Abb.: Pflegeoase. Photo: AWO RheinlandPflegeoase ist nicht gleich Pflegeoase

 

Vallendar (14. April 2011) – Die Pflegewissenschaftliche Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) hat jetzt die Ergebnisse einer Studie zu Pflegeoasen veröffentlicht. Im Schwerpunkt geht es dabei um eine Versorgungsform, bei der drei bis sieben Menschen mit schwerer Demenz in einem Raum gepflegt werden. Die zweijährige Studie wurde in Kooperation mit zwei Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt in Rheinland-Pfalz durchgeführt. Gefördert wurde die Studie seitens der AWO Rheinland und des MASGFF RPL. Der Endbericht umfasst neben den Ergebnissen der Studie auch Empfehlungen für Einrichtungen, die eine Pflegeoase implementieren möchten, sowie Hinweise zur Verantwortung von Gesellschaft und Politik.

 

Ziel der Studie „(K)Ein Lebensraum für Menschen im Alter mit schwerer Demenz!?“, oder kurz POLA-SD, war es, mögliche Auswirkungen der Pflegeoase auf die Lebensqualität der betroffenen alten Menschen und die Belastung der Pflegenden zu untersuchen. Darüber hinaus wurden Einschätzungen weiterer beteiligter Berufsgruppen und der Angehörigen erfasst. Prof. Hermann Brandenburg, Inhaber des Lehrstuhls für Gerontologische Pflege und Leiter der Studie, hob anlässlich der Vorstellung der Projektergebnisse hervor: „Einerseits war es uns wichtig, für die von uns untersuchte Pflegeoase konkrete Vorschläge zu formulieren, andererseits haben wir auch Empfehlungen für die Weiterentwicklung von Pflegeoasen in Deutschland herausgearbeitet.“ Dabei geht es z.B. um die Förderung der Mobilität der Bewohner, die Qualifikation der Mitarbeiter sowie den Einbezug von Fallbesprechungen.

Eine zentrale Herausforderung sehen die Autoren der Studie in der Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen der Altenpflege, um eine adäquate Versorgung von Menschen mit schwerer Demenz in der Zukunft zu sichern. Sie fordern die Politik auf, die Rahmenbedingungen für die professionelle Altenpflege zu verbessern sowie das zivilgesellschaftliche Engagement in den Einrichtungen zu fördern und zu unterstützen.

Zentrale Ergebnisse: Für die Messung von Lebensqualität der Bewohner mit schwerer Demenz wurde das QUA-LID Instrument (Quality of Life in late stage Dementia) eingesetzt. Es handelte sich um ein Beobachtungsinstrument, welches von den Pflegenden – nach systematischer Einführung und Unterweisung – ausgefüllt wurde. Im Ergebnis wurde die Lebensqualität der Bewohner in der Pflegeoase (geringfügig) höher eingeschätzt als in der Vergleichseinrichtung. Eine Vertiefung der Befunde findet sich im qualitativen Teil der Studie. In Gruppendiskussionen mit Angehörigen und Pflegenden wurde umfassend analysiert, wie die Lebensqualität von Bewohnern mit schwerer Demenz beurteilt wurde. Seitens der Pflegenden sind Mimik, Gestik und Geräusche, aber auch der Grad der Entspannung und das Nichtvorhandensein von Nervosität, Aggressivität oder herausforderndem Verhalten genannt worden. Seitens der Angehörigen gilt die ständige Anwesenheit und Ansprechbarkeit der Pflegenden als wichtigstes Qualitätsmerkmal. Die Privatsphäre für Menschen mit Demenz wurde als nicht so bedeutsam beurteilt. Entscheidend ist das Gefühl, dass die Bewohner gut versorgt und nicht alleine sind.


Zur Einschätzung der Versorgung wurden die subjektiven Perspektiven der Pflegenden und der Angehörigen umfassend untersucht. Für die Pflegenden ergab sich mit der Pflegeoase ein Freiraum, der es ihnen erlaubte ihre Arbeit weitgehend nach eigenen Prioritäten zu gestalten und dort am ehesten zu erfahren und zu realisieren, was „eigentlich“ Pflegearbeit bedeutet. Pflegende, die diese Herausforderung annehmen wollten und konnten, waren von der Pflegeoase überzeugt und äußerten sich positiv. Den Vorteil der Pflegeoase zur herkömmlichen Versorgung sahen die Angehörigen in der Tatsache, dass der zu Pflegende nicht mehr alleine und isoliert im Einzelzimmer lag und dass dadurch die Befindlichkeiten des Bewohners besser beobachtet und kontrolliert werden konnten.


Nach den Ergebnissen des Belastungsscreenings für Humandienstlleistungen (BHD) liegt ein eindeutig geringeres Belastungsniveau der Mitarbeiter in der Pflegeoase vor. Dies gilt für nahezu alle inhaltlichen Bereiche, die mit dem BHD erfasst werden: Emotionale Erschöpfung, intrinsische Motivation, Zufriedenheit in der Arbeit, Aversion gegen Bewohner oder reaktives Abschirmen. Dieser Befund bleibt über die Erhebungszeitpunkte auf der Basis von Einzelergebnissen hinweg konstant, Differenzierungen nach Qualifikationsgrad der Mitarbeiterinnen sind nur gering ausgeprägt. …

Abschlussbericht und Anlagenbände können unter www.pthv.de heruntergeladen werden.
Eine Buchpublikation, an der die wichtigsten Forschungsgruppen zum Thema Pflegeoasen beteiligt sind, ist für den Herbst 2011 vorgesehen.


Ansprechpartner: Frau Renate Adam-Paffrath, Pflegewissenschaftliche Fakultät der PTHV, Pallottistr. 3, 56179 Vallendar (Tel. 0261/6402-257); E-Mail: pflege@pthv.de

 

 

Abb.: Pflegeoase. Photo: AWO Rheinland

 

Weitere Informationen:

 

http://www.pthv.de/pflegewissenschaft/forschung-projekte/

 

 


Quelle: Pflegewissenschaftliche Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV), 14.04.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung