbemerkt zu Zahnfleischtaschen durch den Abbau des Kieferknochens kommen.

In vielen Fällen äußert sich die Entzündung in einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Rötung und Schwellung des Zahnfleischs, die Blutungsneigung des Zahnfleischs etwa beim Zähneputzen ist erhöht. Weitere Symptome sind Zahnfleischrückgang und in der Folge empfindliche Zahnhälse. Später kommen unangenehmer Mundgeruch und Zahnlockerung hinzu. Auslöser einer Parodontitis sind Keime im Zahnbelag, auch Plaque genannt, die sich vor allem ober- und unterhalb des Zahnfleischrandes befinden. Zudem bestimmen körpereigene Abwehrmechanismen den Krankheitsverlauf. Raucher haben ein besonders hohes Risiko, eine Parodontitis zu entwickeln.

 

Abb. 2: Die linke Bildhälfte zeigt einen gesunden Zahn: Das Zahnfleisch umschließt den Zahnhalteapparat vollständig und schützt ihn so wirksam. Die rechte Bildhälfte zeigt das typische Erscheinungsbild einer Parodontitis mit Zahnfleischrückgang und dem Abbau des Kieferknochens. Photo: Dexcel LTDEine effektive Mundhygiene zu Hause und eine gesunde Lebensführung können das Parodontitisrisiko senken. Wichtig ist die regelmäßige Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide und Zahnzwischenraumbürstchen. Die Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt sollten am besten zweimal im Jahr wahrgenommen werden. Denn nur der Zahnarzt kann die Schwere einer Parodontitis mithilfe des Parodontalen Screening Index (PSI) und Röntgenbildern individuell feststellen. „Die Prognose ist dann umso günstiger, je früher die Erkrankung erkannt wird und gezielte Therapiemaßnahmen erfolgen“, sagt Meyle. Die Behandlung besteht nach einer ausführlichen Mundhygiene-Anleitung zunächst aus einer professionellen Zahnreinigung, bei der alle Beläge vor allem in den Zahnzwischenräumen und ober- und unterhalb des Zahnfleischrandes entfernt werden. „Ein gereinigter Zahn mit einer sauberen, möglichst glatten Wurzeloberfläche ist die Grundvoraussetzung, die in Kombination mit einer regelmäßigen gründlichen Mundhygiene des Patienten in vielen Fällen einen langfristigen Erfolg garantiert“, erklärt Meyle.

 

Unter Umständen kann auch eine zusätzliche antibakterielle Therapie mit Chlorhexidin oder Antibiotika sinnvoll sein. Abhängig vom Erkrankungsrisiko sind weitere zahnärztliche Kontrolluntersuchungen notwendig und gegebenenfalls weitere Behandlungsschritte.

 

Individuelle Tipps für eine effektive Zahnpflege und Mundhygiene zur Vorbeugung einer Parodontitis sowie Informationen zur Behandlung geben der Zahnarzt und sein Team.


 

Quelle: Presseinformation der SEKTION ZAHNGESUNDHEIT im Deutschen Grünen Kreuz e. V., vom  27.05.2008.

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