Qualitätssteuerung durch Outcomedaten

Hochgebirgsklinik Davos geht mit gutem Beispiel voran

 

Davos (27. Juni 2011) – In Bochum trafen sich zum 20. Mal Wissenschaftler, Ärzte, Psychologen, Therapeuten und Fachleute aus Kliniken, Politik und Verwaltung zum Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium. Unter dem übergeordneten Thema „Nachhaltigkeit durch Vernetzung“ diskutierten die 1.500 Experten u.a. über die Verzahnung von externer Qualitätssicherung (QS) mit internem Qualitätsmanagement (QM) sowie die Schaffung von Qualitätsverbünden. Dabei zählt der nachhaltige medizinische Nutzen für den Patienten genauso wie die wirtschaftliche Nachhaltigkeit. 

Das Symposium „QS meets QM“ widmete sich dem Nachweis des Nutzens von Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement mit unterschiedlichen Instrumenten. Mit der in §20 Abs. 2a SGB IX festgelegten gesetzlichen Verpflichtung zu internem Qualitätsmanagement erfährt das etablierte System der externen Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation eine wesentliche Erweiterung. Nicola Wenderoth, Deutsche Rentenversicherung Bund, Berlin, sieht Externe Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement als sich ergänzende notwendige Voraussetzungen zur Erbringung der und Überprüfung von Qualität und bezeichnete sie treffend als Außen- und Innenseite der Qualität.

Ziele der QS in der Reha der Rentenversicherung

 

  • Erhebung und Bewertung von Daten zu möglichst vielen unterschiedlichen Aspekten mit methodisch unterschiedlichen Verfahren.
  • Kontinuierlicher Prozess der Berichterstattung, um ständige Qualitätsverbessrungen anzuregen.
  • Vergleich der Einrichtungen.

 

 

outcome

 

Abb.1: Qualitätssteuerung mit Outcomedaten.


Lernen im Qualitätsverbund


Dabei kann die Verknüpfung von eigenen Qualitätsmanagement- und Qualitätssicherungsmaßnahmen mit dem Prinzip des Voneinander-Lernens in einem Qualitätsverbund Vorteile bringen, erläuterte Dr. Udo Kaiser, Hochgebirgsklinik Davos. Systematischer Austausch von Erfahrungen, Know-How-Transfer, kollegiale Audits sowie Qualitätsvergleiche auf Basis von Kennzahlen kennzeichnen den Qualitätsverbund Reha und Gesundheit Baden-Württemberg mit seinen 29 Kliniken. Zu den gemeinsamen Verbesserungsprojekten des Verbundes zählen eine Auditcheckliste, die Optimierung der externen Qualitätssicherung, ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) basierte Konzepte und Profilbildung. Zu den arbeitsteiligen Verbesserungsprojekten gehören Mitarbeiter- und Patientenbefragungen.


Ergebnisdaten zur zielorientierten Unternehmensführung


Eines der wirksamsten Instrumente zur kontinuierlichen operativen und strategischen Qualitätssteuerung und Zielplanung ist laut Kaiser die Generierung von Outcomedaten (Abb. 1), denn „Günstige Winde kann nur der nutzen, der weiß, wohin er will;“ sagte bereits Oscar Wilde. Outcomemessungen sind essenziell für die Zieldefinition kundenorientierter Qualitätsverbesserungen. Sie zeigen Optimierungspotenziale auf, geben Hinweise für das (Re-)Design von Strukturen und Prozessen und dienen als rationale Entscheidungsgrundlage für bzw. im Qualitätsmanagement. Ohne Ergebnisdaten sind eine Steigerung der Effizienz und die zielorientierte Unternehmensführung nur durch „Trial and Error“ möglich, konstatierte Kaiser.


Beispielhafte Outcomemessungen in Davos


Mehr als jeder Vierte in Deutschland scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus dem Erwerbsleben aus, mehr als jeder Fünfte nutzte 2009 eine Vorruhestandsregelung oder ging direkt aus der Arbeitslosigkeit in den Ruhestand. Das Durchschnittsalter für gesundheitsbedingten Ruhestand lag 2008 bei 55,1 Jahren. Alarmierende Zahlen, und die PROGNOS-Studie (Steiner et al., 2009) belegt: Für jeden in die medizinische Rehabilitation investierten Euro gewinnt die Gesellschaft schon heute fünf Euro zurück. Der Netto-Nutzen könnte sich bis 2025 auf 23 Milliarden Euro vervierfachen, so Kaiser. Die Hochgebirgsklinik Davos hat bereits in den vergangenen Jahren mit den Davoser-Reha-Studien (DRS I + II) gezeigt, wie sinnvolle Outcomemessung aussehen und den medizinischen und wirtschaftlichen Erfolg von Rehabilitationsmaßnahmen belegen kann. Rund 90 % der befragten Patienten in DRS I waren zum Zeitpunkt der Entlassung mit den unterschiedlichen Teilbereichen des Rehabilitationsprogramms äußerst zufrieden, berichtete Kaiser. Die ersparten Kosten durch in deutlich geringerem Umfang in Anspruch genommenen Gesundheitsleistungen nach einem stationären Aufenthalt an der Hochgebirgsklinik Davos belaufen sich für die 187 Teilnehmer der Studie auf rund 1.000.000,- €. Diesen stehen Aufwendungen für die Maßnahmen in Davos in Höhe von rund 800.000,- € entgegen. Der Return on Investment liegt damit bei 4,7 Monaten – Reha lohnt sich! Die Ergebnisse von DRS II gehen noch weiter: Selbst fünf Jahre nach dem Aufenthalt in der Hochgebirgsklinik Davos zeigen sich noch positive Auswirkungen durch geringere Inanspruchnahme stationärer und ambulanter wohnortnaher Einrichtungen.


Mit DOS, der Davoser-Outcome-Studie, präsentierte der Leiter dieser Studie, Dr. Udo Kaiser, Zwischenergebnisse der derzeit laufenden Untersuchung. Im Unterschied zu DRS I + II gibt es bei DOS ein MTMM-Design (MTMM = Multi-Trait-Multi-Method) mit Kontrollgruppe.

Davoser-Outcome-Studie (DOS)

 

  • Messung kurz-, mittel- und langfristiger Effekte (Aufnahme, Entlassung, 6/12/24 Monate nach Entlassung).
  • MTMM-Design: Multi-Trait-Multi-Method mit Kontrollgruppe.
  • Stichprobengröße: 800-1.000 Patienten.
  • Datenebenen: Patienten, Klinikärzte, Haus- und Fachärzte, Krankenakte, ggf. Kassendaten.
  • Interventionsgruppe: stationäre Reha in Davos, Kontrollgruppe: ohne Reha, vorhandene Reha-Bedürftigkeit.
  • Laufzeit: ca. 4 Jahre, Laufzeit Klinikerhebung: 2010.
  • Indikationen: Asthma, COPD, Atopisches Ekzem, Psoriasis.
  • Bereiche: körperliches Befinden, psychisches Befinden, sozialer Bereich, funktionaler Bereich, soziodemographische Daten, sozialmedizinische Daten, behandlungsbezogene Daten, ökonomische Daten.
  • Projektbeteiligte: Europäisches Allergie und Asthma Zentrum Davos, Hochgebirgsklinik Davos, Niederländisches Asthmazentrum Davos (NAD).
  • In Kooperation mit der Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen, Karlsruhe (GfQG).
  • Finanzierung durch das Europäische Allergie und Asthma Centrum Davos (EACD).


DOS – Verbesserung der Arbeitsfähigkeit

Bei den derzeit vorliegenden Ergebnissen von DOS berichten rund 60 % der befragten Patienten zum Zeitpunkt der Entlassung, dass ihre Probleme und Beschwerden entweder gar nicht mehr (2,7 %) oder nur noch in geringem Ausmaß vorhanden sind (55,6 %). Mehr als die Hälfte (51,1 %) fühlen sich deutlich besser und 42,0 % etwas besser. Dementsprechend geben 98,4 % an, dass der Klinikaufenthalt sehr geholfen habe. Hierzu trugen aus Sicht der Betroffenen neben der medizinischen Behandlung auch die besonderen Gegebenheiten der Hochgebirgsklinik Davos wie die Ruhe des Ortes und der Umgebung, die Luftveränderung und das Hochgebirgsklima bei. Die vorliegenden Ergebnisse belegen die kurz- und langfristigen Effekte stationärer Behandlungen in der Hochgebirgsklinik Davos. Untermauert wird dies durch die Tatsache, dass über die Hälfte der Befragten im Untersuchungszeitraum keine weiteren rehabilitativen Maßnahmen in Anspruch genommen haben.

Die Arbeitsfähigkeit zwischen Aufnahme und Entlassung hat sich ebenfalls entscheidend verbessert, so Kaiser. So sind mit 58 % bei Entlassung vs. 29 % bei Aufnahme doppelt so viele Patienten wieder voll arbeitsfähig. Die Zahl der eingeschränkt Arbeitsfähigen hat sich bei Entlassung gegenüber Aufnahme fast halbiert.


Fazit: DOS verifiziert PROGNOS


QM und QS sind wichtige Instrumente, die sich im Qualitätsverbund durch Voneinander-Lernen noch besser nutzen lassen. QMS und Outcomemessungen werden als Instrument der Unternehmensführung verstanden. Und schließlich belegen die Ergebnisse von DRS und Davoser-Outcome-Studie (DOS) die These, dass sich Rehabilitation rechnet und zeigen am konkreten Beispiel der Hochgebirgsklinik Davos, dass sich die Resultate der PROGNOS-Studie von 2009 in
der Realität abbilden lassen.

 

 

Quellen

 

  • 20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium, Bochum, 14.-16.03.2011
  • PROGNOS Studie: Die medizinische Rehabilitation Erwerbstätiger – Sicherung von Produktivität und Wachstum, PROGNOS AG, Basel, 08/2009. 


Quelle: Hochgebirgsklinik Davos, 27.06.2011 (Media Concept) (tB).

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