Xeloda als zeitgemäßer Kombinations-Partner in der Therapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms

 

Von PD Dr. med. Anke Claudia Reinacher-Schick

 

Berlin (1. Oktober 2008) – 5-FU war seit Jahrzehnten das Standardmedikament für die Therapie des kolorektalen Karzinoms mit Remissionsraten von 10 bis 15 % und einem medianen Gesamtüberleben von zirka 6 bis 9 Monaten. Infusionale, kontinuierliche 5-FU Protokolle steigerten die Remissionsraten bei guter Verträglichkeit. Bolusregime sind wegen der hohen Nebenwirkungsrate obsolet. Orale Fluoropyrimidine, vor allem Capecitabin, können die Lebensqualität verbessern, da sie eine ambulante Therapie ohne Port-Systeme und Pumpen ermöglichen, die mit einer Komplikationsrate von zirka 10 % assoziiert sind (Thrombose, Infektion, Dislokation). Zudem entstehen niedrigere Kosten. Die Nebenwirkungen von Capecitabin sind hauptsächlich das Hand-Fuß-Syndrom, Blutbildveränderungen und Diarrhoen. Studien haben gezeigt, dass Patienten die orale Applikationsform bevorzugen, solange die Wirksamkeit nicht beeinträchtigt ist. Die Äquipotenz von Capecitabin im Vergleich zu einem 5-FU Monotherapie-Protokoll ist in mehreren Analysen klar gezeigt worden. Auch wegen der besseren Patientenzufriedenheit empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie kolorektales Karzinom bei Wahl einer 5-FU Monotherapie die orale Verabreichung vor den infusionalen Protokollen, wenn auch nicht mit starkem Konsens.

 

Oxaliplatin-Kombinationstherapien

Zwei große Phase-III-Studien mit insgesamt 822 Patienten liegen vor, die infusionales 5-FU/FS mit der oralen Vorstufe Capecitabin jeweils in Kombination mit Oxaliplatin verglichen. In der deutschen Studie wurde im XELOX-Arm ein progressionsfreies Überleben von 7,1 Monaten (versus 8 Monate im FUFOX–Arm; p=0,117) und ein Gesamtüberleben von 16,8 Monaten (versus 18,8 Monate im FUFOX-Arm; HR: 1,12) gezeigt (Porschen et al., JCO 2007). Die häufigste nicht hämatologische Nebenwirkung war eine Polyneuropathie in 27 resp. 25 % der Fälle, nur das Hand-Fuß Syndrom 2. und 3. Grades trat im XELOX–Arm signifikant häufiger auf (p=0,028). Die spanische Studie bestätigte diese Ergebnisse (Diaz-Rubio et al., JCO 2007). Eine weitere große Phase-III-Studie (NO16966) zeigte klar die Nichtunterlegenheit von Capecitabin und Oxaliplatin (im XELOX-Protokoll mit oder ohne Bevacizumab) bezüglich des progressionsfreien und des Gesamtüberlebens im Vergleich mit FOLFOX4 (HR: 1,04 für PFS und HR: 0,99 für OS) (Cassidy et al., JCO 2008).

 

Irinotecan-Kombinationstherapien

Die Datenlage zur Wirksamkeit von Capecitabin und Irinotecan ist weniger einheitlich als bei der Kombination Capecitabin/Oxaliplatin. In der BICC-C Studie war XELIRI dem FOLFIRI Protokoll klar unterlegen. Wahrscheinlich spielte die sehr hohe Diarrhoerate von fast 50 % eine entscheidende Rolle. Eine weitere Arbeit berichtet von intolerablen Nebenwirkungen des XELIRI-Regimes, die auch zum vorzeitigen Abbruch der Studie führten. Die CAIRO-Studie ist mit 820 Patienten die bisher größte Studie, die die Kombination von Capecitabin und Irinotecan einsetzte. Die Häufigkeit von Grad ¾ Toxizitäten unterschied sich diesmal nicht signifikant zwischen den beiden Gruppen. In dieser Studie war die Rate an schwerwiegenden Diarrhoen deutlich niedriger als in der BICC- und der EORTC-Studie, wahrscheinlich, weil die Studienzentren gezielt für die Studiendurchführung geschult wurden. Das XELIRI-Regime kann zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der Toxizität nicht als Standardbehandlung angesehen werden. Phase-II-Daten der AIO deuten jedoch darauf hin, dass XELIRI in dosisreduzierter Form mit vertretbaren Nebenwirkungen einhergeht und somit einsetzbar ist (Reinacher-Schick et al., ASCO 2008).

 

Auch in der Zweitlinientherapie kann Capecitabin sowohl bezüglich der Nebenwirkungen als auch bezüglich der Effektivität infusionales 5-FU ersetzen.

 

Zusammenfassend gilt Capecitabin in praktisch allen Kombinationsprotokollen als gleich wirksam und gut verträglich in der Therapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms. Lediglich in der Kombination mit Irinotecan sollte die Capecitabin-Dosis primär reduziert werden. Vor allem die verbesserte Patientenzufriedenheit spricht für den Einsatz von Capecitabin bei der Behandlung des kolorektalen Karzinoms.

 

 

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Quelle: Pressekonferenz der Firma Roche Pharma zum Thema „Xeloda® als Standard in allen Phasen der Darmkrebstherapie“ am  01.10.2008 in Berlin (medical relations).

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