Rettender Eingriff an der Lunge eines Jungen im Mutterleib

 

Im Alter von zehn Wochen ruht sich Jan bei seiner Mutter aus. Photo: privatBonn (29. Januar 2009) – Jan drohte nach der Geburt zu ersticken. Denn ab der 16. Schwangerschaftswoche verlor die Fruchtblase seiner Mutter durch ein kleines Leck Wasser. Ihre Gebärmutter und seine Bauchorgane quetschten seine Lunge zunehmend ein – sie konnte dadurch nicht weiterwachsen. Mit einem Eingriff in die Atemwege des ungeborenen Kindes retteten Fetalchirurgen am Universitätsklinikum Bonn dem kleinen Jan vermutlich das Leben.

Damit gelang dieser Eingriff den Bonnern bereits zum zweiten Mal. Diesmal konnten die Ärzte aber nicht nur der Lunge beim Wachsen zu schauen, sondern bereits nach zwei Tagen eine deutlich verbesserte Lungendurchblutung feststellen. Die renommierte amerikanische Fachzeitschrift Obstetrics & Gynecology berichtete jetzt über diesen Fall.

Es war keine einfache Schwangerschaft. Die Fruchtblase von Ira S. verlor schleichend Wasser. Kritisch war der Zeitpunkt, denn in der 16. Schwangerschaftswoche ist die Lunge des heranwachsenden Kindes noch nicht ausgereift. Ohne das schützende Flüssigkeitspolster wurde Jan zunehmend eingeengt, die Organe drückten auf die noch viel zu kleine Lunge. Diese konnte daher nicht weiter wachsen. Etwa jedes fünfte Ungeborene hat nach einem Blasensprung vor der 20. Schwangerschaftswoche eine stark unterentwickelte Lunge, bei der Geburt besteht dadurch die Gefahr, dass sie ersticken. "Für viele Schwangere ist das ein Grund, die Schwangerschaft abzubrechen, obwohl das Kind ansonsten gesund ist. Doch so hoffnungslos ist diese Situation nicht", sagt Professor Dr. Thomas Kohl, Leiter des Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie und minimal-invasive Therapie (DZFT) am Universitätsklinikum Bonn. Er berät weltweit Schwangere bei einem vorzeitigen Blasensprung und klärt, ob ein vorgeburtlicher Eingriff hilfreich sein könnte.

Der Lunge beim Wachsen zuschauen

Die Eltern gaben Jan nicht auf und kamen in der 24. Schwangerschaftswoche in das Perinatalzentrum am Universitätsklinikum Bonn, wo eine Maximaltherapie wie unter anderem Lungenreifeförderung und künstliche Beatmung bei extrem unreifen Frühgeborenen geleistet wird. Pränatalmediziner, Neonatologen und Hebammen kümmerten sich intensiv um Mutter und Kind und führten viele Gespräche mit den jungen Eltern. Zu diesem Zeitpunkt war die Lunge von Jan zwei Monate im Wachstum zurück und zudem kaum noch durchblutet. Der Junge hatte nur eine geringe Überlebenschance. Professor Kohl riet zu einer vorgeburtlichen Operation. Noch ist ein solcher fetalchirurgischer Eingriff unter diesen Bedingungen wenig erprobt. "Aber durchaus erfolgversprechend", betont Professor Kohl. Die Eltern griffen nach diesem Strohhalm: "Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben. Diese Chance sollte Jan bekommen", sagt die Mutter.

Über eine kleine Öffnung im Bauch der Mutter führten der Bonner Fetalchirurg das Operationsgerät – so dünn wie eine Kugelschreibermine – in die Fruchthöhle ein. Unterstützt durch Kamera und Ultraschall tastete er sich mit diesem so genannten Fetoskop über die Mundöffnung bis zur Luftröhre von Jan vor. Dort blies das Team einen Mini-Ballon auf, der den Atemkanal verschloss. Die von der vorgeburtlichen Lunge ständig produzierte Flüssigkeit konnte dann nicht mehr über die so blockierten Atemwege abfließen. "Der so aufgebaute Flüssigkeitsdruck regte die Lunge an zu wachsen. So rangen wir um jeden Milliliter Lunge", sagt Professor Kohl. Nach sieben Tagen wurde der Latexballon wieder entfernt. Jans Lunge hatte zu diesem Zeitpunkt enorm aufgeholt und war fast normal groß. "Zum ersten mal sahen wir, dass sich auch die Lungendurchblutung schon am zweiten Tag deutlich verbessert hat – entscheidend für eine spätere selbständige Atmung", freut sich Professor Kohl. "Jan ist ein hervorragendes Beispiel für das lebensrettende Potential der neuen Behandlungsmethode bei einem frühen Blasensprung."

 

Nach der Geburt Mitte Mai 2008 kümmerten sich sofort Frühchenspezialisten der Neonatologischen Intensivpflegestation (NIPS) um den kleinen Jan. Bereits am dritten Tag konnte er selbständig atmen und wog zum errechneten Geburtstermin bereits rund 3.500 Gramm. "Alle waren überrascht, wie toll sich Jan bereits zu diesem Zeitpunkt entwickelt hatte", strahlt die glückliche Mutter.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 29.01.2009.

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie unterversorgt? Studie zeigt auffällige…
Suliqua® zur Therapieoptimierung bei unzureichender BOT
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Nahrungsergänzungsmittel während der Krebstherapie: Es braucht mehr Bewusstsein für mögliche…
Fusobakterien und Krebs
Fortgeschrittenes Zervixkarzinom: Pembrolizumab verlängert Leben
Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…