PID überschreitet Grenze des ethisch Verantwortbaren

 

Leitender Bischof predigt im Eröffnungsgottesdienst der Generalsynode

 

Hannover (5. November 2010) – Die Präimplantationsdiagnostik (PID) überschreitet nach den Worten des Leitenden Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), „die Grenze des ethisch Verantwortbaren“. In seiner Predigt zur Eröffnung der Generalsynode der VELKD sagte Friedrich, Gott allein sei Herr über Leben und Tod. Menschen dürften sich „niemals anmaßen, zwischen ,lebenswert‘ und ,lebensunwert‘ zu unterscheiden und menschlichem Leben das Lebensrecht absprechen“. Er wisse, dass manche Eltern noch vor der Einpflanzung eines Embryos über seine Gesundheit oder Krankheit Bescheid wissen wollten, um diesen dann zu erwählen oder zu verwerfen. „Ich weiß, dass manche Menschen darauf hinweisen, dass es aus seelsorgerlichen Gründen für manche Eltern wichtig wäre, diese Möglichkeit zu haben“, so der Leitende Bischof. In konkreten ethischen Konfliktfällen müsse immer auch seelsorgerlich gedacht werden. „Das hindert aber nicht, deutlich zu sagen, dass alles menschliche Leben – und dieses beginnt mit der Vereinigung von Ei und Samenzelle – von uns zu schützen ist.“

 

In seiner Predigt ging Johannes Friedrich auch auf die Integrationsdebatte ein. Sie sei „längst überfällig“ gewesen – „und es ist nötig unbequeme Wahrheiten an- und auszusprechen“. Allerdings habe er „mit Schrecken“ eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Kenntnis genommen, dass gerade in evangelischen Kreisen ein Überlegenheitsgefühl gegenüber Migranten sowie Ausländerfeindlichkeit überhaupt höher verbreitet seien als im Rest der Gesellschaft – und zwar bei Menschen, die ansonsten politisch ganz offensichtlich in der Mitte stünden und wahrscheinlich nicht rechtsradikale Parteien wählten. „Beides, ein Überlegenheitsgefühl aufgrund von Herkunft und Feindseligkeit gegenüber Ausländern, ist zutiefst menschenverachtend und verträgt sich nicht mit der Liebe Gottes zu allen Menschen“, betonte der Leitende Bischof. Weil Gott uns zugeneigt sei, müssten auch Menschen christlichen Glaubens, evangelische Christinnen und Christen, eine Haltung anderen Menschen gegenüber entwickeln, die Fremde willkommen heiße. „Gegenüber rechtem Gedankengut darf es in unseren Kirchen keinerlei Toleranz geben“, Friedrich wörtlich.

Als „bleibend aktuell“ bezeichnete es der Leitende Bischof der VELKD, „von der uneingeschränkten Liebe Gottes zu sprechen, der uns in seiner Hand hält, und ihm zu vertrauen“. Wie die Menschen handelten, sei aber nicht unwichtig. „Glaube und Werke, das Vertrauen auf die Liebe Gottes und das rechte Tun gehören untrennbar zusammen.“

 

Die Generalsynode tagt vom 4. bis 6. November sowie am 9. November in Hannover. Sie steht unter dem Schwerpunktthema „Pfarrerbild und Pfarrerbildung“.

 


 

Quelle: Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD), 05.11.2010 (tB).

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