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Rheumatoide Arthritis

Lebensqualität durch schlechte Therapieadhärenz verringert

 

Bremen (4. September 2015) - Aktuelle Daten zur Therapieadhärenz bei rheumatoider Arthritis (RA) belegen, dass rund ein Fünftel der Patienten mit erstmaliger Verordnung von Methotrexat (MTX) das Medikament bereits im ersten Jahr nach Therapiestart absetzen. Ein weiteres Fünftel der Patienten nimmt MTX nur unregelmäßig ein.1 Eine suboptimale Therapieadhärenz kann den Behandlungserfolg bei RA gefährden und sich negativ auf Krankheitsaktivität und radiologische Progression auswirken.2 Zudem korreliert eine schlechte Therapieadhärenz auch mit einer geringeren Lebensqualität, wie die beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) 2015 präsentierte Querschnittsstudie TRACE aufzeigt.3 Bei einem Symposium von Roche und Chugai im Rahmen des DGRh-Kongresses diskutierten Experten über Non-Adhärenz bei RA und deren Auswirkungen auf Patienten.

 
Eine aktuelle Untersuchung, die beim Kongress der European League Against Rheumatism (EULAR) 2015vorgestellt wurde, ermittelte das Ausmaß der Non-Adhärenz und Non-Persistenz bei MTX anhand von Krankenkassendaten einer deutschen Krankenversicherung von mehreren Tausend RA-Patienten aus den Jahren 2010-2013. Die Analyse zeigte, dass 18,6 % der neu diagnostizierten RA-Patienten, die MTX erstmalig verordnet bekamen, die Therapie im ersten Jahr nach Behandlungsbeginn abbrachen (Non-Persistenz > 12 Wochen). Weitere 19,3 % der Patienten führten die MTX-Behandlung nicht wie verordnet fort und wurden als nicht adhärent klassifiziert (MPR < 80 %).1

 

Wie Prof. Dr. Klaus Krüger, München, erläuterte, deutet diese erstmals basierend auf einem großen „real-life“ RA-Patientenkollektiv durchgeführte Analyse auf eine suboptimale Therapieadhärenz und -persistenz für MTX in Deutschland hin. „Das Ausmaß der Non-Adhärenz und Non-Persistenz hat uns überrascht“, gab Krüger zu. „Besonders bedenklich stimmt mich ein weiterer Befund: Bis zu 65 % der Patienten, die die Therapie im ersten Jahr nach Behandlungsbeginn abbrachen, erhielten keinerlei weitere rheumatologische Basistherapeutika im Jahr nach Therapieabbruch“,1 so Krüger.

 

Studien belegen, dass unzureichende Adhärenz und Persistenz die Krankheitskontrolle beeinträchtigen und das Erreichen von Therapiezielen somit gefährden können: Das individuelle Risiko für Flares war bei Patienten mit mangelnder Adhärenz bzw. Persistenz erhöht,2 zudem fiel die Verringerung der radiografischen Progression bei non-adhärenten Patienten geringer aus.4 Außerdem war eine höhere Adhärenz bei krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (Disease Modifying Antirheumatic Drugs, DMARDs) mit einer verringerten Depressionsrate, einer verbesserten mentalen Gesundheit sowie einer gesteigerten Funktionalität assoziiert.4

 

 

Negative Auswirkungen der Non-Adhärenz auf Lebensqualität der Patienten

 

Der bislang noch wenig untersuchte Zusammenhang zwischen Lebensqualität und Adhärenz war Gegenstand der von Prof. Dr. Jens Gert Kuipers, Bremen, geleiteten TRACE-Studie, die erstmals beim DGRh-Kongress 2015 vorgestellt wurde. Die multizentrische Querschnittsuntersuchung umfasste eine repräsentative Stichprobe von Ärzten, die auf die Behandlung von RA spezialisiert sind, sowie deren Patienten. Beide Gruppen wurden jeweils über spezifische Arzt- bzw. Patientenfragebögen zur Einschätzung der Therapieadhärenz, Krankheitsaktivität (DAS28), Lebensqualität (SF-12) sowie zu weiteren psychosozialen Parametern befragt. Die ersten Auswertungen der TRACE-Studie zeigten ein konsistentes Muster niedriger, aber statistisch signifikanter Korrelationen zwischen einer schlechten Therapieadhärenz (basierend auf der Arzteinschätzung) und einer höheren Krankheitsaktivität (r = 0,19), Müdigkeit (r = 0,11) sowie geringer Lebensqualität im körperlichen (r = -0,13) und psychischen Bereich (r = -0,18) (alle p-Werte < 0,01).3 Kuipers sieht durch die Daten die Annahme bestätigt, dass eine höhere Adhärenz auch mit einer höheren Lebensqualität verbunden ist: „Bei den Patienten mit einer durch den Arzt eingeschätzten sehr hohen Adhärenz fällt die körperliche und psychische Lebensqualität höher aus. Diese Patienten weisen beispielsweise ein geringeres Maß an Müdigkeit bzw. Fatigue und weniger Probleme mit Alltagstätigkeiten auf.“

 

Neben den Auswirkungen des Adhärenzverhaltens versucht die TRACE-Studie des Weiteren, Einflussfaktoren der Adhärenz zu beschreiben. Kuipers hofft, dass sich daraus auch Modifikationen für das Therapiemanagement ableiten lassen. Ein besseres Verständnis von Non-Adhärenz sowie deren Einflussfaktoren könne letztendlich auch dazu beitragen, das Therapieergebnis zu verbessern, so Kuipers. Schließlich ist indikationsübergreifend bekannt, dass komplexe Therapieschemata mit hoher Dosierungshäufigkeit einer guten Adhärenz im Wege stehen.5 Möglicherweise kann diese Erkenntnis auch in der RA-Therapie dabei unterstützen, patientengerechte Therapielösungen zu finden, die vom Patienten durch adhärentes Verhalten auch akzeptiert werden.

 

 

Anmerkung

 

 

 

Literaturverweise 

  1. Müller S et al., Poster FRI0148, EULAR 2015
  2. Contreras-Yánez et al., AJMS 2010; 340: 282-290
  3. Kuipers JG et al., Poster EV.22, DGRh 2015
  4. Weimann CA et al., Arthritis Rheum 2013; 65: 1421-1429
  5. van den Bemt BJ, Zwikker HE, van den Ende CH, Expert Rev Clin Immunol 2012; 8: 337-351

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Eindeutige Kennzeichnung von biologischen Arzneimitteln in der medizinischen Kommunikation

 

Für die Patientensicherheit ist es wichtig, biologische Arzneimittel durch ihren Handelsnamen klar zu kennzeichnen. Nur so kann gewährleistet werden, dass mögliche Nebenwirkungen eindeutig einem bestimmten Produkt zugeordnet und zurückverfolgt werden können. Analog europäischer behördlicher Vorgaben für die Dokumentation des Handelsnamens in der Patientenakte nennt Roche in Publikationen, Texten und Presseinformationen deshalb neben dem internationalen Freinamen auch den Handelsnamen.

 

 

Über Roche

 

Roche mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ist eines der führenden Unternehmen im forschungsorientierten Gesundheitswesen. Es vereint die Stärken der beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics und entwickelt als weltweit größtes Biotech-Unternehmen differenzierte Medikamente für die Onkologie, Immunologie, Infektionskrankheiten, Augenheilkunde und Neurowissenschaften. Roche ist auch der weltweit bedeutendste Anbieter von Produkten der In-vitro-Diagnostik und gewebebasierten Krebstests und ein Pionier im Diabetesmanagement. Medikamente und Diagnostika, welche die Gesundheit, die Lebensqualität und die Überlebenschancen von Patienten entscheidend verbessern, sind Ziel der Personalisierten Medizin, eines zentralen strategischen Ansatzes von Roche. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1896 hat Roche über einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren wichtige Beiträge zur Gesundheit in der Welt geleistet. Auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation stehen 28 von Roche entwickelte Medikamente, darunter lebensrettende Antibiotika, Malariamittel und Chemotherapeutika.

 

Die Roche-Gruppe beschäftigte 2014 weltweit über 88 500 Mitarbeitende, investierte 8,9 Milliarden Schweizer Franken in Forschung und Entwicklung und erzielte einen Umsatz von 47,5 Milliarden Schweizer Franken. Genentech in den USA gehört vollständig zur Roche-Gruppe. Roche ist Mehrheitsaktionär von Chugai Pharmaceutical, Japan.

 

 

 

Roche Pharma AG, Deutschland

 

Die Roche Pharma AG in Grenzach-Wyhlen beschäftigt über 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Von hier aus werden alle zulassungsrelevanten Studien für Deutschland koordiniert. Darüber hinaus werden auch Studien für bereits auf dem Markt befindliche Produkte durchgeführt. Von Grenzach-Wyhlen aus erfolgen zudem zentrale Elemente der technischen Qualitätssicherung für den gesamten europäischen Raum. Außerdem ist die Roche Pharma AG für das Marketing und den Vertrieb verschreibungspflichtiger Arzneimittel auf dem gesamten deutschen Markt zuständig.

 

 

 

Über Chugai Pharma

 

Chugai wurde 1925 als Familienunternehmen in Japan gegründet und zählt heute zur Spitze der japanischen Pharmaindustrie. Als forschendes Unternehmen konzentriert sich Chugai Pharmaceutical aktiv auf die Entwicklung neuer Therapieprinzipien; bis zu 20 Prozent des Umsatzes werden in Forschung und Entwicklungen investiert. Die japanischen Wurzeln sind ein essentieller Bestandteil der Firmenkultur. 2013 beschäftigte Chugai fast 6.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Japan sowie in den europäischen Niederlassungen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und weiteren Standorten in den USA und Asien. Der Konzern erzielte einen Umsatz von 423,7 Yen (ca. 3 Milliarden Euro). Ein wichtiger Schritt für Chugai Pharma war die globale strategische Allianz mit Roche im Jahr 2002 bei gleichzeitiger Wahrung der unternehmerischen Unabhängigkeit von Chugai Pharma in den Ländern, in denen bereits eigene Filialen bestanden. Die deutsche Niederlassung Chugai Pharma Marketing Ltd. in Frankfurt am Main engagiert sich seit 1998 intensiv auf dem deutschen Gesundheitsmarkt.

 

 


Quelle: Roche Pharma und Chugai Pharma, 04.09.2015 (tB).