Deutscher Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DNFS)

 

"Nervenschmerz ‑ Impact auf das Gesundheitssystem"

 

Von Prof. Dr. Rolf-Detlef Treede, Mainz

 

Berlin (7. Juni 2007) – Nervenschmerzen sind wie ein Fehlalarm im Warnsystem des menschlichen Körpers: sie werden nicht durch eine Verletzung des Körpers verursacht sondern durch eine Schädigung des Nervensystems, das uns normalerweise vor solchen Verletzungen warnt. Bei einem Patienten mit Nervenschmerzen findet der Arzt daher keinerlei Veränderungen des schmerzhaften Körperteils; dieses ist im Gegenteil wegen der Nervenschädigung oft sogar gegen äußere schmerzhafte Reize unempfindlich. Außerdem ist der Charakter der Nervenschmerzen häufig ungewöhnlich und mit alltäglichen Erfahrungen nicht vergleichbar. Diese Eigenschaften machen den Nervenschmerz schwer verständlich. Nervenschmerzen galten lange Zeit auch als unbehandelbar, weil die klassischen Schmerzmedikamente dagegen nur wenig oder gar nicht wirksam sind. Bizarre Charakteristik und schlechte Behandelbarkeit führten dazu, dass Nervenschmerzen häufig nicht berichtet wurden.

 

Erst in jüngster Zeit stellte sich heraus, dass Nervenschmerzen bei 8 Prozent der Patienten mit Hirninfarkten, 20 Prozent der Diabetiker, 28 Prozent der Patienten mit multipler Sklerose, ca. 33 Prozent der Patienten mit Tumorschmerzen, 37 Prozent der Patienten mit Rückenschmerzen und 67 Prozent der Patienten mit Rückenmarksverletzung vorkommen. Nervenschmerzen sind somit neben Rückenschmerzen und Kopfschmerzen eine der häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen.

 

Unter chronischen Schmerzen leiden nach einer europaweiten Vergleichsstudie ca. 17 % der deutschen Bevölkerung. Für diejenigen unter ihnen, bei denen der Nervenschmerz die Hauptquelle der Beeinträchtigung von Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit ist, bringt eine Behandlung mit klassischen Schmerzmitteln wie Aspirin nicht nur keine Linderung, sondern ist aufgrund der Nebenwirkungen sogar schädlich. Diese Patienten profitieren aber von einer Behandlung mit Wirkstoffen, die ursprünglich gegen Depression oder Epilepsie entwickelt wurden. Inzwischen weiss man, dass diese Medikamente aufgrund ihrer spezifischen Wirkmechanismen an den Nervenzellen auch Nervenschmerzen lindern. Auf der Basis dieser Erkenntnisse wurden in den letzten Jahren mehrere neue Medikamente mit besserer Verträglichkeit speziell zur Behandlung von Nervenschmerzen entwickelt. Diese sind teilweise bereits zugelassen. Wer unter Nervenschmerzen leidet, hat daher jetzt sehr gute Chancen, eine wirksame Behandlung zu erhalten, sofern die richtige Diagnose gestellt wird.

 

Es ist heute daher wichtiger denn je, dass Ärzte wie auch Patienten an die Möglichkeit den­ken, dass eigenartige Schmerzen Zeichen für einen Nervenschmerz sein können, insbeson­dere wenn sie mit Veränderungen der normalen Hautsinne einhergehen. Wie man Nerven­schmerzen diagnostiziert, welche Mechanismen ihm zugrunde liegen, und wie man ihn be­handeln kann, darüber berichten Forscher aus aller Welt beim "Second International Cong­ress an Neuropathic Pain" in Berlin.

 


 

Quelle: Pressekonferenz des Deutschen Forschungsverbunds Neuropathischer Schmerz zum Thema "Nervenschmerz – ein weltweit unterschätztes Problem" am 07.06.2007 in Berlin (MCG – Medical Consulting Group).

 

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung