Osteoporose und mehr: Östrogene zur Prävention?

 

Von Prof. Dr. Joseph Neulen

 

Düsseldorf (7. März 2009) – Zirka 30 Prozent aller Frauen in der Postmenopause tragen ein Osteoporoserisiko. Die direkten Kosten, die durch die Behandlung Osteoporose-bedingter Knochenfrakturen verursacht werden, betragen in den USA jährlich etwa 15 Milliarden USD. In Deutschland belaufen sich diese Kosten derzeit auf rund 3 Milliarden Euro und werden sich bis 2050 verdoppeln. Qaly-Analysen weisen darauf hin, dass bei Frauen in der Peri- und Postmenopause eine Hormonersatztherapie (HRT) die kostengünstigste Therapieoption zur Primärprophylaxe der Osteoporose darstellt. Als Basistherapie sollte eine ausreichende Kalzium- und Vitamin-D3-Supplementation sichergestellt sein. Im höheren Alter bieten sich selektive Oestrogenrezeptor-Modulatoren (SERM) oder – abhängig vom Befund – Bisphosphonate bzw. Strontiumranelat an.

 

In den Studien zur Primärprophylaxe der Osteoporose hat sich jedoch gezeigt, dass lediglich eine HRT in der Lage ist, neben Wirbelkörperfrakturen auch traumatische Frakturen signifikant zu senken. Alle Therapiealternativen waren nur signifikant im Hinblick auf die Prävention von Wirbelkörperfrakturen. Dies mag darauf zurückzuführen sein, dass eine klassische HRT auch einen günstigen Einfluss auf die Erhaltung der Sehkraft hat. Diese Wirkung ist bei den anderen Therapien nicht vorhanden. In der Risikopopulation hat eine alleinige Kalzium- und Vitamin-D3-Supplementation langfristig keine protektive Wirkung zur Frakturvermeidung.

 

Andere wesentliche Aspekte der HRT beruhen auf dem günstigen Einfluss von Östrogenen auf den Glukosestoffwechsel. Um die Auswirkungen dieses Benefits erfassen zu können, benötigt man eine Beobachtungszeit von mehr als sieben Jahren. Leider sind bisher alle entsprechenden Studien vorher beendet worden. Dieser Endpunkt ist somit nicht ausreichend sicher in diesen Studien beurteilbar.

 

Klinische wie experimentelle Daten zeigen, dass Östrogene in der Lage sind, die Insulinresistenz zu senken. Somit wird der Aufbau viszeralen Fettgewebes reduziert und der negative Einfluss auf Gefäße und Fettstoffwechsel verhindert. Offensichtlich besteht aber nicht nur ein Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem gestörten Glukosestoffwechsel, sondern es gibt Hinweise, dass gerade gynäkologische Neoplasien mit Übergewicht und Insulinresistenz assoziiert sind. Studien zum HRT-Einfluss auf Lipid- und Glukosestoffwechsel zeigen, dass die Kombination mit dem neutralen Gestagen Dydrogesteron die genannten positiven Östrogeneffekte nicht abschwächt, sondern zum Teil sogar intensiviert.

 

 

Referent

 

Prof. Dr. Joseph Neulen
Universitätsklinikum Aachen
Frauenklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin

Pauwelsstraße 30

52074 Aachen

eMail: gyn-endokrinologie@akaachen.de

 

 

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Quelle: Symposium der Firma Solvay zum Thema „Heute Richtig Therapieren. Neueste Erkenntnisse zur Hormonersatztherapie – Risiken, präventives Potential und die Rolle der Gestagene“ am 07.03.2009 in Düsseldorf (3K-Agentur für Kommunikation).

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