Psychiatrie

Neuer Risiko-Score für Schizophrenie

 

Dresden (7. Januar 2014) – Früherkennung und Diagnose der Schizophrenie ist nicht immer einfach: Sie kann verschiedenste Symptome ausbilden – von Problemen mit dem Arbeitsgedächtnis bis zu Schwierigkeiten, sich emotional einzubinden. In einer aktuellen Veröffentlichung im „Schizophrenia Bulletin“ (doi: 10.1093/schbul/sbt174) schildern die Forscher um Erstautorin Esther Walton von der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ihren neuen Ansatz: Durch das Zusammenfassen von über 600 bekannten Risiko-Markern für Schizophrenie konnten sie einen neuen Risiko-Score entwickeln.

 

Dieser Score wird mit der Fehlfunktion eines für das Arbeitsgedächtnis wichtigen Hirnareals in Verbindung gesetzt. Das Verfahren liefert Erkenntnisse über die Auswirkung der Risikogene auf die Hirnaktivität bei der Schizophrenie und könnte perspektivisch die bessere Früherkennung der Krankheit ermöglichen.

Die Forschungsarbeit der Psychologin Esther Walton und weiterer Wissenschaftler aus dem Bereich Angewandte Entwicklungsneurowissenschaften am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden zielt auf ein besseres Grundverständnis der Schizophrenie ab. Von besonderem Interesse sind hier die genetischen Ursachen der Erkrankung. Klar ist, dass es nicht das eine Gen gibt, das zur Schizophrenie führen kann, sondern das es mehrere sind, die im Zusammenspiel das Risiko erhöhen.

Da im Zusammenhang mit Schizophrenie aber sehr häufig Probleme mit dem Arbeitsgedächtnis auftreten, beschäftigen sich die Dresdner Forscher intensiv mit einem hierfür wichtigen Hirnareal. Sie untersuchen mittels funktioneller Magnet-Resonanz-Tomographie den dorsolateralen präfrontalen Cortex (DLPFC) und testen dabei das Arbeitsgedächtnis – eine Fehlfunktion des DLPFC ist ein Biomarker, also ein biologischer Hinweis auf Schizophrenie.

Mit diesem Marker „Dysfunktion DLPFC“ setzten die Wissenschaftler in ihrer aktuellen Arbeit weltweit erstmals einen von ihnen durch das Zusammenfassen von über 600 bekannten Risiko-Markern für Schizophrenie definierten Risiko-Score in Verbindung. Diese Verknüpfung ermöglicht Aussagen über die Auswirkung der im Score berücksichtigten Risikogene auf die Hirnaktivität bei der Schizophrenie und könnte so perspektivisch auch eine bessere Früherkennung der Krankheit ermöglichen.


Familie und wissenschaftliche Karriere vereinen

Esther Walton (30) wurde in Potsdam geboren. Ihren Bachelor in Psychologie legte sie in Maastricht/Holland ab, bevor sie von 2008 bis 2010 an der Charité in Berlin ihr Masterstudium absolvierte. Die Masterarbeit schrieb sie während eines Forschungsaufenthaltes in Harvard, betreut von Stefan Ehrlich, heute Professor für Angewandte Entwicklungsneurowissenschaften an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus. Derzeit schreibt die Mutter von drei Mädchen ihre Doktorarbeit zur Genetik der Schizophrenie, unterstützt durch ein Stipendium der Friedrich Ebert-Stiftung und wiederum betreut von Prof. Ehrlich. „Uns ist es ein besonderes Anliegen, dass junge Nachwuchswissenschaftlerinnen Familienplanung und Karriere vereinbaren können – dazu ist Flexibilität und Entgegenkommen von beiden Seiten entscheidend“, unterstreicht Stefan Ehrlich.


Zitation

 

 


 

Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, 07.01.2014 (tB).

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