Pauschale Kritik an Antipsychotika ist unberechtigt

 

Berlin (2. Juni 2010) – Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) warnt davor, in der Öffentlichkeit Vorurteile gegenüber Psychopharmaka zur Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu schüren. Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) hatte zuletzt ein Memorandum veröffentlicht, in dem diese sich gegen die gängige Anwendung von Antipsychotika bei Patienten mit Schizophrenien wendet.

 

Die DGPPN kritisiert in einer Stellungnahme das von der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) veröffentlichte „Memorandum zur Anwendung von Antipsychotika“. Darin wendet die DGSP sich gegen die gegenwärtige Anwendungspraxis der Pharmakotherapie bei Menschen mit schizophrenen Störungen. Das Verhältnis von Nutzen und Risiko sei ungünstiger als bisher angenommen. Weiter behauptet man dort, dass die Verschreibung von Antipsychotika in den letzten Jahren stark zugenommen habe. Sozio- und psychotherapeutische Verfahren werden stattdessen als alleinige Alternativen zur medikamentösen Therapie genannt.

 

Als wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft hält die DGPPN diese Meinung für nicht belastbar und plädiert für eine Argumentation, die alle relevanten Daten berücksichtigt. Studien belegen, dass gerade die Kombination von medikamentöser Therapie mit psycho- und soziotherapeutischer Unterstützung sich als am wirkungsvollsten erweist, wenn es um die Behandlungen psychischer Erkrankungen geht. Die einseitige Ablehnung der antipsychotischen Pharmakotherapie verhindert, dass psychische Störungen optimal behandelt werden und fördert darüber hinaus die in der Öffentlichkeit vorhandenen Vorurteile gegenüber Psychopharmaka. Zudem wird im Rahmen dieser Diskussion der Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen Vorschub geleistet.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), 02.06.2010 (tB).

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