Bedeutung des postprandialen Triglyceridstoffwechsels

 

Von Prof. Dr. med. Ulrich Laufs, Homburg Saar

 

Mannheim (18. April 2009) – Prospektive Studien und Register zeigen, dass eine Senkung des LDL-Cholesterins eine Reduktion des relativen Risikos für ein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis in der Größenordnung von 25‑30 % erreichen kann. Allerdings verbleibt auch unter optimaler Statin‑Therapie ein signifikantes Lipidbezogenes residuales Risiko. Deshalb stellt sich die Frage, welche zusätzlichen Optionen zur Risikoreduktion bestehen. Aufgrund der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Therapie‑Optionen für kardiovaskuläre Risikopatienten ist in diesem Zusammenhang für die Praxis von Bedeutung, diejenigen Patienten zu identifizieren, die am meisten von einer gezielten Modifikation der sekundären Lipidziele profitieren können.

 

Die prognostische Bedeutung der Glukosetoleranz und der Konzentration von LDL‑ und HDL‑Cholesterin im Serum sind als Risikomarker gut charakterisiert. Der prädiktive Wert der Konzentration der Triglyceride (TG) im Serum hinsichtlich des kardiovaskulären Risikos ist dagegen unzureichend verstanden. Nach aktuellen Leitlinien soll die Bestimmung der Triglyceride nach einer 12‑stündigen Nahrungskarenz erfolgen, da die Höhe und Kinetik der Triglyceridkonzentration erheblich durch den Zeitpunkt und die Qualität der Nahrungsaufnahme beeinflusst wird. Aktuelle retrospektive Analysen großer Kohortenstudien haben ergeben, dass nicht die üblicherweise bestimmte Nüchtern‑Triglyceridkonzentration, sondern die postprandialen Triglyceridwerte, eine Bedeutung für die Vorhersage zukünftiger kardiovaskulärer Ereignisse besitzen. Die genaue kardiovaskuläre Bedeutung der Kinetik des postprandialen TG‑Anstieges bleibt derzeit allerdings noch unbekannt. Mechanistische Studien haben die postprandialen Spaltprodukte TG­reicher Lipoproteine als besonders atherogen identifiziert, im Einklang mit der alten Beschreibung der Atherosklerose als "postprandiale Erkrankung". Daher ist zu diskutieren, ob die Bestimmung der postprandialen Triglyceridkinetik Patienten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko identifizieren kann und ob möglicher­weise Menschen mit akzeleriertem und absolut erhöhtem postprandialen TG-­Anstieg besonders von einer TG‑wirksamen Therapie profitieren.

 

 

Autor

Prof. Dr. med. Ulrich Laufs
Klinik für Innere Medizin III,
Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin
Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar
66421 Homburg/Saar

 

 

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Quelle: Symposium der Firma Trommsdorff anlässlich des Deutschen Kardiologenkongresses 2009 zum Thema „Klinische Bedeutung von hochdosierten Omega-3-Fettsäuren in der Behandlung atherogener Hypertriglyceridämien un in der Sekundärprävention nach Herzinfarkt und Herzinsuffizienz“ am 18.04.2009 in Mannheim (Medical Consulting Group-MCG).

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