Patientensicherheit

GQMG fordert hohe Sprachkompetenz in der Pflege

Köln (1. Juli 2019) -- Forderungen an die Politik und die Arbeitgeber im Gesundheitswesen stellt die AG „Pflege und Qualität“ der Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung (GQMG) in einem Positionspapier zur Sprachkompetenz in der Pflege. Kommunikation sei entscheidend im Umgang mit Patienten und für die Patientensicherheit. Zunehmend werden Pflegefachpersonen aus dem Ausland angeworben und leisten Unterstützung gegen den Fachkräftemangel. Ihre Sprachkompetenz sollte in einem bundesweit einheitlichen Verfahren geprüft werden, beispielsweise in Verantwortung der neu eingerichteten Pflegekammern. Die deutsche Sprache einschließlich der fachsprachlichen Anforderungen muss durch zertifizierte Schulen unterrichtet und auf anspruchsvollem Niveau geprüft werden. Kranke und pflegebedürftige Menschen haben ein Anrecht auf eine qualitativ hochwertige und sichere Versorgung.


In nur fünf Jahren ist die Zahl ausländischer Pflegefachpersonen in Deutschland um etwa 40.000 Personen oder fast 50 % gestiegen. Die Arbeitgeber erwarten, dass die Pflegefachpersonen schnell eigenverantwortlich arbeiten und voll einsatzfähig sind, was wiederum das Beherrschen der deutschen Sprache voraussetzt. Ihre Integration in das deutsche Gesundheitssystem und ihr Spracherwerb sind jedoch nicht zufriedenstellend geregelt. Die Sprachkompetenz der Pflegefachpersonen ist sehr unterschiedlich, da die Anforderungen in Deutschland nicht einheitlich geregelt sind. Die GQMG nennt als Hemmnisse uneinheitliche, länderspezifische Anerkennungsverfahren, ein zu geringes gefordertes Sprachniveau und in manchen Fällen fragwürdige Zertifikate von nicht akkreditierten Sprachschulen. Die Vermittlung von Pflegefachpersonen in den angespannten deutschen Stellenmarkt sei ein lukratives Geschäftsmodell. Das gebe Anlass zu der Sorge, dass gelegentlich Quantität vor Qualität geht.

Der Umgang mit Sprache ist im medizinischen und pflegerischen Alltag eine Schlüsselkompetenz. Pflegefachpersonen kommen dem Patienten im wörtlichen Sinne nah, sie greifen in seinen intimsten Schutz-bereich ein. Das erfordert eine vertrauensvolle und adäquate Kommunikation. Auch lassen sich Patienten verunsichern, wenn sie von geringer sprachlicher Kompetenz auf mangelnde fachliche Kompetenz schließen. Zudem behindern Sprachschwierigkeiten erheblich die Kommunikation und können in der Folge zu kritischen und unerwünschten Ereignissen führen. Pflegefachpersonen sollten für ihre verantwortliche und eigenständige Berufsausübung mindestens das Niveau C1 (kompetente Sprachanwendung) des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) erreichen und überdies die üblichen medizinischen und pflegerischen Fachtermini ausreichend beherrschen. Die AG „Pflege und Qualität“ stellt sich daher hinter die bereits verschiedentlich erhobene Forderung, die Integration ausländischer Pflegekräfte bundesweit zu vereinheitlichen und mit einem hochwertigen Prüfverfahren die Qualität der Pflege sicherzustellen.





Die Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung e. V. (GQMG) ist seit 1993 das Forum für heute über 500 persönliche und institutionelle Mitglieder aus dem Gesundheitswesen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Sie bietet allen Berufen und Bereichen einen praktischen und wissenschaftlichen Austausch zu Qualität und Management in der Gesundheitsversorgung.




Quelle: Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung e. V. (GQMG), 01.07.2019 (tB).