MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

PET und PET/CT zur Erkennung von Rückfällen nach einem bösartigen Hirntumor

IQWiG veröffentlicht vorläufige Ergebnisse

 

  • Nutzen der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mangels belastbarer Studien nicht beurteilbar
  • Auch Treffsicherheit ist kaum untersucht

 

Berlin (13. Juli 2010) – Maligne Gliome sind schnellwachsende Hirntumore, bei denen die Aussichten auf Heilung je nach Tumorstadium sehr beschränkt sind. Experten hoffen aber seit Jahrzehnten, dass die Untersuchung von Patienten mit Positronen-Emissions-Tomographie (PET) besser als andere Verfahren bei der Auswahl der richtigen Behandlung helfen könnte. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Nutzen der PET in der Erkennung von Rückfällen jetzt in einem Vorbericht untersucht, der am 13. Juli 2010 veröffentlicht wurde. Nach den vorläufigen Ergebnissen des Projekts sind zu den Vor- oder Nachteilen der PET jedoch keine belastbaren Schlussfolgerungen möglich.

 

 

Doppelte Fragestellung

 

Das Institut hat zwei Fragen untersucht. Die erste Frage lautete: Trägt die PET als Einzelgerät oder als Kombination aus PET und Computertomographie (CT) in einem Gerät (PET/CT) dazu dabei, dass Patienten mit Rückfällen von Gliomen länger überleben oder weniger Komplikationen durch ihre Krankheit und Behandlungen hinnehmen müssen? Diese Frage konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG nicht beantworten, weil sie in der Fachliteratur keine belastbare Studie fanden, die eine Aussage zum patientenrelevanten (Zusatz-)Nutzen zuließ.

 

Außerdem untersuchten sie noch eine zweite Frage: Kann man einen Rückfall eines Glioms nach einer Behandlung durch eine PET beziehungsweise PET/CT-Untersuchung zuverlässiger erkennen als mit anderen Methoden? Zur PET fanden sich zwar 12 Studien aus über zwei Jahrzehnten, von Studie zu Studie schnitt das Verfahren jedoch so unterschiedlich ab, dass keine allgemeine Antwort gegeben werden kann. Zur PET/CT fand sich keine einzige Studie.

 

Dieser Mangel an guten Studien ist bedauernswert. Die PET wird bereits seit den frühen 1980er-Jahren bei Patienten mit Hirntumoren versuchsweise eingesetzt, es gab also genügend Zeit für aussagekräftige Studien. Das IQWiG plädiert deshalb dafür, die fehlenden Studien schnellstens nachzuholen. Weil Gliome relativ selten sind, müssten sich dazu mehrere Kliniken im Idealfall zu internationalen Kooperationen zusammenschließen, um in vertretbarer Zeit belastbare Daten zu gewinnen.

 

 

Wie funktioniert die PET?

 

Zur Diagnose von Hirntumoren werden Computertomographie (CT) (und Magnetresonanztomographie, MRT) eingesetzt. Mit diesen Geräten können ganze Organe dreidimensional dargestellt werden. Wenn ein Patient mit einem Hirntumor durch eine Bestrahlung behandelt wurde, lässt sich auf den Bildern des Gehirns aber oft nicht unterscheiden, ob es sich bei sichtbaren Überresten um aktives Tumorgewebe handelt oder um Gewebereste, die durch die Bestrahlung abgetötet wurden (Strahlennekrosen).

 

Die PET soll hier weiterhelfen. Dazu wird den Patienten ein Kontrastmittel gespritzt, das eine schwache und unschädliche radioaktive Strahlung abgibt. Da Tumorgewebe oft einen aktiveren Stoffwechsel als gesundes oder abgestorbenes Gewebe hat, reichert sich das strahlende Kontrastmittel dort an. Diese "leuchtenden" Gewebestellen im Körper können mit Hilfe der PET gemessen und in CT-Bilder eingeblendet werden, so dass Ärzte gleichzeitig die Lage und die Stoffwechselaktivität von Gewebeauffälligkeiten sehen können. In neueren Studien werden auch PET und MRT kombiniert.

 

Auch wenn die PET-Untersuchung mehr Informationen liefern würde, hieße das nicht zwangsläufig, dass Patienten davon einen Nutzen haben. Die entscheidende Frage ist, ob die PET oder PET/CT die Behandlung der Patienten verbessert, indem sie zum Beispiel den Ärzten hilft, die individuell beste Therapie auszuwählen.

 

 

Zum Ablauf der Berichtserstellung

 

Zu diesem Vorbericht können bis zum 10. August 2010 schriftliche Stellungnahmen eingereicht werden. Das IQWiG wird diese sichten und würdigen. Sollten die Stellungnahmen nach Auffassung des IQWiG Fragen offen lassen und Diskussionsbedarf bestehen, wird eine mündliche Erörterung stattfinden. Danach wird der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht an den G-BA weitergeleitet.

 

Einen Überblick über Hintergrund, Vorgehensweise und weitere Ergebnisse des Vorberichts gibt folgende Kurzfassung unter http://www.iqwig.de/download/D06-01D_Kurzfassung_Vorbericht_PET_und_PET-CT_bei_malignen_Gliomen_.pdf  (PDF, 51 kB).

 


 

Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 13.07.2010 (tB).

MEDICAL NEWS

IU School of Medicine researchers develop blood test for anxiety
COVID-19 pandemic increased rates and severity of depression, whether people…
COVID-19: Bacterial co-infection is a major risk factor for death,…
Regenstrief-led study shows enhanced spiritual care improves well-being of ICU…
Hidden bacteria presents a substantial risk of antimicrobial resistance in…

SCHMERZ PAINCARE

Hydromorphon Aristo® long ist das führende Präferenzpräparat bei Tumorschmerz
Sorgen und Versorgen – Schmerzmedizin konkret: „Sorge als identitätsstiftendes Element…
Problem Schmerzmittelkonsum
Post-Covid und Muskelschmerz
Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln

DIABETES

Wie das Dexom G7 abstrakte Zahlen mit Farben greifbar macht…
Diabetes mellitus: eine der großen Volkskrankheiten im Blickpunkt der Schmerzmedizin
Suliqua®: Einfacher hin zu einer guten glykämischen Kontrolle
Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie unterversorgt? Studie zeigt auffällige…
Suliqua® zur Therapieoptimierung bei unzureichender BOT

ERNÄHRUNG

Positiver Effekt der grünen Mittelmeerdiät auf die Aorta
Natriumaufnahme und Herz-Kreislaufrisiko
Tierwohl-Fleisch aus Deutschland nur mäßig attraktiv in anderen Ländern
Diät: Gehirn verstärkt Signal an Hungersynapsen
Süßigkeiten verändern unser Gehirn

ONKOLOGIE

Strahlentherapie ist oft ebenso effizient wie die OP: Neues vom…
Zanubrutinib bei chronischer lymphatischer Leukämie: Zusatznutzen für bestimmte Betroffene
Eileiter-Entfernung als Vorbeugung gegen Eierstockkrebs akzeptiert
Antibiotika als Störfaktor bei CAR-T-Zell-Therapie
Bauchspeicheldrüsenkrebs: Spezielle Diät kann Erfolg der Chemotherapie beeinflussen

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Aktuelle Immunmodulatoren im Vergleich
Neuer Biomarker für Verlauf von Multipler Sklerose
Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Forschung: Neuer Alpha-Synuclein-Test entdeckt die Nervenerkrankung vor…
Neue Erkenntnisse für die Parkinson-Therapie
Cochrane Review: Bewegung hilft, die Schwere von Bewegungssymptomen bei Parkinson…
Technische Innovationen für eine maßgeschneiderte Parkinson-Diagnostik und Therapie
Biomarker und Gene: neue Chancen und Herausforderungen für die Parkinson-Diagnose…