DGSS 2010 in Mannheim

Perspektivenwechsel in der Therapie chronischer Schmerzen

 

Neue pharmakologische Option mit zwei synergistischen Wirkmechanismen in einem Molekül

 

Mannheim (7. Oktober 2010) – Um die Therapie chronischer Schmerzen so optimal wie möglich zu gestalten, wird nach immer effizienteren Behandlungsmethoden geforscht. Es hat sich gezeigt, dass das körpereigene endogene System bezüglich der Schmerzhemmung sehr wirksam ist. Daher wird in der Forschung nach intelligenten Lösungen gesucht, die eine effiziente Wirkung erzielen. Seit Oktober 2010 steht mit Tapentadol (PALEXIA® retard) ein neues Molekül zur Verfügung, das zwei Wirkmechanismen in einem Molekül vereint: μ-Opioid-Rezeptor-Agonismus (MOR) und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmung (NRI). Beide tragen synergistisch zur Analgesie bei. In den Studien wies Tapentadol im Vergleich zu klassischen Opioiden wie Oxycodon – bei gleicher analgetischer Wirkung – eine stark verbesserte Verträglichkeit auf. „Für den chronischen Schmerzpatienten könnte Tapentadol aufgrund seines Profils eine interessante Option sein, denn auch die Daten zur Lebensqualität fielen in den Studien sehr positiv aus“, so Professor Dr. Ralf Baron vom Universitätsklinikum Kiel.

 

 

Mechanismen-basierte Schmerztherapie – Realität oder Vision?

 

Körpereigene Mechanismen können die Weiterleitung von Schmerz reduzieren. Der Organismus übermittelt das Schmerzsignal zum Gehirn. Über die aufsteigenden Bahnen wird die Schmerzwahrnehmung vorwiegend durch endogene Opioide an μ-Rezeptoren gelindert. Die absteigenden Bahnen können Botenstoffe wie z.B. Noradrenalin freisetzen, wodurch die Schmerzwahrnehmung gehemmt werden kann. „Die deszendierenden schmerzhemmenden Systeme sind permanent aktiv. Bei Bedarf steigern sie ihre Wirkung noch weiter, z.B. um ungestörten Schlaf zu ermöglichen, oder wenn der Körper sich in einem Stresszustand oder in einer lebensbedrohlichen Situation befindet. Durch neurophysiologische Verfahren konnte nachgewiesen werden, dass die körpereigene Schmerzabwehr unter Umständen sogar stärker wirkt als die pharmakologische Schmerztherapie“, berichtete Professor Dr. Jürgen Sandkühler von der Medizinischen Universität Wien.

 

 

Eine für alles?

 

Der Wirkstoff Tapentadol ist das erste Analgetikum, das gleichzeitig an beiden Stellen der Schmerzwahrnehmung μ-Opioid-Rezeptor-Agonismus (MOR) und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmung (NRI) ansetzt und dadurch bei nozizeptiven, neuropathischen und gemischten Schmerzen wirksam ist. Die ist eine wichtige Neuerung für die Praxis, denn viele chronische Schmerzsyndrome sind durch eine Kombination von nozizeptiven und neuropathischen Schmerzen gekennzeichnet. Um die verschiedenen Komponenten zu identifizieren, wird in der Schmerztherapie mit dem painDETECT-Fragebogen gearbeitet. Mit ihm lassen sich durch die Erhebung von speziellen Symptomen entsprechende Schmerzprofile erheben. So kann man z.B. bei Rückenschmerzpatienten anhand des Fragebogens Patienten mit hoher neuropathischer Komponente von solchen mit überwiegend nozizeptiver Komponente unterscheiden. Tapentadol zeigte bei beiden Subgruppen der Rückenschmerzpatien-ten eine vergleichbare Wirksamkeit.(1)

 

Das Wirkprinzip von Tapentadol ist dabei je nach Schmerzsituation unterschiedlich ausgeprägt: In neuropathischen Schmerzen, bei denen die afferenten Fasern und damit viele der präsynaptischen spinalen μ-Rezeptoren degeneriert sind, überwiegt der noradrenerge Mechanismus, im Falle nozizeptiver Schmerzen dagegen die μ-Wirkung.(2)

 

 

Überzeugende Studiendaten

 

Eine gepoolte Analyse von drei Phase-III-Studien, die Patienten mit schmerzhafter chronischer Arthrose des Knies und chronischen Rückenschmerzen einschloss, konnte die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Tapentadol bei nozizeptiven und neuropathischen Schmerzen nachweisen. Die 15-wöchigen Studien zeigten eine signifikante Reduktion der Schmer-zen im Vergleich zu Placebo und Oxycodon. Durch die verbesserte Verträglichkeit von Tapentadol – gerade bei gastrointestinalen und ZNS-Nebenwirkungen – gab es im Vergleich zu klassischen Opioiden, wie Oxycodon deutlich weniger Therapieabbrüche. 61,7 Prozent der Patienten haben die Therapie unter Oxycodon abgebrochen, während in der Tapentadol-Gruppe die Abbruchrate bei lediglich 43,5 Prozent lag.(3) Tapentadol erzielte auch bei klassischen neuropathischen Schmerzen, wie z.B. der diabetischen Polyneuropathie, eine signifikante Verbesserung der Schmerzintensität.(4)

 

 

Entwicklungspartner für Tapentadol

 

Tapentadol ist eine Entdeckung Grünenthals. Die Phase-IIb- und III-Entwicklungsprogramme für Tapentadol bei akuten und chronischen Schmerzen führten Grünenthal und J&JPRD (Johnson & Johnson Pharmaceutical Research & Development, L.L.C.) gemeinsam durch. Grünenthal hat die Vermarktungsrechte für die USA, Kanada und Japan an Ortho-McNeil-Janssen Pharmaceuticals, Inc. und J&JPRD, vergeben. Die Vermarktungsrechte für Europa und weitere Länder weltweit verbleiben bei Grünenthal.

 

 

Über die Grünenthal Gruppe

 

Grünenthal strebt an, weltweit der bevorzugte Partner in der Schmerzbehandlung für Patienten, Ärzte und Krankenkassen zu sein. Das Unternehmen treibt Innovation voran, um – direkt oder mit Partnern – weltweiter Marktführer in der Behandlung moderater bis starker Schmerzen zu sein. Grünenthal ist ein unabhängiges, deutsches Unternehmen im Familienbesitz, das weltweit in 35 Ländern Gesellschaften hat. Das 1946 gegründete Unternehmen beschäftigte Ende 2009 in Deutschland rund 2.000 Mitarbeiter, weltweit circa 4.900. Der Umsatz 2009 betrug rund 881 Millionen Euro. Weitere Informationen unter: www.grunenthal.de

 

 

Anmerkungen

 

  1. Bisher unveröffentlichte Studiendaten (KF 44 + 45).
  2. Tzschentke et al., Drugs of Today 2009;45(7):483–496.
  3. Lange et al., Adv Ther. 2010;27(6):381–99.
  4. Etropolski et al., Poster Presented at the Annual Meeting of the American Academy of Neurology (AAN), April 25-May 2, 2009, Seattle, Washington.

 

 


Quelle: Symposium der Firma Grünenthal zum Thema „Chronischer Schmerz – ein Perspektivenwechsel“ am 07.10.2010 in Mannheim anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses 2010 (MCG-Medical Consulting Group) (tB).

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