Moderne Therapie der Adipositas – aktuelle Studienergebnisse zu zentral wirksamen Antiadiposita

 

Von Prof. Dr. Hans Hauner,

Lehrstuhl für Ernährungsmedizin der TU München

 

Wiesbaden (7. April 2013) – Adipositas ist heute die häufigste lebensstilassoziierte Stoffwechselstörung und gleichzeitig ein entscheidender Promotor/Schrittmacher für viele Folgeerkrankungen wie z. B. Typ 2 Diabetes mellitus, Hypertonie, bestimmte Krebserkrankungen, orthopädische Probleme und Demenz. Knapp 60 % der erwachsenen Deutschen sind inzwischen übergewichtig, fast ein Viertel ist mit einem BMI ≥ 30 kg/m² adipös. Adipositas hat damit auch in Deutschland eine zentrale Bedeutung für die Entstehung und Verbreitung chronischer Zivilisationskrankheiten.

 

Obwohl genetische Faktoren bei der Entstehung einer Adipositas eine wichtige Rolle spielen, ist die dramatische Zunahme der Adipositas in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich eine Folge sich rasch verändernder Lebensbedingungen. Dabei sind insbesondere eine energiedichte, überkalorische Ernährung und ein weit verbreiteter Bewegungsmangel zu nennen. Das gesamtgesellschaftliche Umfeld ist heute im weitesten Sinn als adipositasfördernd („adipogen“) zu bezeichnen.

 

Diese Situation kontrastiert erheblich mit den Wünschen in der Bevölkerung. In Befragungen geben ca. 40 % der Deutschen an, eine Diät einzuhalten bzw. abnehmen zu wollen. Da Adipositas im deutschen Gesundheitssystem nicht als Krankheit anerkannt ist, stehen bislang kaum Therapieangebote zur Verfügung, obwohl es heute gute evidenzbasierte Leitlinien gibt.

 

Dennoch sind die bisherigen Ansätze zu einer lebensstilbasierten Therapie der Adipositas nur begrenzt erfolgreich. Mit den vorhandenen, multidisziplinären Gewichts-reduktionsprogrammen ist eine mittlere Gewichtsabnahme von 5 – 6 kg im Verlauf eines Jahres zu erwarten. Bereits im 2. Jahr ist selbst unter Fortsetzung der Therapiebemühungen ein geringer Gewichtsanstieg um 1 – 2 kg unvermeidlich. Mit einem langfristigen Gewichtserfolg ist nur bei 10 bis 20 % der Teilnehmer an solchen Programmen zu rechnen. Eine Ausnahme stellt lediglich die bariatrische Chirurgie dar, die allerdings extrem adipösen Personen vorbehalten ist und bleiben sollte.

 

Aus diesem Grund wird der zusätzliche Einsatz sicherer und wirksamer gewichtssenkender Medikamente als wünschenswert angesehen. Derzeit steht für die adjuvante Therapie der Adipositas nur eine begrenzte Zahl von Medikamenten zur Verfügung. Neben dem peripher wirksamen Lipasehemmer Orlistat kann in Deutschland noch das zentral wirksame indirekte Sympathomimetikum Cathin eingesetzt werden. Kürzlich wurde in Deutschland eine Dosisfindungsstudie über 24 Wochen durchgeführt, in der eine potente gewichtssenkende Wirkung von Cathin bei guter Verträglichkeit gezeigt werden konnte. Weitere Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von Cathin laufen derzeit. Nutzen und Risiken von Cathin und anderen zentral wirksamen gewichtssenkenden Medikamenten sollen diskutiert werden.

 

Zusammenfassend ist unbestritten, dass für Menschen mit bereits bestehender Adipositas wirksamere, medizinisch konzipierte Konzepte erforderlich sind, um insbesondere adipositasbedingte Komplikationen zu vermeiden bzw. zu behandeln. Diese Behandlungsangebote müssen risikoadaptiert und patientenorientiert sein und reichen von Lebensstilintervention, über Medikamente bis hin zu chirurgischen Interventionen.

 

 


Symposium der Firma Riemser anläßlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) 2013, 07.04.2013 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung