POST ESC

Patienten mit akutem Koronarsyndrom und PCI: Status quo der antithrombozytären Akut- und Langzeittherapie

 

Bonn (21. September 2011) – Bei der Behandlung des akuten Koronarsyndroms (ACS)und perkutaner Koronarintervention (PCI) ist das Thienopyridin Prasugrel (Efient®) inzwischen Bestandteil der dualen Thrombozyten-Aggregationshemmung etabliert. Umfassende klinische Studiendaten zu Patienten mit ACS und perkutaner Koronarintervention (PCI) belegen, dass das spezielle Wirkstoffprofil von Prasugrel zu einer Erhöhung des klinischen Nutzens im Vergleich zum älteren Clopidogrel führt und Rezidivereignisse vermindern kann.* Gerade diese Langzeitwirkung stellt einen wichtigen Aspekt für die niedergelassenen Haus- und Fachärzte in der Nachbehandlung von ACS-Patienten dar. Im Rahmen des POST ESC Presseworkshops gab Prof. Albrecht Elsässer (Oldenburg) einen Überblick über die pharmakologischen Besonderheiten von Prasugrel sowie deren klinische Relevanz anhand der wichtigsten Studienergebnisse. Prof. Thomas Klingenheben (Bonn) vertiefte die praktischen Aspekte der leitliniengerechten ACS-PCI-Nachbehandlung mit Efient®.

 

Das akute Koronarsyndrom (ACS) erfordert zunächst einmal rasches Handeln und eine adäquate medikamentöse Erstversorgung. Innerhalb der ersten Stunde – der „goldenen Stunde“ – bestehen die besten Chancen auf eine erfolgreiche Intervention. Doch nicht nur die Akuttherapie in der Klinik sondern auch eine engmaschige Kontrolle und eine optimale Infrastruktur nach dem Krankenhausaufenthalt sind für den betroffenen Patienten immens wichtig, wie Prof. Thomas Klingenheben aus Bonn erläuterte.

 

Von primärer Bedeutung ist in der Phase nach überstandenem ACS und perkutaner Koronarintervention (PCI) die Vermeidung eines Rezidivereignisses. Die duale Thrombozyten-Aggregationshemmung (TAH) spielt hierbei zum Schutz des Patienten eine wichtige Rolle. Um eine TAH zu gewährleisten, steht die therapeutische Entscheidung im Fokus, welche weitere Substanz zusätzlich zu Acetylsalicylsäure (ASS) verabreicht werden muss. Neben dem älteren Clopidogrel steht hierfür mit Prasugrel (Efient®) ein jüngerer P2Y12-ADP-Rezeptor-Antagonist vom Thienopyridintyp zur Verfügung.

 

 

Pharmakologische Besonderheiten von Prasugrel

 

Prasugrel bindet irreversibel an den thrombozytären P2Y12-Rezeptor und liegt als inaktives Prodrug vor, wie Prof. Elsässer erläuterte. Nach oraler Aufnahme erfolgt eine rasche Hydrolyse sowie eine Metabolisierung durch Cytochrom-P450-Enzyme. Dieser nun aktive Metabolit ist bereits 15 Minuten nach der Einnahme im Plasma nachweisbar, die maximale Konzentration wird nach 30 Minuten erreicht.1 In präklinischen Studien an Gesunden zeigten sich eine etwa 10-fach stärkere TAH sowie eine 100-mal so starke Inhibition der Thrombusbildung im Vergleich zu Clopidogrel*.1
Studien an Gesunden zeigten 30 Minuten nach Gabe der Aufsättigungsdosis eine signifikant höhere TAH-Rate bei Prasugrel als bei Clopidogrel. Mit einer täglichen Prasugrel-Erhaltungsdosis von 10 mg konnte zudem eine signifikant stärkere und weniger variable TAH erziehlt werden als mit der Clopidogrel-75-mg-Dosis. Mit Efient® wird – bei täglicher Einmalgabe – eine effizientere TAH erzielt*, da der aktive Metabolit in höheren Plasmakonzentrationen vorliegt.2

 

 

Efient® 10 mg – wichtige Therapieoption bei ACS-PCI-Patienten***

 

Clopidogrel weist verschiedene Nachteile auf, wie z.B. einen verzögerten Wirkungseintritt von bis zu 6 Stunden oder die – nicht für alle Patienten vorher testbare – Resistenz, die ein Risiko für ein koronares Ereigniss sein kann. Prasugrel hingegen, so Prof. Klingenheben, zeichne sich durch eine zuverlässige Response – auch bei Clopidogrel-Nonrespondern – aus, denn die Umwandlung von Prasugrel zum aktiven Metaboliten erfolge unabhängig vom individuellen genetischen Profil des Patienten.3 Darüber hinaus erfolgen Resorption und Metabolismus von Prasugrel so rasch, dass die maximale Wirksamkeit bereits nach etwa 30 Minuten erreicht ist4, was zu einem hohen klinischen Nutzen für die Patienten führt.*

Die pharmakologischen Vorteile, die Erfahrungen aus zahlreichen klinischen Studien sowie die Vielzahl der seit der Markteinführung 2009 mit Efient® behandelten Patienten machen Prasugrel zu einer interessanten Option in der TAH-Therapie von geeigneten Patienten*** nach ACS-PCI, wie der Kardiologe bekräftigte.

 

 

Nutzen von Efient® belegt

 

In der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie TRITON-TIMI 38 (TRial to Assess Improvement in Therapeutic outcome by Optimizing platelet inhibitioN with prasugrel – Thrombolysis In Myocardial Infarction) wurde die Effizienz von Prasugrel versus Clopidogrel bei 13.608 ACS-Patienten, bei denen eine PCI geplant war, untersucht.5 Prof. Elsässer stellte die TRITON-Ergebnisse vor.

In der Subgruppe der Patienten mit einem Körpergewicht von mindestens 60 kg, im Alter von unter 75 Jahren und ohne Schlaganfall oder transitorisch ischämische Attacke in der Anamnese zeigte sich eine relative Risikoreduktion von 26 % (p < 0,001).6 Das mit der Behandlung einhergehende Risiko für nicht-bypassbedingte schwere Blutungen war – wie bei einem potenten Thrombozyten-Aggregationshemmer nicht anders zu erwarten – sowohl in der Gesamtpopulation als auch in der Subgruppe erhöht.6

 

 

Schnittstelle Klinik und Praxis: praktische Aspekte der ambulanten TAHTherapie

 

Um eine adäquate Behandlung der Patienten in der praktischen Nachbetreuung zu gewährleisten, ist eine Kenntnis möglicher – zumeist seltener – Probleme mit der dualen TAH vonnöten. Prof. Klingenheben erläuterte, dass beispielsweise bei Patienten, die zusätzlich zur TAH auch mit Cumarin-Derivaten oder vergleichbaren Antikoagulanzien behandelt würden, eine erhöhte Blutungsneigung auftreten könne. Patienten mit Vorhofflimmern könnten z.B. davon betroffen sein. Die Indikationen zur Kombination der jeweiligen Präparate, so der Kardiologe weiter, seien individuell zu stellen und die Patienten müssten engmaschig kontrolliert werden. In jüngster Zeit haben die ESC-Leitlinien erfreulicherweise auch hierfür Empfehlungen ausgesprochen.9

 

 

ESC-Kongress 2011: Prasugrel erhält Empfehlungsgrad IB bei NSTEMI-Patienten mit ACS-PCI

 

Art und Dauer einer dualen TAH werden in den aktuellen Behandlungsleitlinien der Euopean Society of Cardiology (ESC) empfohlen.7 Ihnen zufolge sollte die Behandlungsdauer nach ACS 12 Monate betragen, unabhängig davon, ob ein Stent implantiert bzw. welche Art von Stent (unbeschichtet oder ein Medikament freisetzend) gewählt wurde.7

 

In den amerikanischen AHA/ACC-Leitlinien bekam Efient® den Empfehlungsgrad IB für ACS-PCI-Patienten mit und ohne ST-Steckenhebungsinfarkt (STEMI bzw. NSTEMI).8 In den im August 2011 auf dem ESC-Kongress in Paris vorgestellten aktualisierten europäischen ESC-Guidelines lautet nun der Empfehlungsgrad für Prasugrel ebenfalls IB für NSTEMI-Patienten.9 Für STEMI-Patienten gab es bereits in den ESC-Leitlinien 2010 eine IB-Empfehlung.7 Prof. Klingenheben betonte hier noch einmal die Wichtigkeit einer leitliniengerechten Therapie(dauer) für ACS-PCIPatienten. Prasugrel bietet aufgrund der patientenfreundlichen täglichen Einmalgabe zudem den Vorteil der einfachen Anwendung.4

 

 

Efient® für Akuttherapie und Nachbehandlung

 

„Die pharmakologischen Besonderheiten machen Prasugrel zu einem wichtigen Bestandteil der dualen TAH. Efient® zeigt – wie die Studien belegen konnten – eine schnelle und zuverlässige Wirkung* sowohl in der Akut- wie auch in der Nachbehandlung“, lautete das Fazit der beiden Kardiologen.

 

 

Hintergrundinformationen zu Efient®

 

Prasugrel, ein oraler Thrombozyten-Aggregationshemmer, wurde von Daiichi Sankyo Company, Limited (TSE: 4568), und seinem Forschungspartner Ube Industries, Ltd., erstmals synthetisiert und in Kooperation mit Eli Lilly and Company (NYSE: LLY) weiterentwickelt. Prasugrel kann die Thrombozytenaktivierung und damit die Aggregation hemmen, indem es den Adenosindiphosphat(ADP)-Rezeptor P2Y12 an der Thrombozytenoberfläche besetzt und blockiert. Die Zulassung von Prasugrel in Kombination mit ASS für die Prävention und Reduktion von atherothrombotischen Ereignissen bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS), die sich einer perkutanen Koronarintervention (PCI) unterziehen müssen, wurde am 25. Februar 2009 von der Europäischen Kommission erteilt.

 

 

Zum akuten Koronarsyndrom (ACS)

 

Als akutes Koronarsyndrom fasst man die instabile Angina pectoris sowie Myokardinfarkte mit und ohne ST-Streckenhebung zusammen. Bei der Koronaren Herzerkrankung (KHK) sind die Koronararterien, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen, durch Ablagerungen so verengt oder verlegt, dass der Blutfluss zum Herzen bedeutsam eingeschränkt wird. In schweren Fällen kann zudem ein Blutgerinnsel die Koronarien teilweise oder ganz blockieren und die Blutzufuhr unterbrechen – die Folge ist dann ein akutes Koronarsyndrom, im schlimmsten Fall ein Herzinfarkt. 10 In vielen Fällen unterziehen sich ACS-Patienten einer Katheterintervention, bei der in der Mehrzahl der Fälle auch ein Koronarstent gesetzt wird, um die Blutgefäße offen zu halten und zu stützen.10

 

 

Zur Kooperation von Daichii Sankyo und Eli Lilly and Company

 

Daiichi Sankyo und Eli Lilly and Company entwickeln und vermarkten gemeinsam den oralen Thrombozyten-Aggregationshemmer Prasugrel, der von Daiichi Sankyo und seinem Forschungspartner Ube Industries entdeckt wurde.

 

 

Zu Daiichi Sankyo Company, Limited

 

Daiichi Sankyo Company, Limited, entstand 2005 durch eine Fusion von zwei führenden bereits seit über einem Jahrhundert existierenden, japanischen pharmazeutischen Unternehmen. Das Unternehmen ist weltweit tätig und sucht nach innovativen pharmazeutischen Wirkstoffen, mit denen die Lebensqualität von Patienten weltweit verbessert werden kann. Das Unternehmen nutzt sein gebündeltes Wissen und seine Kompetenzen in den Bereichen Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs, Stoffwechselstörungen und Infektionen als Grundlage für die Entwicklung eines vielseitigen Produktangebots und einer breit gefächerten F&E-Pipeline.

 

 

Zu Lilly

 

Eli Lilly and Company ist eines der weltweit führenden pharmazeutischen Unternehmen und

setzt auf Forschung und Innovation. Die Kernbereiche des Unternehmens sind Endokrinologie, Onkologie, Psychiatrie/Neurologie, Urologie, Kardiologie und Intensivmedizin. In eigenen Forschungszentren und in Zusammenarbeit mit internationalen Forschungsorganisationen entwickelt Lilly neue Behandlungsansätze und Technologien, die dazu beitragen, die Gesundheit und Lebensqualität von Patienten zu verbessern. Dank intensiver wissenschaftlicher Forschung gehören die meisten Lilly-Medikamente zu den führenden ihrer Klasse. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Indianapolis, USA, beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter in 143 Ländern weltweit. In Deutschland ist Lilly seit 1960 vertreten und beschäftigt heute etwa 1.000 Mitarbeiter. Lilly gibt Antworten – in Form von Arzneimitteln, Informationen und Aufklärung – auf einige der dringlichsten Fragen in der Medizin.

 

 

Anmerkungen

 

  • *   bei erwartungsgemäß erhöhtem Risiko für schwere nicht-bypassbedingte Blutungen
  • **  Die Gesellschaften sind gesellschaftsrechtlich nicht, auch nicht als BGB-Gesellschaften, verbunden.
  • *** Für Patienten < 75 Jahre und Körpergewicht ≥ 60 kg sowie ohne TIA/Schlaganfall in der Anamnese, ohne erhöhtes Blutungsrisiko und ohne sonstige Kontraindikationen, vgl. Efient® Fachinformation Stand: April 2011

 

 

Referenzen 

  1. Jakubowski JA et al. Cardiovascular Drug Rev 2007; 25: 357–74.
  2. Payne CD et al. J Cardiovasc Pharmacol 2007; 50: 555–62.
  3. Silber S et al. Dtsch Med Wochenschr 2011; 136: 782–5.
  4. Efient® Fachinformation Stand: April 2011
  5. Wiviott SD et al. N Engl J Med 2007; 357: 2001–155.
  6. Wiviott SD et al. Circulation 2010; 122: 394–403.
  7. Wijns W et al. Eur Heart J 2010; 31(20): 2501–55.
  8. Wright RS et al. J Am Coll Cardiol 2011; 57: 1920–59.
  9. Hamm W et al. Eur Heart J 2011: online veröffentlicht am 26. August 2011. http://www.escardio.org/guidelines-surveys/esc-guidelines/GuidelinesDocuments/Guidelines-NSTE-ACS-FT.pdf  (Zugriff 05.09.2011).
  10. WebMD Medical Reference in Collaboration with the Cleveland Clinic. Heart Disease: Coronary Artery Disease. http://www.webmd.com/heart-disease/guide/heart-disease-coronaryartery-disease. Accessed December 9, 2008.

 

Download

 

  • Prof. Dr. med. A. Elsässer: “Status quo: Die Begleittherapie bei ACS-PCI-Patienten – Prasugrel – Pharmakologische Besonderheiten und deren klinische Relevanz“
    Abstract: Post ESC Material Elsässer.pdf Post ESC Material Elsässer.pdf (652.28 KB)

 

 

 


Quelle: Post ESC Presseworkshop der Firmen Daiichi Sankyo und Lilly am 21.09.2011 im Kloster Seligenthal (tB).

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