Ergebnisse aktueller pharmakoökonomischer Studien zur Wirtschaftlichkeit von Insulin glargin bei Typ-2-Diabetes mellitus

 

Von Prof. Dr. Oliver Schöffski, MPH

 

Wiesbaden (20. April 2009) – In Zeiten knapper werdender Mittel im Gesundheitswesen spielen ökonomische Fragestellungen eine immer bedeutendere Rolle. Im Gegensatz zu klinischen Studien, die durch eine weit reichende Standardisierung gekennzeichnet sind, existiert bei ökonomischen Studien eine ausgeprägte Vielfalt der Methoden. Diese ist für den außen stehenden Betrachter oft verwirrend und führt zu einer gewissen Skepsis bezüglich der Ergebnisse. In diesem Beitrag wird daher eine Systematisierung der Methoden zur Gewinnung und Bewertung von Versorgungsdaten vorgenommen. Die einzelnen Methoden werden dann zusätzlich mit Fallbeispielen aus dem Bereich der langwirksamen Basalinsulinanaloga verdeutlicht.

 

In einem ersten Schritt muss eine für die Fragestellung geeignete Studienform ausgewählt werden. Bei einer Kosten-Minimierungs-Analyse werden die Kosten von zwei alternativen Behandlungsoptionen verglichen. Aus ökonomischer Sicht ist es rational die Alternative zu wählen, die (bei angenommener Ergebnisgleichheit) die geringsten Kosten verursacht. Die Kosten sind dabei nicht nur die reinen Arzneimittelkosten, sondern die gesamten erfassbaren Behandlungskosten. Bei Diabetes gehören dazu z.B. auch die Kosten der Blutzuckerkontrolle. Kann man nicht davon ausgehen, dass die Behandlungsoptionen vom medizinischen Ergebnis her identisch sind, kommen andere Studienformen in Frage (z.B. Kosten-Effektivitäts-Analyse oder Kosten-Nutzwert-Analyse).

 

Weiterhin ist zu entscheiden, ob man die Untersuchung auf Echtdaten stützen kann, oder ob eine Modellierung (d.h. die Berechnung von Daten) notwendig bzw. sinnvoller ist. Manchmal bietet sich auch eine Kombination aus beidem an, wenn beispielsweise gute medizinische Daten aus einer klinischen Studie vorliegen, die dann modellhaft (z.B. anhand von Therapieleitlinien) um Ressourcenverbräuche und Kosten ergänzt werden.

 

Für Insulin glargin wurden in jüngerer Zeit zahlreiche gesundheitsökonomische Studien durchgeführt. Im Mittelpunkt stand dabei die zentrale Forschungsfrage: Kann man bei der angenommenen Nichtunterlegenheit der Insulin glargin basierten Therapien auch von höchstens gleich hohen Kosten ausgehen? Diese Frage konnte für unterschiedliche Vergleichsbehandlungen positiv beantwortet werden. Bei der LAPTOP-Studie handelt es sich um eine zweiarmige kontrollierte, randomisierte, multizentrische, multinationale Vergleichsstudie auf Nicht‑Unterlegenheit über 24 Wochen. Die Ressourcenverbräuche und Kosten wurden entsprechend der existierenden Behandlungsleitlinien ermittelt und analysiert. Auch bei der APOLLO-Studie wurden die Kosten auf der Grundlage einer klinischen Studie errechnet. Die drei LIVE-Studien basieren hingegen auf Echtdatenanalysen. Bei der LIVE-KK Studie wurde die Auswertung auf der Basis von Krankenkassendaten vorgenommen. Bei der LIVE-SPP Studie erfolgte die Kostenanalyse auf Basis elektronisch erhobener Daten aus der Praxissoftware von hausärztlich tätigen Diabetologen. Bei der LIVE-DE Studie haben Allgemeinärzte und hausärztlich tätige Internisten Fragebögen bezüglich der Ressourcenverbräuche ausgefüllt. Die Ergebnisse aller drei Studien waren konsistent. Den höheren Kosten für das Basal‑Insulin bei der Insulin glargin basierten Therapie standen höhere Kosten für das Bolus-Insulin, die Blutzuckermessung sowie für die Insulininjektion bei den NPH‑Insulin basierten Therapien gegenüber.

 

Es kann also festgehalten werden, dass Insulin glargin basierte Therapien hinsichtlich der HbA1c-Absenkung den Vergleichtherapien (CT, SIT, BOT und ICT) mindestens ebenbürtig sind und auch höchstens gleich hohe Kosten verursachen. Der Zusatznutzen von Insulin glargin (z.B. weniger Hypoglykämien, höhere Dosiergenauigkeit, flexibler Injektionszeitpunkt, einmal tägliche Applikation, höhere Therapiezufriedenheit, bessere Lebensqualität der Patienten) kann damit für die Verwendung den Ausschlag geben.

 


 

Quelle: Pressekonferenz der Firma Sanofi-Aventis zum Thema „Wirtschaftlichkeit im Behandlungspfad Diabetes“ am 20.04.2009 in Wiesbaden, anlässlich des 115. Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (Ogilvy Healthworld).

MEDICAL NEWS

Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…
Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…
Suliqua®: In komplexem Umfeld – einfach besser eingestellt
Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…
Mehr Lebensqualität für onkologische Patient:innen durch bessere Versorgung: Supportivtherapie, Präzisionsonkologie,…
WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver

MULTIPLE SKLEROSE

Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…