Die SWITCH‑Studie – prospektive, randomisierte, multinationale Phase III Studie zur sequentiellen Therapie des m‑NZK

 

Von Priv.‑Doz. Dr. Lutz Trojan, Urologische Klinik Universitätsklinikum Mannheim

 

Frankfurt am Main (6. Februar 2009) – Durch die Zulassung der Wirkstoffe Sorafenib und Sunitinib hat sich ein deutlicher Fortschritt bei der Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms (NZK) vollzogen, wobei für beide Wirkstoffe eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens dokumentiert wurde. Wird ein metastasiertes NZK diagnostiziert, so wird zur Therapie üblicherweise einer der beiden Wirkstoffe eingesetzt und die Behandlung im Falle einer Krankheitsprogression oder bei Auftreten nicht beherrschbarer Nebenwirkungen auf den anderen Wirkstoff umgestellt.

 

Sorafenib oder Sunitinib als Erstlinientherapie?

Nicht durch eine kontrollierte Studie geklärt ist jedoch bislang die Frage, ob es günstiger ist, bei der Erstlinientherapie mit Sunitinib zu beginnen und Sorafenib im Anschluss daran einzusetzen oder umgekehrt mit Sorafenib zu starten und mit Sunitinib als Zweitlinientherapie zu behandeln.

 

Diese Frage soll nun durch die RCC SWITCH‑Studie (RCC, Renal Cell Carcinoma) beantwortet werden. Es handelt sich um eine offene, randomisierte Phase 111‑Studie, die als Sequenzstudie angelegt ist. Die Studie wird als internationale Multicenterstudie durchgeführt, wobei 540 Patienten aus 80 Prüfzentren in Dänemark, Deutschland, Niederlande, Österreich und Schweden eingeschlossen werden. Sie werden mit 400 mg Sorafenib zweimal täglich behandelt und im Falle einer Progression (RECIST‑Kriterien) oder nicht beherrschbarer Nebenwirkungen nach einem zwei‑ bis vierwöchigen therapie­freien Intervall mit 50 mg Sunitinib einmal täglich. In einem zweiten Studienarm wird die Behandlung mit 50 mg Sunitinib einmal täglich begonnen und bei einer Progression oder aufgrund der Toxizität nach einer zwei‑ bis vierwöchigen Therapiepause mit zweimal täglich 400 mg Sorafenib fortgeführt.

 

Während der Erst‑ und Zweitlinienbehandlung sind regelmäßige Visiten nach 3, 6, 9 und 12 Wochen und anschließend in sechswöchentlichem Abstand geplant. Die Therapieeffekte sowie die Sicherheit werden nach jedem zweiten Behandlungs­zyklus zudem mittels CT/MRT sowie einer echokardiographischen Untersuchung kontrolliert.

 

Gesamt‑progressionsfreies Überleben ist primärer Endpunkt

Primärer Endpunkt der Studie ist das progressionsfreie Überleben der Patienten (PFS) von der Randomisierung bis zur Progression oder bis zum Tod des Patienten während der Zweitlinientherapie, also das Gesamt‑PFS im Vergleich beider Sequenzen. Die Studie ist dabei auf den Nachweis der Nicht‑Unterlegen­heit angelegt.

 

Sekundäre Endpunkte sind die Zeit von der Randomisierung bis zur Progression unter der Zweitlinientherapie, die Zeit bis zum Versagen der Erstlinienbehandlung (Progression, Tod, Therapieabbruch aufgrund Toxizität), das PFS in der Erst‑ und Zweitlinientherapie (deskriptiv), das Gesamtüberleben sowie die Sicherheit und Verträglichkeit der beiden Wirkstoffe.

 

Die geschätzte Studiendauer liegt bei 17 Monaten, wobei in der Firstline‑Therapie von elf Monaten und in der Secondline‑Therapie von sechs Monaten ausgegangen wird. Wir hoffen, durch die Studie die Fragen des optimalen Vorgehens bei der Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms klären und einen auf eindeutigen Studienergebnissen basierenden Algorithmus erarbeiten zu können.

 

 

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Referent

Priv.‑Doz. Dr. Lutz Trojan
Urologische Klinik Universitätsklinikum Mannheim
Theodor‑Kutzer‑Ufer 1‑3
68167 Mannheim

 


 

Quelle: Presse-Konferenz der Firma Bayer zum Thema „Start einer großen internationalen Studie der Deutschen Krebsgesellschaft – erste prospektive Studie zur Sequenztherapie mit TKIs beim Nierenzellkarzinom“ am 06.02.2009 in Frankfurt am Main.

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