MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Risikoärmere Diagnose der Schaufensterkrankheit

 

Bonn (16. Januar 2009) – Verengungen der Beinarterien können unbehandelt schwere Folgen haben, die bis zur Amputation reichen. Entsprechend wichtig ist die frühzeitige korrekte Diagnose des Leidens, das im Volksmund auch unter dem Namen "Schaufensterkrankheit" bekannt ist. Das bislang beste Diagnoseverfahren ist aber nicht ungefährlich. Mediziner der Universität Bonn haben nun in der Fachzeitschrift "Radiology" eine Alternative vorgestellt. Das neue Verfahren ist weniger riskant, scheint aber laut ihrer Studie ebenso sichere Ergebnisse zu liefern.

Die Durchblutungsstörung äußert sicht zunächst oft ganz unspektakulär mit kalten Füßen. Später kommen bei längeren Wanderungen krampfartige Schmerzen hinzu. Schließlich treten die Beschwerden schon bei kurzen Spaziergängen auf. Die Betroffenen müssen dann anhalten, bis die Schmerzen abgeklungen sind. Aus Scham oder zur Ablenkung erfolgen diese Stopps häufig an Schaufenstern, daher der Name "Schaufensterkrankheit".

 

Ursache sind oft Verengungen der Beinarterien. Sie schränken die Blutversorgung der Muskulatur drastisch ein. Durch radiologische Verfahren lassen sich diese Blockaden sichtbar machen. "Methode der Wahl ist dabei die digitale Substraktions-Angiographie, abgekürzt DSA", erklärt der Bonner Oberarzt Dr. Winfried A. Willinek. Dabei machen die Ärzte in der Leiste einen kleinen Einschnitt. Durch diese Öffnung schieben sie einen Katheter in die betroffene Beinarterie, bis sie die mutmaßliche Stelle des Engpasses erreichen. Indem sie nun über den Katheter ein spezielles Kontrastmittel geben, können sie Lage und Ausmaß der Verengung im Röntgenbild sichtbar machen. Das Problem dabei: "Die Methode ist nicht ganz ungefährlich", betont Willinek. "Beispielsweise kann der Katheter Ablagerungen von der Arterienwand schaben. Diese können dann mit dem Blutstrom in andere Gefäße gelangen und sie verschließen. Eine derartige Embolie kann lebensgefährlich werden."

Als Alternative bietet sich die Injektion des Kontrastmittels in die Vene an. Dabei kann auf einen Katheter verzichtet werden. Außerdem besteht nicht die Gefahr unangenehmer Blutungen aus der punktierten Beinarterie. Der Blutstrom schwemmt das gegebene Mittel in kurzer Zeit zur betroffenen Arterie. Wenn es dort die Engstelle passiert, wird diese im Kernspin-Tomographen sichtbar. Allerdings verdünnt sich das Kontrastmittel bei seiner Reise durch den Körper. Die Bilder wirken "verwaschen"; sie erlauben daher keinen so genauen Aufschluss über Ausmaß und Lage der Blockade. "Dazu kommt, dass die Nieren das Kontrastmittel schnell wieder herausfiltern", ergänzt Willinek. "Nur bei der ersten Passage des Mittels durch den Engpass entstehen brauchbare Aufnahmen."

Der Privatdozent an der Bonner Radiologischen Klinik hat daher zusammen mit Kollegen aus der Gefäßchirurgie ein neuartiges Kontrastmittel erprobt. Die Substanz bindet reversibel an das Blutprotein Albumin und bleibt so weitaus länger im Körper, bevor es von den Nieren herausgefischt wird. Auf diese Weise werden gewissermaßen längere "Belichtungszeiten" möglich. Die so erzielbaren Aufnahmen sind somit weitaus kontrastreicher.

Genauigkeit: 100 Prozent!

Die Bonner Gefäßspezialisten haben das neue Kontrastmittel an 27 Patienten erprobt. Dabei untersuchten sie insgesamt 334 arterielle Segmente. "In jedem einzelnen Fall kamen wir dabei mit der neuen Methode zum selben Ergebnis wie mit der DSA", resümiert der Radiologe. Zum Vergleich testeten die Ärzte auch das herkömmliche Verfahren mit venöser Kontrastmittelgabe. Hier betrug die Übereinstimmung mit der DSA nur 87 Prozent. "Möglicherweise kann das neue komplikationsarme Verfahren die riskantere DSA daher in einem Teil der Fälle ersetzen", erklärt Willinek.

In Deutschland leiden nach Schätzungen bis zu zehn Millionen Menschen unter der Schaufensterkrankheit. Unbehandelt führt das Leiden letztlich zur Amputation. Allein in Deutschland ist das jährlich bei etwa 30.000 Betroffenen der Fall. Dabei lässt sich die Erkrankung bei frühzeitiger und korrekter Diagnose gut therapieren – beispielsweise durch gezieltes Gehtraining, eine cholesterinarme Diät, strikten Verzicht auf Zigaretten oder auch durchblutungsfördernde Medikamente. In schweren Fällen können Ärzte zudem eine Gefäßstütze einsetzen oder die Ader mit einem Ballon aufweiten. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, die betroffene Stelle mit einem Bypass zu umgehen. Rund 80 Prozent aller Amputationen ließen sich mit derartigen Methoden vermeiden.


 

Quelle: Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 16.01.09.

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Typ-2-Diabetes: Vorteil mit Toujeo® in der Einstellphase – Geringeres Hypoglykämierisiko…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…
Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern
Toujeo®: Ein Beitrag zu mehr Sicherheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können
Onkologische Pflegekräfte entwickeln Hörspiel für Kinder: Abenteuer mit Alfons
Krebsüberleben hängt von der Adresse ab

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
Empfehlung zur Corona-Impfung bei Multipler Sklerose (MS)
Fallstudie: Beeinflusst SARS-CoV-2 Infektion die Multiple Sklerose?

PARKINSON

Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit
Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…