Abb.: Die Anwendung der Forschungsergebnisse im Blick: Das Forschungsteam der drei Hochschulen. Photo: Projekt-OPENProjekt „OPEN“ fördert interkulturelle Öffnung in der Pflegeberatung

Spezielle Hilfsangebote für pflegende Angehörige von Migranten

 

Frankfurt am Main (1. Juni 2015) – „Wenn Menschen mit Migrationshintergrund pflegebedürftig werden, übernehmen meist Angehörige wie Ehefrauen, Töchter oder Schwiegertöchter die Pflege. Professionelle Pflegedienste und Hilfsangebote werden von dieser Zielgruppe kaum genutzt. Die Gründe dafür sind viel fältig“, so Prof. Dr. Ulrike Schulze, Professorin für Pflegewissenschaft/Klinische Pflege und Projektleiterin an der Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-UAS). „Dazu zählen Sprachbarrieren oder ein unterschiedliches Krankheitsverständnis. Oft sind die Leistungs- und Informationsangebote auch nicht hinreichend auf kulturelle und soziale Wertvorstellungen, Lebensstile und Bedürfnisse von zugewanderten Menschen zugeschnitten.“

Älteren Migrant(inn)en kulturspezifische Informationen und bessere Zugänge zu Hilfe und Pflege zu eröffnen und damit allen Bürger(inne)n die gleichen Zugangs- und Nutzungschancen zu verschaffen, ist das Ziel des Projekts „OPEN – Interkulturelle Öffnung in der Pflegeberatung“.

Bis September 2017 arbeitet das Verbundprojekt der Hochschule RheinMain Wiesbaden/Rüsselsheim (Projektleitung und Koordination: Prof. Dr. Michael May), der Frankfurt UAS (Projektleitung: Prof. Dr. Ulrike Schulze), und der Katholischen Hochschule Mainz (Projektleitung: Prof. Dr. Peter Löcherbach) daran, kulturspezifische und an den Bedürfnissen der Zielgruppe orientierte Informationen über Versicherungsansprüche und Versorgungsangebote im Bereich Pflege und individuelle Pflegeberatung zusammenzutragen. Die Erkenntnisse sollen die Hemmschwelle senken, verstärkt Leistungen aus der Kranken- und Pflegeversicherung in Anspruch zu nehmen.

Neben den Pflegestützpunkten und weiteren Beratungsstellen, wie die Beratungs- und Koordinierungsstelle für „Häusliche Versorgung von Migranten“, sind auf der politischen Ebene das Hessische Ministerium der Justiz für Integration und Europa, auf der berufspolitischen Ebene der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und die Deutsche Gesellschaft für Care- und Case Management (DGCC) involviert. Darüber hinaus sind auf der Forschungsebene das Projekt „MainCareer- Offene Hochschule“ der Frankfurt UAS und das Centrum für angewandte Wirkungsforschung eingebunden.

Um zu ermitteln, wie die Betroffenen erreicht und in ihren individuellen Pflegearrangements unterstützt werden können, werden Menschen mit Migrationshintergrund eingeladen, in moderierten Gruppengesprächen über mögliche Zugänge zu (Pflege-) Beratungsstellen und anderen Einrichtungen der Pflege zu diskutieren. Nach der Methodik der „Zukunftswerkstatt“ soll die Fantasie angeregt werden, um mit neuen Ideen Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu entwickeln. Damit ein vertiefter Austausch über Themen wie „Pflege & Gesundheit in Ihrer Kultur“, „Erwünschte (Beratungs-)Hilfen“ oder „Wie werden Hilfen angenommen?“ gelingt, helfen Migrationslots(inn)en oder Übersetzer(innen) Sprachbarrieren zu überwinden.

Die Ergebnisse werden den Pflegestützpunkten übermittelt und dort in der Beratungstätigkeit erprobt. Ausgewählte Beratungsgespräche von Klient(inn)en mit Migrationshintergrund werden aufgenommen und analysiert. „So wollen wir Lösungsmöglichkeiten für aufgetretene Barrieren und schließlich ein verallgemeinerbares konzeptionelles Vorgehen entwickeln“, erläutert Schulze. Abschließend werden aus den Ergebnissen der Praxisforschung Qualifizierungsbausteine für die Mitarbeitenden in Pflegestützpunkten und einschlägigen Beratungsstellen entwickelt. „Durch die Implementierung der Studienergebnisse in den Beratungsalltag ist eine nachhaltige Wirkung der Forschung in der Praxis sichergestellt“, betont Schulze.

Parallel werden Flyer in verschiedenen Sprachen angeboten, die über die Arbeit von Pflegestützpunkten informieren. Sie sollen in den, von älteren Zugewanderten, frequentierten Arztpraxen, Cafés und Lebensmittelläden ausliegen. Zudem vermitteln sogenannte Integrationslots(inn)en, die über sehr gute Kontakte in die entsprechenden ethnischen Communities verfügen, zwischen den Ratsuchenden mit Migrationshintergrund und den Pflegeberater(inne)n. Darüber hinaus sind Informationsveranstaltungen zur Pflegeversicherung und dem Angebot der Pflegestützpunkte in „migrantischen“ Organisationen sowie Kulturvereinen geplant.

Auch die systematische Vernetzung von verschiedenen in der Region vorhandenen Organisationen und Einrichtungen soll gefördert werden. Dazu zählen neben professionellen Fachpersonen aus dem ambulanten und stationären Pflegesektor sowie denen der Pflegeberatung auch Vertreter(innen) von Zugewanderten-Organisationen, der Zugewanderten-Selbsthilfe und ehrenamtlich Tätige.

Das Teilprojekt der FRA-UAS im Rahmen des Verbundvorhabens „OPEN“ wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Förderlinie „SILQUA-FH“ des BMBF-Programms „Forschung an Fachhochschulen“ mit knapp 323.000 Euro gefördert.


Der Schwerpunkt des Hessischen Instituts für Pflegeforschung (HessIP) liegt im speziellen in der Entwicklung der Qualifizierungsbausteine für die Fort- und Weiterbildung im Berufsfeld Pflegeberatung, für die Studiengänge Pflege und Soziale Arbeit sowie auch für die fachberufliche Pflegeausbildung. Im gesamten Projektverlauf sind die hessischen Hochschulen für eine Auswertung der qualitativ erhobenen Daten aus den Zukunftswerkstätten und Beratungsprozessen zuständig.

Kontakt: Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit, Prof. Dr. Ulrike Schulze, Telefon: 069/1533-2845, E-Mail: uschulze@fb4.fra-uas.de; Hessisches Institut für Pflegeforschung (HessIP), 069/1533-3245, forschungsprojekt-open@hessip.de 

 

Weitere Informationen

 

Abb. oben: Die Anwendung der Forschungsergebnisse im Blick: Das Forschungsteam der drei Hochschulen. Photo: Projekt-OPEN

 

 


Quelle: Frankfurt University of Applied Sciences, 01.06.2015 (tB).

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