Diagnose Alzheimer-Demenz:

Ändert sich etwas für den Patienten? Das Recht auf frühe Diagnose und Therapie

 

Prof. Dr. med. Dipl.-Phys. Matthias W. Riepe

 

Mannheim (23. September 2010) – Die Alzheimer-Demenz (AD) ist eine voranschreitende neurodegenerative Erkrankung. Zu Beginn verläuft sie oft unbemerkt für Patienten und Angehörige. Ein zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftretendes Gewahrwerden einer Wesensänderung oder Änderung der geistigen Leistungsfähigkeit führt häufig zu Konflikten und stellt darüber hinaus für die Gesellschaft ein Sicherheitsrisiko (z. B. beim Autofahren) dar.  Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Zahl der von dieser Erkrankung betroffenen Patienten und deren Angehörigen in den nächsten Jahren zunehmen. Das heißt auch, dass die Gesellschaft sich unter der Häufung der Diagnose, Therapie und Versorgung der Erkrankten verändern wird.

 

Im Verlauf der Alzheimer-Demenz treten neben kognitiven Defiziten vor allem Verhaltensauffälligkeiten und herausforderndes Verhalten in den Vordergrund. Außerdem zeigen sich zunehmend Einschränkungen bei Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) und instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (iADL). Dies bedeutet für den Patienten einen erhöhten Betreuungsbedarf. Wenn der Patient nicht mehr in der Lage ist, selbständig für sich zu sorgen, muss dies von Angehörigen oder in Institutionen (Pflegeheimen) geleistet werden. Eine antidementive medikamentöse Therapie für den Patienten hat dadurch auch einen therapeutischen Effekt auf den Angehörigen. 

 

Einerseits kann der Eindruck entstehen, dass, obwohl nicht zur ärztlichen Kernaufgabe gehörend, zunehmend bei Ärzten angefragt wird, welche ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen die eingesetzten Therapien zur Folge haben. Darüber hinaus hat es immer mehr den Anschein, dass das ärztliche Handeln durch gesundheitspolitische Maßregeln ohne hinreichende wissenschaftliche Begründung gelenkt werden soll.

 

Es ist daher für den Bereich der Alterserkrankungen für Ärzte zunehmend bedeutend darzustellen, wie aus medizinischer und neurobiologischer Sicht von der Entwicklung der Krankheitssymptome auf die Alltagsaktivität sowie soziale Interaktion geschlossen werden kann. Nur so kann die ärztliche Sicht auf das, was „Nutzen“ ist, erhalten bleiben und die gesundheitspolitische Umdeutung des Begriffes „Nutzen“ in einen meta-analytischen statistischen Begriff verhindert werden.

 

 

Autor

 

Prof. Dr. med. Dipl.-Phys. Matthias W. Riepe

Sektion Gerontopsychiatrie, Psychiatrie II Universität Ulm und Abteilung Gerontopsychiatrie Bezirkskrankenhaus Günzburg

 

 

Abbildung

 

 

Abb.: Schematische Darstellung der Behandlung von Demenzen mit Empfehlungsgraden (A,B,C) nach der S3-Leitlinie „Demenzen“ der Fachgesellschaften DGPPN und DGN, November 2009 

 

Abb.: Schematische Darstellung der Behandlung von Demenzen mit Empfehlungsgraden (A,B,C) nach der S3-Leitlinie „Demenzen“ der Fachgesellschaften DGPPN und DGN, November 2009

 

 

Download

 

S3-Leitlinie „Demenzen“ (Kurzversion): S3Leitlinie Demenzen.pdf S3Leitlinie Demenzen.pdf (559.20 KB)

 


Quelle: „Meet the expert“ der Firma Lundbeck – „Diagnose Alzheimer-Demenz: Ändert sich etwas für den Patienten? Das Recht auf frühe Diagnose und Therapie“ am 23.09.2010 in Mannheim (Hering Schuppener Healthcare) (tB).

MEDICAL NEWS

Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…
Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…
Suliqua®: In komplexem Umfeld – einfach besser eingestellt
Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…
Mehr Lebensqualität für onkologische Patient:innen durch bessere Versorgung: Supportivtherapie, Präzisionsonkologie,…
WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver

MULTIPLE SKLEROSE

Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…