PTHV Studie „Reha-Biograf“ untersucht Wege, Ursachen und Hilfen

Langzeiterkrankte Pflegefachkräfte in der beruflichen Rehabilitation

Vallendar (2. Juni 2016) – Der Lehrstuhl für Pflegewissenschaft der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) hat mit Unterstützung des CJD Berufsförderungswerkes Koblenz die Pilot-Studie „Reha-Biograf“ erstellt und nun den Abschlussbericht vorgelegt.
Überdurchschnittlich viele Pflegefachpersonen werden im Laufe ihres Berufslebens selbst langzeitkrank, etliche von ihnen finden sich mitunter nach langen Leidensgeschichten in der beruflichen Rehabilitation wieder. Ziel der Studie „Reha-Biograf“ war es, die berufsbiografischen Wege von Pflegefachpersonen in die berufliche Rehabilitation rückblickend zu untersuchen, um Hinweise zu Verläufen und Risiken, aber auch verpassten Chancen im Berufsalltag zu erhalten.

Für die Untersuchung wurden insgesamt 21 betroffene Pflegefachkräfte, die in verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet haben, im Kontext ihrer Rehabilitationsmaßnahmen intensiv interviewt. „Wir können uns jetzt besser erklären, was im Berufsalltag schief läuft, aber auch, was präventiv getan werden muss“, sagt Prof. Dr. Frank Weidner, Lehrstuhl für Pflegewissenschaft an der PTHV und Leiter der Studie. Diese beschreibt erstmals ein dreiphasiges Modell zur Erklärung von Ursachen und möglichen Interventionszeitpunkten sowie unterschiedliche Verlaufstypen.

Typisch für Pflegefachpersonal ist laut Studie, dass sich in der ersten Phase während des Berufslebens eine Krankheitsgeschichte schleichend und langwierig über viele Jahre hinweg, aber nicht unbemerkt entwickelt. Das heißt, es gibt in der Regel eine Reihe von Anzeichen, die auf wachsende Probleme hindeuten. Dennoch gibt es bislang in den Kliniken so gut wie keine systematischen und nachhaltigen Hilfsangebote. Die Belastungen und Beschwerden nehmen somit weiter zu, so dass die Betroffenen irgendwann nicht mehr weiterarbeiten können. Diese zweite Phase wird als „Krise“ bezeichnet und führt nicht selten dazu, dass sich die betroffenen Beschäftigten in der beruflichen Rehabilitation (dritte Phase) und einer Neuorientierung wiederfinden. „Wir haben aber auch atypische Verläufe gefunden“, sagt Prof. Weidner, „bei denen es recht unbemerkt verläuft und plötzlich der Zusammenbruch kommt.“

Heinz Werner Meurer, Geschäftsführer des CJD Berufsförderungswerkes Koblenz, der die Studie mit angeregt und gefördert hat, betont: „Wir sind sehr froh, dass wir mit der Wissenschaft kooperiert haben und nun mehr über die Hintergründe und Wege von langzeiterkrankten Pflegefachkräften wissen, die zu uns in die berufliche Rehabilitation kommen.“ Auf Grundlage der Studie können nun Maßnahmen der Prävention und der Rehabilitation weiterentwickelt werden, die sowohl das krankheitsbedingte Ausscheiden verhindern als auch den Wiedereinstieg der erfahrenen Pflegefachkräfte fördern können. „Ein gründlicher und wirksamer Maßnahmenkatalog wäre in Zeiten eines dramatischen Fachkräftemangels in der Pflege von großer Bedeutung! Aber auch für uns als Einrichtung zur beruflichen Rehabilitation bedeutet das Ergebnis der Studie, die vorhandenen Bildungsangebote für Pflegefachkräfte in der beruflichen Rehabilitation auf den Prüfstand zu stellen“, sagte Heinz Werner Meurer. „Wir brauchen mehr Maßnahmen, die es den Pflegefachkräften ermöglichen, in einem qualifizierten Tätigkeitsbereich innerhalb des Gesundheitswesens verbleiben zu können. Diese Studie zeigt auf, das wir alle gefordert sind.“

Die Pilotstudie „Reha-Biograf“ liefert wichtige Hinweise nicht nur für beschäftigte Pflegefachkräfte, sondern auch für Arbeitgeber, Vorgesetzte, Sozialversicherungen, Rehabilitationseinrichtungen und die Politik. „Wir waren überrascht, wie eindeutig die Befragten darauf hingewiesen haben, dass ihrer Meinung nach seitens der Arbeitgeber und der Politik mehr und früher etwas hätte getan werden können“, fügt Prof. Weidner hinzu und hofft, dass sich auf der Grundlage der Pilotstudie Folgeprojekte entwickeln lassen, etwa zur weiteren Ursachenforschung oder zur Entwicklung präventiver, betrieblicher und qualifikatorischer Konzepte.

  • Die Pilotstudie „Reha-Biograf“ kann ab Mitte Juni 2016 kostenlos als Volltextdatei vom kirchlichen Dokumentenserver „kidoks“ im Internet heruntergeladen werden: http://kidoks.bsz-bw.de


Information zur PTHV

Die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar ist eine kirchlich und staatlich aner-kannte wissenschaftliche Hochschule (im Rang einer Universität) in freier Trägerschaft. Die Gesellschafter der PTHV gGmbH sind die Vinzenz Pallotti gGmbH und die Marienhaus Holding GmbH. Rund 50 Professoren und Dozenten forschen und lehren an der PTHV und betreuen etwa 360 Studierende beider Fakultäten Theologie und Pflegewissenschaft.


Quelle: Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar , 02.06.2016 (tB).

MEDICAL NEWS

Fitness watches generate useful information, but increase patient anxiety
A new device provides added protection against COVID-19 during endoscopic…
81 million Americans lacking space or bathrooms to follow COVID…
Front-line physicians stressed and anxious at work and home
EULAR: High-Dose Glucocorticoids and IL-6 Receptor inhibition can reduce COVID-19…

SCHMERZ PAINCARE

Wechselwirkung zwischen psychischen Störungen und Schmerzerkrankungen besser verstehen
Wie ein Schmerz den anderen unterdrückt
Opioidtherapien im palliativen Praxisalltag: Retardierte Analgetika zeigen Vorteile
Krankenhäuser und Praxen müssen sich bei der Schmerztherapie nach Operationen…
Morbus Fabry mittels Datenanalysen aus dem PraxisRegister Schmerz aufspüren

DIABETES

DDG und Verbände definieren erstmals einen Handlungsrahmen für nicht-ärztliche Assistenzberufe…
Typ-2-Diabetes: Neue Hinweise bestärken die Bedeutung von Übergewicht für Spätfolgen
Suliqua®: Eine sinnvolle Option, wenn die BOT zur Blutzuckerkontrolle nicht…
“Körperstolz”: Michael Krauser managt seinen Diabetes digital
Der richtige Sensor – von Anfang an

ERNÄHRUNG

Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…
Fast Food, Bio-Lebensmittel, Energydrinks: neue Daten zum Ernährungsverhalten in Deutschland
Neue Daten zur Ernährungssituation in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen: Mangelernährung…
Baxter: Parenterale Ernährung von Patienten mit hohem Aminosäurenbedarf

ONKOLOGIE

Ibrutinib mit Rituximab bei nicht vorbehandelter CLL: Hinweis auf Zusatznutzen…
Bestmögliche Versorgungssicherheit bei der Krebstherapie mit CAR-T-Zellen
Darolutamid bei Prostatakarzinom: Hinweis auf beträchtlichen Zusatznutzen
Multiples Myelom: Wissenschaftler überprüfen den Stellenwert der Blutstammzelltransplantation
Neues zur onkologischen Supportiv- und Misteltherapie und aktuelle Kongress-Highlights zum…

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Novartis’ Siponimod verzögert Krankheitsprogression und Hirnatrophie bei aktiver…
Neurofilamente als Diagnose- und Prognosemarker für Multiple Sklerose
Bedeutung der Langzeittherapie bei Multipler Sklerose – mehr Sicherheit und…
Bristol Myers Squibb erhält Zulassung der Europäischen Kommission für Ozanimod…
Einige MS-Medikamente könnten vor SARS-CoV-2/COVID-19 schützen

PARKINSON

Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…
Putzfimmel im Gehirn
Parkinson-Patienten in der Coronakrise: Versorgungssituation und ein neuer Ratgeber
Neuer Test: Frühzeitige Differenzialdiagose der Parkinson-Erkrankung
Gegen das Zittern: Parkinson- und essentiellen Tremor mit Ultraschall behandeln…