Pflegende Angehörige sichern das System – sie brauchen mehr Entlastung und wirksamere Unterstützung

 

Berlin (16. Februar 2011) – Für den 14.02.2011 lud Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler die Pflege-, Patienten- und Sozialverbände zur zweiten Runde des Pflegedialogs in sein Ministerium. Nachdem sich das Gremium im ersten Gespräch am 7. Dezember intensiv dem „Fachkräftemangel“ gewidmet hatte und erste Maßnahmen und Lösungswege in Augenschein genommen hatte, stand gestern das Thema „Pflegende Angehörige“ im Fokus.

 

„Die Lage ist brisant, aber der Deutsche Pflegerat begrüßt es sehr, dass der Pflegedialog fortgesetzt wird und nun die Interessen, Bedürfnisse und Sorgen der pflegenden Angehörigen in den Fokus rücken“, so Andreas Westerfellhaus nach der Sitzung. Er betonte, es gebe viele Herausforderungen, die direkt anzupacken seien, eben nicht nur in der professionellen Pflege, sondern auch für pflegende Angehörige. Diese stellten die größte Gruppe pflegender Menschen im häuslichen Umfeld dar und eine Vielzahl helfe oft über die eigenen Belastbarkeitsgrenzen hinaus. Pflegende Angehörige brauchten zukünftig nicht nur die Unterstützung professioneller Pflege, sondern darüber hinaus Der Minister machte verschiedene Vorschläge zur Verbesserung der Situation. „Die bestehenden Hilfeangebote, wie Beratung und Pflegekurse für Angehörige werden nicht genug angenommen. Einerseits, weil sie zu unbekannt sind, andererseits weil sie schwer zugänglich sind“, bemängelt Westerfellhaus. Er befürwortete weniger Bürokratie und bessere Beratungsangebote, forderte aber vor allen Dingen innovative Hilfeprogramme, die über die Schulungsmaßnahmen hinaus gehen. Es müssten Soforthilfe-Angebote und Notfallprogramme installiert werden, denn Überlastungs- und Überforderungssituationen kündigten sich selten an. In akuten Notsituationen sei schnelle Hilfe nötig und müsse jedem zugänglich sein. Über diese neuen Strukturen werde in Zukunft aktiv diskutiert werden müssen.

 

„Die pflegenden Angehörigen sichern unser Pflegesystem. Ohne die private Unterstützung bräche das gesamte System zusammen – das können und sollten wir uns nicht leisten. Wir müssen für diese große und wichtige Gruppe in Zukunft mehr tun und dafür brauchen wir unbedingt auch qualifiziertes Pflegefachpersonal“, forderte Westerfellhaus. Der Präsident des Pflegerates hob hervor, der Dialog sei ein erster guter Schritt. Aber ab sofort seien alle Mitverantwortlichen, Politiker wie Interessensvertreter, Entscheider, Organisatoren, Unterstützer etc., aufgerufen und in der Pflicht, an einer zukunftsfähigen Struktur für pflegende Angehörige mitzuarbeiten, damit sie dem System erhalten bleiben. Insgesamt werde es nicht ohne mehr Geld gehen. „Reformen kosten Geld“, so Westerfellhaus und ergänzte: „Wir werden die Kostenfrage sowohl in diesem Dialog-Gremium, aber auch in der Gesellschaft offen diskutieren müssen. Ohne Geld wird es aber keine wirksamen Reformschritte geben. Wir brauchen und fordern eine solide, tragfähige Finanzierung der gesamten Pflege – von pflegenden Angehörigen bis hin zur professionellen Pflege.“

 

 


Quelle: Deutscher Pflegerat (DPR), 16.02.2011 (tB).

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