Prävention von Venenthrombosen nach Hüftgelenkersatzoperationen:

The Lancet veröffentlicht Phase-III-Ergebnisse mit Rivaroxaban

 

Phase III-Studie untersuchte über 2.500 Patienten nach Hüftgelenkersatzoperation

Fünfwöchige Prophylaxe mit Rivaroxaban im Vergleich zu zweiwöchiger Therapie mit Enoxaparin

Verlängerte Prophylaxe mit Rivaroxaban signifikant wirksamer bei vergleichbaren Blutungsraten

 

Berlin (25. Juni 2008) – The Lancet hat heute Ergebnisse einer Phase-III-Studie (RECORD2) mit dem Gerinnungs-Hemmer Rivaroxaban (Xarelto®) veröffentlicht. Die Untersuchungen zeigen, dass eine verlängerte Therapie mit einmal täglich als Tablette verabreichtem Rivaroxaban der Häufigkeit von Thrombosen bei Patienten nach einer Hüftgelenkersatzoperation signifikant wirksamer vorbeugt, als eine kürzere Gabe von injiziertem Enoxaparin. Die fünfwöchige Rivaroxaban-Therapie zeigte trotz längerer Einnahme eine vergleichbare Blutungsrate mit der zweiwöchigen Enoxaparin-Behandlung.

 

Rivaroxaban wird von Bayer HealthCare AG und Johnson & Johnson Pharmaceutical Research & Development, L.L.C. gemeinsam entwickelt.

 

In The Lancet wurde außerdem von Dr. John Eikelboom und Prof. Jeffrey Weitz von der McMaster University, Hamilton, Kanada ein Kommentar veröffentlich mit dem Titel “Selective factor Xa inhibition for thromboprophylaxis“, der eine weitere unabhänige Perspektive auf die Ergebnisse aufzeigt.

 

Die Resultate der RECORD2-Studie (REgulation of Coagulation in major Orthopedic surgery reducing the Risk of DVT and PE) zeigen, dass eine fünfwöchige Behandlung mit dem direkten Faktor-Xa-Inhibitor Rivaroxaban (10mg-Tablette einmal täglich) bei Patienten nach totalen Hüftgelenkersatzoperationen (Hüft-TEP) im Vergleich zu einer zweiwöchigen subkutanen Behandlung mit Enoxaparin (40mg-Injektion einmal täglich) mit anschließender Gabe von Placebo eine 79-prozentige relative Risikoreduktion für den primären Wirksamkeitsendpunkt (bestehend aus allen Venenthrombosen-Ereignisse und Gesamtmortalität ) bewirkte (p<0,0001). Die Raten schwerer Blutungen waren in beiden Behandlungsgruppen vergleichbar (< 0,1% in beiden Gruppen). Erste Ergebnisse von RECORD2 wurden bereits im Dezember 2007 bei der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) veröffentlicht.

 

„Das ist die bisher größte Studie zur Untersuchung des Bedarfs und der Vorteile einer längeren Thromboseprävention nach großen orthopädischen Eingriffen auch im Anschluss an eine stationäre Behandlung. Sie hat gezeigt, dass die fünf-wöchige Einnahme des neuen, oral wirksamen Gerinnungshemmers Rivaroxaban nach einer elektiven Hüft-TEP Operation das Thromboserisiko gegenüber der zweiwöchigen Vergleichstherapie mit Enoxaparin und anschließender Plazebogabe signifikant senken kann. Damit liefern die Daten einen überzeugenden Beweis für die Notwendigkeit einer verlängerten Behandlung”, erklärte Prof. Ajay K Kakkar, Leiter der RECORD2-Studie, Professor am Centre for Surgical Sciences, Barts und an der London School of Medicine and Dentistry sowie Direktor des Thrombosis Research Institute, London (UK).

 

RECORD2 ist die bisher größte prospektive, randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie, die eine kurze mit einer verlängerten Thrombose-Prophylaxe bei chirurgischen Hochrisikopatienten verglich. Sie ist Teil des globalen klinischen RECORD-Studienprogramms, das vier zulassungsrelevante Phase-III-Studien mit insgesamt 12.729 Patienten umfasst. Insgesamt haben die Ergebnisse dieser vier Studien die Wirksamkeit von Rivaroxaban in der Vorbeugung von Venenthrombosen nach großen orthopädischen Eingriffen gezeigt, und zwar ohne Einschränkungen bezüglich der Sicherheit.

 

„Die Ergebnisse der RECORD2-Studie liefern ein weiteres Indiz, wie sehr Patienten von der verlängerten Einnahme von Rivaroxaban zur Thromboseprophylaxe nach Einsatz einer Hüft-TEP profitieren können. Dabei waren die Patienten keinem höheren Risiko für schwere Blutungskomplikationen oder andere unerwünschte Ereignisse ausgesetzt, die sich negativ auf den chirurgischen Erfolg auswirken könnten”, kommentierte Dr. med. Frank Misselwitz, Leiter Klinische Entwicklung Hämatologie/Herz-Kreislauf bei der Bayer HealthCare AG.

 

Thrombosen sind potenziell tödliche, aber vermeidbare Komplikationen nach großen orthopädischen Eingriffen, wie zum Beispiel bei dem Einsatz einer elektiven Hüft- oder Knie-TEP. Die Patienten haben bis zwei Monate nach der Operation ein hohes Thromboserisiko. Die heutigen Therapien zur VTE-Prävention haben Nachteile im ambulanten Bereich. So sind beispielsweise regelmäßige Injektionen oder routinemäßiges Gerinnungsmonitoring notwendig, um zu überprüfen, ob diese Medikamente sicher und wirksam sind. Um solche Begrenzungen zu überwinden, besteht ein hoher medizinischer Bedarf an neuen Gerinnungshemmern.

 

Nähere Informationen zur RECORD2-Studie

RECORD2 verglich die Sicherheit und Wirksamkeit einer verlängerten Rivaroxaban-Therapie mit einer kürzeren Behandlungsdauer mit Enoxaparin bei 2.509 Patienten nach Hüft-TEP Operationen. Die Patienten erhielten entweder 35 +/- 4 Tage lang Rivaroxaban (10 mg einmal täglich als Tablette verabreicht) oder 10–14 Tage lang subkutane Enoxaparin-Injektionen (40 mg einmal täglich subkutan) mit anschließender Gabe von Placebo.

 

Insgesamt zeigte RECORD2 eine 79-prozentige relative Risikoreduktion (RRR) für den primären Wirksamkeitsendpunkt – zusammengesetzt aus tiefer Venenthrombose, nicht-tödlicher Lungenembolie und Mortalität aller Ursachen – für die verlängerte Rivaroxaban-Therapie im Vergleich zu einer kürzeren Behandlung mit Enoxaparin (p<0,0001) und eine 88-prozentige RRR (p<0,0001) für den sekundären Wirksamkeitsendpunkt (bestehend aus proximaler TVT, nicht tödlicher Lungenembolie und VTE-Mortalität). 

 

Der primäre Sicherheitsendpunkt waren schwere Blutungen. Die bessere Wirksamkeit von Rivaroxaban ging nicht mit Unterschieden im Auftreten schwerer Blutungen zwischen der Rivaroxaban- und der Enoxaparin-Gruppe einher (<0,1% in beiden Gruppen). Rivaroxaban wurde auch nicht mit einer Beeinträchtigung der Leberfunktion in Verbindung gebracht.

 

Medizinischer Bedarf bei venösen Thromboembolien (VTE)

In der EU treten jährlich über 1,5 Millionen venöse Thromboembolien auf, die für den Tod von ca. 544.000 Menschen pro Jahr verantwortlich sind – das sind zum Beispiel mehr Todesopfer als Brustkrebs, Prostatakrebs, HIV/AIDS und Verkehrsunfälle insgesamt pro Jahr fordern.

 

Zu den VTE gehören die tiefe Venenthrombose, ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene (normalerweise im Bein), und die Lungenembolie, ein Gerinnsel in der Lunge. Beides sind ernste, potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen. Diese Thrombosen können  sich häufig von dem Ort lösen, an dem sie sich gebildet haben, und werden vom Blutstrom durch den Körper transportiert, so dass sie die Blutversorgung lebenswichtiger Organe blockieren können. Patienten, die sich einem größeren orthopädischen Eingriff unterziehen, haben ein hohes VTE-Risiko, denn während der Implantation einer Knie- oder Hüftgelenkprothese werden die großen Beinvenen beschädigt, die das Blut zum Herzen zurücktransportieren. Bei 40-60% aller Patienten, bei denen keine präventiven Maßnahmen ergriffen werden, bildet sich im Rahmen eines größeren orthopädischen Eingriffs ein Blutgerinnsel.

 

Im Jahr 2005 wurden in den USA und Europa rund 815.000 Hüftgelenk-TEPs implantiert, die Anzahl der eingesetzten Kniegelenk-TEPs wird auf 761.000 geschätzt. Die Gefahr einer Thrombose  besteht jedoch nicht nur bei orthopädischen Eingriffen. Thrombosen sind eine der häufigsten Krankheits- und Todesursachen weltweit. Gefährdet sind Patienten mit Vorhofflimmern, mit akutem Herzinfarkt sowie stationär behandelte Patienten – beispielsweise aufgrund von Krebserkrankungen.

 

Mehr über VTE erfahren Sie unter  www.thrombosisadviser.com

 

 

Über das RECORD-Studienprogramm

RECORD (REgulation of Coagulation in major Orthopedic surgery reducing the Risk of DVT and PE) ist ein globales klinisches Studienprogramm mit 12.729 Patienten. Im Rahmen dieses Programms wurde Rivaroxaban mit Enoxaparin zur Prävention von VTE bei Patienten verglichen, denen elektiv eine totale Knie- oder Hüft–TEP implantiert wurde.

 

  • RECORD1 ergab eine 70-prozentige relative Risikoreduktion (RRR) durch Rivaroxaban im Vergleich zu Enoxaparin für den primären Wirksamkeitsendpunkt bei Patienten, denen eine Hüft-TEP implantiert wurde. Das Sicherheitsprofil war bei beiden Substanzen vergleichbar. Die Dauer der Thromboprophylaxe betrug bei beiden Behandlungen fünf Wochen. Erste Ergebnisse von RECORD1 wurden bereits im Dezember 2007 bei der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) veröffentlicht.

 

  • In RECORD2 ergab sich bei Patienten, bei denen eine Hüft-TEP implantiert wurde, unter einer verlängerten Therapie mit Rivaroxaban (35 +/- 4 Tage) eine 79-prozentige RRR für den primären Wirksamkeitsendpunkt und eine ähnliche Rate schwerer Blutungen im Vergleich zu Patienten unter kurz dauernder Therapie mit Enoxaparin (10-14 Tage) und anschließender Gabe von Placebo.

 

  • In RECORD3 erzielte Rivaroxaban im Vergleich zu Enoxaparin eine 49-prozentige RRR für den primären Wirksamkeitsendpunkt bei Patienten, denen eine Knie-TEP implantiert wurde. Das Sicherheitsprofil war bei beiden Substanzen vergleichbar. Beide Behandlungen wurden 10-14 Tage lang fortgesetzt. Erste Ergebnisse dieser Studie wurden auf dem International Society on Thrombosis and Haemostasis (ISTH) Congress im Juli 2007 präsentiert.

 

  • In RECORD4 wurde eine Therapie mit Rivaroxaban 10 mg einmal täglich mit dem derzeitigen in den USA zugelassenen Therapieschema für Enoxaparin (30 mg Injektion zweimal täglich) verglichen. Rivaroxaban erzielte im Vergleich zu Enoxaparin eine 31-prozentige RRR für den primären Wirksamkeitsendpunkt bei Patienten, bei denen elektiv eine Knie-TEP implantiert wurde. Das Sicherheitsprofil war bei beiden Substanzen vergleichbar. Beide Behandlungen wurden 10-14 Tage lang fortgesetzt. Ergebnisse dieser Studie wurden im Mai 2008 auf dem jährlichen Meeting der European Federation of National Associations of Orthopaedics & Traumatology (EFORT) in Nizza (Frankreich) vorgestellt.

 

Über Rivaroxaban

Aufgrund des umfangreichen klinischen Studienprogramms, ist Rivaroxaban der zurzeit am intensivsten untersuchte orale, direkte Faktor-Xa-Inhibitor weltweit. Nach den derzeit vorliegenden Daten, die an über 20.000 Patienten gewonnen wurden, ist kein Zusammenhang zwischen der Rivaroxaban-Behandlung und einer Beeinträchtigung der Leberfunktion erkennbar. Genauere Angaben hierzu können gegeben werden, wenn Daten aus den Langzeit-Untersuchungen mit Rivaroxaban bei der Behandlung von VTE sowie bei der Schlaganfall-Prävention bei Patienten mit Vorhofflimmern zur Verfügung stehen. Voraussichtlich werden im Rahmen des geplanten klinischen Entwicklungs­programms nahezu 50.000 Patienten untersucht werden.

 

Bayer HealthCare hat Ende Oktober 2007 bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) für Rivaroxaban einen Antrag auf Marktzulassung unter dem Handelsnamen Xarelto® in der EU zur Prävention von VTE bei Patienten eingereicht, die sich einem größeren orthopädischen Eingriff an den unteren Extremitäten unterziehen. Bislang wurden in mehr als 10 weiteren Ländern, darunter auch Kanada und China, Zulassungsanträge für dieses Medikament gestellt. In den USA wird ein vergleichbarer Antrag voraussichtlich Mitte 2008 eingereicht werden. Nach seiner Zulassung in den USA soll Rivaroxaban von Scios Inc. und Ortho-McNeil, Inc. vermarktet werden – beide sind Tochtergesellschaften von Johnson & Johnson.


Quelle: Presseinformation der Firma BayerSchering Pharma vom 25.06.2008.

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