Praxisnähe und Kompetenz im Interesse der Pflege bei hörgeschädigten Senioren

 

Sichtlich gelöst über den erfolgreichen Abschluss des Basiskurses zeigten sich Stiftungsvorsitzender Wilfried Brexel (links) und die Kursteilnehmer. Photo: Johannes LehmannBerlin (23. Januar 2009) – In einem Pilotprojekt mit dem Deutschen Schwerhörigenbund (DSB) und dem Sozialwerk des Schwerhörigen-Vereins Berlin haben Mitarbeiter der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg und deren Tochterunternehmen den ersten Basiskurs „Hörgeschädigte Bewohner im Pflege- und Betreuungsalltag“ absolviert. Zielgenau zur offiziellen Eröffnung des Kompetenzzentrums der Stiftung im Seniorenhaus Gürtelstraße 33 erhielten die Teilnehmer ihre Zertifikate.

Eine entspannte Runde hat sich am 20. Januar 2009 im Konferenzraum der Geschäftsstelle der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg zusammengefunden. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Seniorenhaus in der Gürtelstraße 33 im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ist die gelöste Freude anzumerken. Sie waren Teilnehmer des ersten Weiterbildungs-Lehrgangs zum Umgang mit hörgeschädigten Bewohnern im Pflege- und Betreuungsalltag und warten nach bestandener Prüfung auf ihre Zertifikate, die ihre erfolgreiche Teilnahme belegen.

 

Was so einfach und alltäglich scheint, ist in Wirklichkeit bislang einzigartig in Berlin und Brandenburg. Erstmals ist in Kooperation dem Sozialwerk des Schwerhörigen-Vereins Berlin (SVB) und Fachleuten des Hörbehinderten-Beratungs- und Informationszentrums HörBIZ ein Schulungskonzept für Mitarbeiter einer Pflegeeinrichtung erarbeitet und erprobt worden. „Zum fünfzigsten Jubiläum des Sozialwerks passte dieses Pilotprojekt“, sagt Sabine Grehl, Sozialpädagogin und Projektleiterin. „Bislang wurden Schulungen dieser Art nur für Multiplikatoren im Schwerhörigenbereich angeboten. Dass hier Mitarbeiter einer Pflegeeinrichtung direkt angesprochen werden konnten, ist ein absolutes Novum.“

 

Die Reaktionen der Kursteilnehmer sind durchweg positiv. Quer durch alle Lebensalter musste wieder einmal die Schulbank gedrückt werden. Der Lernstoff war umfangreich und anspruchsvoll. „Wir haben sofort gemerkt, dass die Inhalte mit hoher Sachkenntnis aufbereitet worden sind. Und sie wurden authentisch und praxisnah vermittelt“, fasst Antje Stöpper die Eindrücke der Teilnehmer zusammen. „Vor allem die Gruppenarbeit machte anschaulich, wie Menschen mit beeinträchtigtem Hörempfinden ihre Umwelt erleben und warum es daher so wichtig ist, ihnen auf entsprechende Weise zu begegnen.“ Vor allem durch die eigene Betroffenheit der Kursleiter wurde ein Gefühl für die Situation der Hörgeschädigten vermittelt. Sie schlägt einen Erfahrungsaustausch nach einem Jahr vor, denn erst jetzt können die praktischen Erfahrungen im Pflegealltag gesammelt werden. „Die Weiterbildung hat uns auch das gegenseitige Kennenlernen erleichtert“, fügt sie hinzu. Der Kurs war für einige zugleich der erste Arbeitstag im neuen Seniorenhaus in der Gürtelstraße 33, das für sich bereits ein Novum in Berlin und Brandenburg darstellt. Vereint es doch Pflegebereiche (PflegeWohnen), betreute Seniorenappartements (ServiceWohnen) und ein Kompetenzzentrum für Hörgeschädigte unter einem Dach.

 

„Fast alle Teilnehmer dieses Kurses sind in der Gürtelstraße 33 in den verschiedenen Arbeitsbereichen tätig“, sagt Marion Mehnert, die von Seiten der Seniorenstiftung gemeinsam mit den Referenten des Sozialwerks des SVB die Lehrinhalte vorbereitet hat. „Aber der Kurs wird für alle Mitarbeiter der Stiftung angeboten – auch in den anderen Häusern. Denn für alle gehört der Umgang mit hörgeschädigten Menschen zum Alltag.“ Als Vorlage des Weiterbildungskonzepts diente der mit 120 Unterrichtsstunden in der Stiftung angebotene Basiskurs „Gerontopsychiatrische Basisqualifikation“. Er wurde mit Inhalten eines Schulungskonzepts des Schwerhörigenbundes gefüllt und auf etwa die Hälfte des Umfangs gekürzt. Die Weiterbildung konnte im Oktober 2008 beginnen. Sie umfasste 58 Unterrichtsstunden an zehn Unterrichtstagen und einen Prüfungstag mit schriftlichem und mündlichem Teil.

 

Adolf Becker, Referatsleiter „Hörgeschädigte Senioren und Patienten“ des DSB, der bei der Zertifikatsübergabe auf jeden Fall dabei sein wollte, betont in einer kurzen Ansprache, wie wichtig es ist, die Pflegenden auf die Problemlage Hörgeschädigter hinzuweisen. Ihm ist die Befriedigung anzumerken, dass ein bundesweites Schulungskonzept praxisnah auf die Notwendigkeiten der Pflegeeinrichtung hin entwickelt werden konnte. „Es scheint geklappt zu haben“, sagt er, „denn weitere Lehrgänge werden folgen. Es sollte sich als gutes Beispiel in Berlin und Brandenburg etablieren. Der DSB wird das für die Seniorenstiftung erarbeitete Schulungskonzept auch bundesweit anderen Einrichtungen anbieten.“

 

Wie alle Teilnehmer erhalten auch die beiden Referenten, Sabine Grehl und Roger Reichardt, Sozialarbeiter der Beratungsstellen HörBIZ in den Berliner Bezirken Pankow und Charlottenburg, zum erfolgreichen Abschluss des Kurses einen großen Blumenstrauß, überreicht vom Vorstand der Seniorenstiftung. Frau Grehl geht noch einmal auf die Entstehungsgeschichte ein. Bereits im Jahr 2005 hatte sich die Stiftung an die Beratungsstelle HörBIZ und den DSB gewandt, um gemeinsam sowohl die Ausstattung des Hörgeschädigten-Wohnbereichs in der Gürtelstraße 33 als auch Inhalte für die Weiterbildung der Mitarbeiter zu beraten. Im Verlauf des Kurses nun zeigte sich, dass die gesetzten Schwerpunkte grundsätzlich auf die Bedürfnisse der Pflegebetreuung zugeschnitten waren, aber über die Dauer der Fortbildung an die speziellen Bedingungen des Kurses angepasst werden mussten. Die fachlichen Inhalte: Hörschädigung und deren medizinische, audiologische und sozialpsychologische Grundlagen, technische Hilfsmittel und deren Handhabung, Kommunikationsformen hörgeschädigter Menschen oder Umgang mit hörgeschädigten Bewohnern erhielten dadurch ihre konkrete Gestalt.

 

„Das Pilotprojekt war ein Erfahrungsgewinn auf beiden Seiten“, sagt sie. „Schließlich gab es bisher keine Unterrichtsmaterialien, diese haben wir für die Teilnehmer erstellt.“ Die Mitarbeiter kennen nun die Situation hörgeschädigter Menschen und können sich besser auf sie einstellen. Hörgeschädigte alte Menschen gab es immer schon, doch in den Senioren- und Pflegeeinrichtungen wurde das bisher nicht ausreichend berücksichtigt. Weder standen technische Hilfen zur Verfügung, noch wurde ausreichendes Wissen zum Umgang mit ihnen vermittelt. Diese Lücke hat die Seniorenstiftung geschlossen. Erstmals finden Hörgeschädigte eine Einrichtung vor, die auf die Belange von Menschen mit Hörschädigung eingeht. „Und wir wissen mehr über die Abläufe und Notwendigkeiten im Pflegebereich“, fügt sie hinzu. „Wir sind die Hörgeschädigten. Was wir hier anbieten, tun wir zugleich für uns – und wenn wir es für uns tun, dann kommt es auch wieder anderen zugute.“

 

 

Sichtlich gelöst über den erfolgreichen Abschluss des Basiskurses zeigten sich Stiftungsvorsitzender Wilfried Brexel (links) und die Kursteilnehmer. Photo: Johannes Lehmann

 

Abb.: Sichtlich gelöst über den erfolgreichen Abschluss des Basiskurses zeigten sich Stiftungsvorsitzender Wilfried Brexel (links) und die Kursteilnehmer.   Photo: Johannes Lehmann

 

 

Seniorenstiftung Prenzlauer Berg

Die Seniorenstiftung Prenzlauer Berg besteht seit Januar 1996. Sie wurde als erste Stiftung des Landes Berlin ehemals kommunaler Seniorenhäuser eingerichtet und betreibt vier Einrichtungen an zwei Standorten im Stadtteil Prenzlauer Berg: drei Häuser in der Gürtelstraße und ein Haus in der Stavangerstraße. Sie verfügt über insgesamt 678 Pflegeplätze für Bewohner aller Pflegestufen und 100 Seniorenwohnungen.

 


Quelle: Pressemitteilung der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg vom 23. Januar 2009.

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