„Praxistest“ für Konzept des Aktivierend-therapeutische Pflege in der Geriatrie

 

  • Bundesverband Geriatrie e.V. startete Evaluierungsphase des beschreibenden Katalogs
  • Modell von einer Verbandsarbeitsgruppe entwickelt

 

Berlin (11. November 2009) – Mit der Einleitung der Evaluierungsphase des beschreibenden Katalogs der Aktivierend-therapeutischen Pflege in der Geriatrie hat der Bundesverband Geriatrie e.V. die Entwicklung dieses modernen Versorgungskonzepts weiter forciert. „Es geht uns darum, dieses Modell schnell den Kliniken und Einrichtungen anzubieten, um damit auf die gestiegenen Anforderungen in der Geriatrie und die Herausforderungen der demografischen Entwicklung reagieren zu können – auch unter Berücksichtigung des weiter wachsenden Kostendrucks“, so der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Hon.-Prof. Dr. med. Dieter Lüttje. Der Verbandsvertreter verwies in diesem Zusammenhang auf eine kürzlich vom Kieler Fritz Beske Institut für Gesundheits-System-Forschung (igsf) vorgelegte Studie, wonach u.a. die Altersgruppe 65 Jahre und darüber von 16,5 Prozent im Jahr 2007 auf 22,8 in 2050 anwachsen wird. Gleichzeitig werde die Zahl der von alterstypischen Erkrankungen Betroffenen dramatisch zunehmen, bei Diabetes mellitus-Erkrankungen beispielsweise von 4,1 bis 6,4 Millionen (2007) auf 5,8 bis 7,8 Millionen 2050. Bei Demenz als einer anderen alterstypischen Erkrankung wird eine Steigerung um 104 Prozent – entsprechend 1,1 Millionen 2007 auf 2,2 Millionen im Jahr 2050 erwartet.

 

Ausgearbeitet wurden Begriffsbestimmung und Katalog der aktivierend-therapeutischen Pflege in der Geriatrie von einer Arbeitsgruppe des Bundesverbands.  Aktivierend- therapeutische Pflege in der Geriatrie bezieht sich auf Menschen mit Unterstützungs- und Pflegebedarf sowie (Früh-)Rehabilitationsbedarf und geht über die Grund- und Behandlungspflege (Versorgungspflege) hinaus. Ziel des Konzeptes ist es, die individuell optimal erreichbare Mobilität, Selbstständigkeit und Teilhabe in der Form, wie diese vor der aktuellen Verschlechterung bestanden haben, wieder zu erreichen. Unter Beachtung der vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie aktueller gesundheitlicher Einschränkungen stehen damit insbesondere das (Wieder-)Erlangen und Erhalten von Alltagskompetenz im Mittelpunkt. Dies beinhaltet, den alten, multimorbiden Patienten mit multiplen Funktionseinschränkungen trotz und mit seiner aktuellen oder chronifizierten Einschränkung die Möglichkeiten seines Handelns selbst erfahren zu lassen und dahin gehend zu motivieren, mit pflegerischer Unterstützung Aktivitäten wieder zu erlernen und einzuüben. Entscheidend dabei ist, die erforderlichen Maßnahmen gemeinsam mit dem Betroffenen, im interdisziplinären geriatrischen Team und gegebenenfalls mit den Angehörigen zu erarbeiten, umzusetzen und zu evaluieren.

 

Der nun in der Praxis erprobte Beschreibungskatalog der aktivierend-therapeutischen Pflege in der Geriatrie berücksichtigt verschiedene Pflegetheorien/-modelle und verschiedene Leistungserfassungssysteme sowohl aus dem Bereich akutstationären Versorgung als auch dem Rehabilitationsbereich.

 

Je nach Umfang des individuellen Bedarfs an aktivierend therapeutischen Pflege wird eine Einstufung des geriatrische Patient in einer von vier Bedarfsgruppen vorgenommen. Der aktivierend therapeutische Pflegebedarf richtet sich dabei nach dem Schweregrad der Erkrankung und/oder dem Schweregrad der sensomotorisch und/oder der kognitiven/neuropsychologischen Störungen. „Mit dem Praxistest wird das Konzept der aktivierend-therapeutischen Pflege einen großen Schritt vorangebracht, um auf die sich verändernden Gegebenheiten in der geriatrischen Versorgung reagieren zu können“, betonte der Vorstandsvorsitzende Hon.-Prof. Dr. Lüttje.

 


 

Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbands Geriatrie e.V. vom 11.11.2009.

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