Tumorlyse-Syndrom Decision Model:

Erstellung eines innovativen, validierten Diagnoseinstrumentes zur bestätigenden Identifikation der Risiko-Patienten-Population für TLS und deren optimaler Behandlung

 

Von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Henze,
Otto-Heubner-Centrum für Kinder- und Jugendmedizin, Klinik für Pädiatrie m. S. Onkologie/Hämatologie, Charite, Universitätsmedizin Berlin, CVK

 

Das Tumorlyse-Syndrom (TLS) ist eine metabolische Entgleisung, die bei Erwachsenen und Kindern mit malignen Erkrankungen, insbesondere bei akuten Leukämien und hoch malignen Lymphomen, seltener bei anderen Krebserkrankungen auftreten kann. Durch das massive Absterben von Tumorzellen ‑ induziert durch die Chemooder Antikörpertherapie, manchmal aber auch bereits vor dem Beginn der Behandlung infolge spontaner Apoptose kommt es zu einer Freisetzung von Kalium und Phosphat aus den Tumorzellen und zur Anflutung von Harnsäure aus dem Purinstoffwechsel, Substanzen, die über die Niere eliminiert werden müssen. Die hohe Harnsäurekonzentration kann zu einer Uratnephropathie mit nachfolgendem Nierenversagen führen; in dessen Folge entstehen eine Hyperkaliämie, Hyperphosphatämie und Hypokalzämie, und diese Elektrolytentgleisungen verursachen Herzrhythmusstörungen, die innerhalb weniger Stunden den Tod des Patienten zur Folge haben können.

 

Der behandelnde Arzt muss die Gefahr für die Entwicklung eines TLS rechtzeitig und richtig einschätzen können, um angemessene Maßnahmen zur Prävention oder auch zur Behandlung zu ergreifen. Zur Optimierung der Prophylaxe oder Therapie des Tumorlyse-Syndroms soll ein Entscheidungsmodell entwickelt werden, das dem Arzt hilft, den Risiko-Patienten zu identifizieren.

 

Anlässlich eines internationalen Expertentreffens von Hämatologen und Onkologen aus der Erwachsenenmedizin und der Pädiatrie wurden zunächst Risikofaktoren für das TLS identifiziert. Im Anschluss daran wurden diese bewertet und gewichtet sowie die Optionen zur Prophylaxe und Therapie für den Einsatz an hypothetischen Patienten mit unterschiedlichen Charakteristika bewertet.

 

Basierend auf der RAND/UCLA Appropriate Method (RAM) soll hieraus ein Instrument entstehen, das den Stellenwert der Prophylaxe und Behandlung des TLS für verschiedene virtuelle Patienten und deren unterschiedliche TumorCharakteristika beurteilt. Mit der so aufgebauten Entscheidungsmatrix kann dann das relative Nutzen/Risiko Verhältnis eines medizinischen Vorgehens bewertet werden.

 

Erstmals ist dieses Modell beim Treffen der EHA 2006 vorgestellt worden. Die nächsten Schritte sind die Finalisierung der Matrix und die Publikation auf dem ASH-Meeting 2006. Ab 2007 soll das Modell auf einer CD‑ROM dem Anwender zur Verfügung stehen.

 


 

Quelle: 7. Münchener Fachpresse-Workshop zum Thema „Supportivtherapie in der Onkologie – Aktuelle Therapiekonzepte und neue Perspektiven in der onkologischen Supportivtherapie“ am 10.07.2006 in München (POMME-med) (tB).

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