Hilft Celecoxib bei Schizophrenien und Depressionen?

 

Von Prof. Norbert Müller, München PD Dr. Michael Riedel, München Dr. Markus J. Schwarz, München

 

Berlin (9. Oktober 2008) – Eine Beteiligung inflammatorischer Prozesse an der Pathogenese psychischer Erkrankungen wird seit langem diskutiert. Antiinflammatorische Therapien, z.B. mit Cyclooxygenase-2-Hemmern (COX-2-Hemmern) sind dabei mögliche therapeutische Substanzen. COX-2-Hemmung rebalanciert die Typ-1/Typ22 Immunantwort, wahrscheinlich über die Hemmung von Prostaglandin‑E2. Darüber hinaus reduziert COX-2-Hemmung proinflammatorische Zytokine und hat Bedeutung für die glutamaterge Neurotransmission. Schließlich beeinflusst COX‑2‑Hemmung auch den Tryptophan/Kynurenine-Metabolismus. Alle drei Komponenten scheinen in die Pathophysiologie psychischer Erkrankungen, insbesondere Schizophrenie und Major Depression (MD), involviert zu sein.


 

Deshalb führten wir eine erste prospektive, randomisierte, doppelblinde Studie des COX-2-Hemmers Celecoxib add-on zu Risperidon bei Patienten mit akuter Exacerbation ihrer schizophrenen Erkrankung durch. Es zeigte sich ein signifikanter therapeutischer Effekt in der Celecoxib-Gruppe. Eine zweite Studie konnte dies zunächst nicht replizieren, eine weitere Analyse der Daten zeigte, dass der Effekt von Celecoxib möglicherweise von der Erkrankungsdauer abhängt. Inzwischen konnten diese Befunde von mehreren unabhängigen Gruppen repliziert werden. Der Effekt der Therapie mit einem COX-2-Inhibitor scheint vor allem in den ersten Jahren des schizophrenen Erkrankungsprozesses beobachtbar zu sein.

 

Aufgrund der Anzeichen eines inflammatorischen Geschehens und erhöhter Aktivität von Prostaglandin-E2 bei depressiven Patienten lag es nahe, auch in der Indikation MD eine klinische Untersuchung durchzuführen. Eine doppelblinde, prospektive, randomisierte Studie mit Celecoxib bei Patienten mit MD zeigte einen signifikanten therapeutischen Effekt auf die depressive Symptomatik. Obwohl die­se präliminären Daten vorsichtig interpretiert werden sollten und im Weiteren in­tensive Studien zur Evaluation der therapeutischen Effekte von Celecoxib in der Indikation psychischer Erkrankungen erforderlich sind, sind die Ergebnisse insge­samt ermutigend. Pathogenetische Konzepte und antiinflammatorische Therapie­strategien müssen dringend weiter erforscht werden.

 

 

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Folien zum Vortrag Hilft Celecoxib bei Schizophrenien und Depressionen.pdf Hilft Celecoxib bei Schizophrenien und Depressionen.pdf (486.01 KB) 

 


 

Quelle: Symposium der Firma Pfizer zum Thema “Pleiotrope Effekte von Celecoxib – Laborbefunde heute, mögliche Indikationen morgen” am 09.10.2008 in Berlin (Medical Consulting Group).

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