Abb.: UKJ-Neurochirurg Dr. Rupert Reichart zeigt einen sogenannten Hirnschrittmacher. Der Stimulator kann auch vom Patienten nach Bedarf ein- bzw. ausgeschaltet werden. Foto: UKJ/SzaboPatient selbst kann Elektrostimulator einschalten und ausschalten

„Hirnschrittmacher“ bei Patienten mit schwerstem Schmerzsyndrom eingesetzt

 

Jena (10. Dezember 2013) – Medizinpremiere in Thüringen: Neurochirurgen der Universitätsklinik Jena (UKJ) setzten nun erstmals in Mitteldeutschland einen sogenannten „Hirnschrittmacher“ bei einem Patienten mit schwerstem Schmerzsyndrom ein. Der Patient aus Thüringen hatte sich bei einem zurückliegenden Unfall vor über fünf Jahren umfangreiche Knochenbrüche im Gesicht zugezogen und litt seitdem unter extremen chronischen Schmerzen. Der Eingriff dauerte rund vier Stunden.
An die Operationen nach dem Unfall schloss sich seinerzeit eine intensive und umfassende Schmerztherapie an: Trotzdem blieb das Schmerzsyndrom im Gesicht des Mannes erhalten und schritt immer weiter fort. Durch den Einsatz des Hirnschrittmachers konnten die Schmerzen nun deutlich gelindert werden.


Bei diesem Verfahren, der „Tiefen Hirnstimulation“, werden die gestörten Gehirnareale durch elektrische Stimulation je nach Erkrankung gehemmt oder angeregt. Dazu werden operativ Elektroden in die erkrankte Hirnregion implantiert sowie ein dazugehöriger individuell programmierbarer Impulsgeber unter das Schlüsselbein eingesetzt. „Bereits über 50 Patienten haben hier am UKJ durch die Zusammenarbeit der neurologischen und der neurochirurgischen Klinik einen Hirnschrittmacher erhalten. Bislang wurde diese extrem komplizierte Operation hauptsächlich bei Patienten mit Parkinsonerkrankung oder auch Tremor (Zittern) oder Dystonie (überschießende Bewegungsstörung) eingesetzt“, erklärt Prof. Dr. Rolf Kalff, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKJ. Die Erfahrung dieser Eingriffe war u.a. jetzt die Basis, um die gewonnenen Erkenntnisse der Tiefen Hirnstimulation nun auch für dieses Krankheitsbild zu nutzen.


Patient selbst kann Elektrostimulator einschalten und ausschalten

UKJ-Neurochirurg Dr. Rupert Reichart schildert den Eingriff: „In der vierstündigen Operation wurden zwei Stimulationselektroden in zwei Areale des Mittelhirns, die einen entscheidenden Einfluss auf die körpereigene Schmerzunterdrückung haben, implantiert. Zunächst wurden die Stimulationskabel mit einer Verlängerung nach außen geleitet, so dass eine fast vierwöchige Testphase mit einem externen Stimulationsgeber erfolgen konnte. Zum Schluss dieser Testperiode war die Schmerzsymptomatik zwar noch nicht vollständig verschwunden, konnte jedoch schon wesentlich gelindert werden.“ Daher implantierten die Neurochirurgen des UKJ nun einen dauerhaften Simulator unter die Haut. Dieser arbeitet jetzt kontinuierlich. Das Besondere: Der Stimulator kann auch vom Patienten nach Bedarf ein- bzw. ausgeschaltet werden.

Die Thüringer Neurochirurgen schließen nicht aus, dass die Einsatzfelder für Hirnschrittmacher in Zukunft weiter ausgedehnt werden: „Es gibt erste vielversprechende Daten, dass neben Menschen mit chronischen Schmerzen und Bewegungsstörungen vor allem auch psychiatrisch erkrankte Patienten, etwa mit Zwangsstörungen, durch eine Tiefe Hirnstimulation erfolgreich behandelt werden können. Im Gegensatz zu früher haben diese Operationen heute ein sehr geringes Risiko. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Implantation der Stimulationssonden vollständig rückgängig gemacht werden kann“, so Dr. Reichart. Daher könne das Verfahren gerade bei Patienten mit einem hohen Leidensdruck von wachsender Bedeutung werden.

 

 

Weitere Informationen

 

 

 

Abb.: UKJ-Neurochirurg Dr. Rupert Reichart zeigt einen sogenannten Hirnschrittmacher. Der Stimulator kann auch vom Patienten nach Bedarf ein- bzw. ausgeschaltet werden. Foto: UKJ/Szabo

 


 

Quelle: Universitätsklinikum Jena, 10.12.2013 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung