Mehr als jeder fünfte Deutsche, der bereits einen Sterbenden begleitet hat, stuft die Versorgung als schlecht ein

Versorgungslücken am Lebensende

 

Berlin (18. Februar 2014) – Die Zahl älterer Menschen wird in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten stark zunehmen. Dies wird auch einhergehen mit einer wachsenden Zahl hochbetagter, schwerstkranker Menschen. Damit rückt vor allem auch die Frage einer bedürfnisorientierten medizinischen und pflegerischen Versorgung am Lebensende in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Das ZQP hat daher in einer aktuellen, repräsentativen Forsa-Befragung die Einstellungen der Deutschen zur Versorgung schwerkranker Menschen und zum eigenen Sterben untersucht. Dabei zeigt sich der dringende Handlungsbedarf: Mehr als jeder Fünfte, der bereits einen Sterbenden begleitet hat, stuft die Versorgung als schlecht ein.

 

„Eine gute Palliativversorgung ermöglicht den Menschen auch mit schwerwiegenden Einschränkungen ihr Leben bis zu Ende in Würde und Selbstbestimmtheit leben zu können.  Schwerstkranke, ältere Menschen haben jedoch oft keinen hinreichenden Zugang zu entsprechender Unterstützung. Zunehmende und typische Alterserkrankungen wie z.B. Demenz gelten immer noch zu selten als Einsatzfeld von Palliativversorgung oder sie wird in diesen Fällen oft zu spät in Betracht gezogen“, sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Dabei trage eine gute, bedürfnisorientierte palliativmedizinische Versorgung unter anderem dazu bei, belastende Symptome zu lindern, Ängste zu verringern und Lebensqualität zu verbessern“, so Suhr.

 

Dies hat auch für die meisten Interviewten höchste Priorität. Für immerhin 86 Prozent der Befragten sind die wichtigsten Kriterien für eine gute Versorgung am Lebensende die maximal mögliche Linderung von Schmerzen, Übelkeit oder Luftnot. Auch die Begleitung im Umgang mit Angst und Trauer halten zwei Drittel der Interviewten für besonders relevant. Mehr als jeder Zweite misst der Beratung und Unterstützung von pflegenden Angehörigen eine hohe Bedeutung bei. Diese Priorisierung der wichtigsten Aspekte für eine gute Versorgung am Lebensende ist hierbei unabhängig davon, ob bereits Erfahrung in der Pflege oder Begleitung einer sterbenden Person gemacht wurde.

 

Befragt nach den eigenen Wünschen, gibt jeder Zweite an, zu Hause sterben zu wollen. In einem Pflegeheim oder Krankenhaus zu versterben, wünschen sich hingegen nur vier Prozent. Demgegenüber ist davon auszugehen, dass die meisten Menschen in Deutschland, schätzungsweise etwa 65 bis 75 Prozent, in stationären Einrichtungen versterben. Daneben spielen Aspekte wie Teilhabe und Selbstbestimmung eine große Rolle. Für 94 Prozent der Interviewten ist es wichtig, auch in der Phase des Sterbens Dinge tun zu können, die ihnen Freude machen. Über Maßnahmen in der Behandlung und Pflege selbst entscheiden zu können, rangiert bei den Wünschen guter Palliativversorgung an zweiter Stelle (92 Prozent). Aber auch psychosoziale Aspekte haben für einen sehr großen Teil der Befragten einen hohen Stellenwert: Abschied nehmen zu können (88 Prozent) und Familie oder Freunde an der Seite zu haben (86 Prozent), ist ebenfalls vielen Deutschen wichtig.

 

 

 

 

Methoden und Vorgehensweise

 

In der, dieser Auswertung zugrundeliegenden, anonymen Bevölkerungsumfrage wurden mittels einer repräsentativen Stichprobe Einstellungen aus den Themenbereichen „Bedürfnisse bei der Versorgung Schwerkranker am Lebensende“ und „Vorstellungen vom Sterben“ erfragt. Die Stichprobengröße beträgt 1.007 Befragte (N=1.007). Die Befragung wurde in der Zeit vom 8. bis15. Oktober 2013 durchgeführt. Die Grundgesamtheit bildete die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahre, repräsentiert in einem Panel (forsa.omninet) mit ca. 20.000 Personen. Als Erhebungsmethode kam die In-Home-Befragung per PC bzw. Set-Top-Box am TV-Bildschirm zum Einsatz. Anschließend wurde die Personenstichprobe nach Region, Alter, Geschlecht und Bildung gewichtet. Die statistische Fehlertoleranz der Untersuchung in der Gesamtstichprobe liegt bei +/- 3 Prozentpunkten.

 


 

Quelle: Zentrum für Qualität in der Pflege, 18.02.2014 (tB)

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