Pneumologie aktuell 2009

 

Mannheim (18. März 2009) – Die Spirometrie ist das in Deutschland am häufigsten zum Einsatz kommende diagnostische Verfahren zur Prüfung der Lungenfunktion. Die Validität der mittels Spirometrie gewonnen Daten ist jedoch stärker als oftmals angenommen von der Mitarbeit der Patienten und der Qualität der Anweisungen des Untersuchenden abhängig. Von diesen beiden Faktoren nahezu unabhängig ist die Bodyplethysmographie. Die Deutsche Atemwegsliga hat eine Empfehlung zur Bodyplethysmographie erarbeitet, die anlässlich des 50. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Die neue Empfehlung soll als Handlungsanweisung für Untersucher in Praxis und Klinik dienen.


 

In der Therapie obstruktiver Atemwegserkrankungen, wie z. B. Asthma, haben Kombinationspräparate aus langwirksamen Bronchodilatatoren und Kortikosteroiden einen festen Stellenwert. Die Deutsche Atmwegsliga spricht sich in einer Stellungnahme für den Einsatz von Kombinationspräparaten bei mittel- und schwergradigem Asthma aus.

 

Diagnostik

Die Ganzkörperplethysmographie, auch Bodyplethysmographie genannt, ist eine in den USA entwickelte, diagnostische Methode zur Prüfung der Lungenfunktion. Die meisten Studien zur klinischen Anwendbarkeit dieser Methode stammen jedoch nach Aussage von Prof. Carl-Peter Criée, Bovenden-Lenglern, aus Deutschland.

 

Die Bodyplethysmographie nutzt die Druckschwankungen, die der Patient durch seine Atmung in der geschlossenen Kabine verursacht und die Fluss- und Druckschwankungen am Mund zur Bestimmung des Lungenvolumens. Die gemessenen Lungenvolumina helfen bei der Differentialdiagnose von Erkrankungen der Atemwege (Asthma/COPD) oder des Lungenparenchyms (Fibrose, Sarkoidose, etc.). Die Messung im geschlossenen System des Bodyplethysmographen ermöglicht zudem die Bestimmung des Atemwegswiderstandes (Raw). Einer der Vorteile der Bodyplethysmographie ist, so Prof. Criée, dass in Ruheatmung gemessen wird. Die Spirometrie hingegen erfordert eine hohe Kraftanstrengung des Patienten.

 

In der neuen Empfehlung wird die Funktionsweise der Ganzkörperplethysmographie anschaulich und für den Untersucher nachvollziehbar dargestellt. Die Abläufe der Messung werden detailliert beschrieben, um Untersuchungs- und Messfehler zu minimieren. Sehr hilfreich für die tägliche Praxis sind die Interpretationshilfen und die erstmalige Festlegung von Normal- und Grenzwerten für die Ruheatmung und für den Bronchodilatationstest.

 

Die 56 Seiten umfassende Empfehlung zur Ganzkörper-Bodyplethysmographie ist im Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle, München – Orlando erschienen (ISBN 3‑87185-394-1). Exemplare der neuen Empfehlung können in der Geschäftsstelle der Deutschen Atemwegsliga angefordert werden. Darüber hinaus steht die Empfehlung auf der Website der Deutschen Atemwegsliga unter www.atemwegsliga.de zum Download bereit.

 

Therapie

Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat in Dezember 2008 ein wissenschaftliches Advisory Board einberufen, das sich gegen die Beibehaltung der  Zulassung der Monopräparate mit Formoterol oder Salmeterol bei Asthma ausgesprochen hat. Ursache hierfür ist ein ungünstiges Nutzen/Risikoverhältnis, welches bereits 2006 zu entsprechenden Warnhinweisen auf den Packungen in den USA geführt hatte. In Deutschland wurden beide Substanzen bei der Indikation Asthma nur in Verbindung mit einer entzündungshemmenden Basistherapie in Form von Glukokortikoiden zugelassen, berichtet Dr. Peter Kardos, Frankfurt. Auch das FDA-Expertengremium beurteilt – anders als die Monotherapie – das Nutzen/Risikoverhältnis der Kombination aus inhalierbarem Kortison und den langwirksamen Beta-Agonisten Formoterol und Salmeterol als günstig.

 

Kardos fordert jedoch, den Einsatz der langwirksamen Bronchodilatatoren zu überdenken. Bei leichtem Asthma – hiervon seien die Mehrzahl der Asthmapatienten betroffen, so Kardos – reicht eine geringe Dosis inhalierbarer Glukokortikoide ohne dauerhaften Gebrauch langwirksamer Bronchodilatatoren aus. Bei diesen Patienten sei die Verordnung der Kombination nicht erforderlich. Dies gelte in besonderem Maße auch für Kinder.

 

Eine eindeutige und sinnvolle Indikationsstellung für Kombinationspräparate ergibt sich laut Kardos für Patienten mit mittel- und schwergradigem Asthma.

 

Diese Positionierung steht in Widerspruch zur Empfehlung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), welches dem Gemeinsamen Bundesausschuss von der Erstattung fixer Arzneimittelkombinationen durch die gesetzliche Krankenversicherung bei Asthma abrät. Die Deutsche Atemwegsliga und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin hoffen, dass der Gemeinsame Bundesausschuss keinen Beschluss fassen wird, der zu einem verstärkten Gebrauch langwirksamer Beta-Mimetika als Monotherapie bei Asthma führen wird, da dies ein unnötiges Risiko für die betroffenen Patienten darstellt.

 

 

Download

 

Abstract Referat Prof. Dr. med. Carl-Peter Criée zum Thema „Diagnostik aktuell: Die neue Bodyplethysmographie-Empfehlung der Deutschen Atemwegsliga“:

Abstract Criee.pdf Abstract Criee.pdf (61.08 KB) 

 

Abstract Referat Dr. med. Peter Kardos zum Thema „Therapie aktuell: Stellungnahme der Deutschen Atemwegsliga zu Kombinationspräparaten“:

Abstract Kardos.pdf Abstract Kardos.pdf (61.96 KB) 

 


 

Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Atemwegsliga am 18.03.09 in Mannheim (iKOMM).

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