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Nebenwirkungen der Bisphosphonat-Therapie

 

Von Prof. Dr. med. Ingo J. Diel,
Institut für gynäkologische Onkologie, CGG‑Klinik GmbH, Mannheim

 

München (15. November 2006) – Bisphosphonate (BP) werden heutzutage vielfältig eingesetzt. Insbesondere bei der Osteoporose und anderen metabolischen Knochenerkrankungen werden die Osteoklastenhemmer genutzt. Unverzichtbar sind sie inzwischen bei der Behandlung von Knochenmetastasen und beim Multiplen Myelom. Ziele der Bisphosphonat‑Therapie sind Reduktion des Knochenschmerzes, Verbesserung der Lebensqualität und Reduktion skelettaler Komplikationen (z.B. Frakturen).

 

 

Da Bisphosphonate häufig über viele Jahre verabreicht werden, haben deren Nebenwirkung eine wachsende Bedeutung. Die Unterschiede der vier in der Onkologie genutzten Bisphosphonate in Bezug auf die Verträglichkeit sind bedeutsam und haben mit ihrer „Potenz", ihrer Applikationsweise und ihren Wirkmechanismen (Amino- vs. NichtAmino-BP) zu tun. So treten gastrointestinale Nebenwirkungen logischerweise bei oralen BP auf, sind aber weitaus seltener als von vielen Onkologen behauptet. Akute Phase Reaktionen (mit grippeähnlichen Symptomen), durch Interleukin‑Ausschüttung verursacht, sind nur für Aminobisphosphonate beschrieben und treten typischerweise nur nach der ersten Infusion auf.

 

Die beiden anderen häufigen Nebenwirkungen sind Nierenschädigungen und Kieferosteonekrosen. Die renale Toxizität spielt bei oral applizierten BP keine Rolle, sondern nur bei intravenös verabreichten. Aber auch bei dieser Applikationsweise gibt es große Unterschiede bzgl. der Komplikationsrate der einzelnen Substanzen, die weniger mit der sogenannten Potenz erklärbar sind, als mit deren unterschiedlichen Pharmakokinetik. Die derzeit am meisten diskutierte Nebenwirkung ist die Kieferosteonekrose, die erst im Jahr 2003 im Zusammenhang mit BP beschrieben wurde. Diese extrem schwerwiegende und kaum behandelbare Komplikation geht mit Nekrosen der Kieferknochen, mit eitriger Sekretion und Knochenfreilegung einher. Der Wirkmechanismus ist derzeit noch ungeklärt, ebenso die Frage, warum nur die Kieferknochen betroffen sind. Vermutlich spielen, neben der BP‑Therapie, die Zahngesundheit und Zahnbehandlung eine entscheidende Rolle.

 

Kieferosteonekrosen sind bei oralen BP nur sehr selten und spielen bei NichtAmino‑BP eine untergeordnete Rolle, möglicherweise auch gar keine. Neben diesen vier häufigen Nebenwirkungen gibt es zahlreiche selten bis sehr selten auftretende Nebenwirkung in der Bisphosphonat‑Therapie (okulär, zentralnervös, pulmonal u.a.), die von den meisten Therapeuten gar nicht in ihrem Zusammenhang gesehen werden.

 

Trotzdem ist die abschließende Aussage gerechtfertigt, dass auch die häufigen Nebenwirkungen vermutlich nur bei 2‑3% der Patienten auftreten. Damit ist eine BP-Therapie weitaus sicherer und nebenwirkungsärmer als die meisten anderen Behandlungen in der Onkologie.

 


 

Quelle: 8. Münchener Fachpresse-Workshop Supportivtherapie in der Onkologie zum Thema „Moderne Therapiemodalitäten in der onkologischen Supportivtherapie“ am 15.11.2006 in München (POMME-med).

 

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