Robert Koch-Institut

Todesfälle nach Hantavirus-Infektionen im Yosemite-Nationalpark

 

Berlin (17. September 2012) – Nach Aufenthalten im Yosemite-Nationalpark im Sommer 2012 sind inzwischen mindestens acht US-amerikanische Besucher am sogenannten Hantavirus-induzierten Pulmonalen Syndrom (HPS) erkrankt, drei von ihnen starben. HPS wird durch eine Infektion mit Hantaviren hervorgerufen, die nur auf dem nordamerikanischen Kontinent verbreitet sind. Dieser Virustyp, das Sin-Nombre-Virus, ist weitaus gefährlicher als die Hantaviren, die in Deutschland vorkommen und löst auch ein anderes Krankheitsbild aus. Nachdem zunächst nur Personen auf einem bestimmten Campingplatz betroffen waren, hat die amerikanische Infektionsschutzbehörde CDC die Warnung inzwischen auf alle Personen ausgedehnt, die in den letzten Wochen den Yosemite-Nationalpark besucht haben. Die Weltgesundheitsorganisation hat den nationalen Behörden empfohlen, die Ärzteschaft über dieses Infektionsrisiko und das Krankheitsbild des HPS zu informieren.

 

Für Deutschland hatte das Robert Koch-Institut bereits die zuständigen Gesundheitsämter informiert, die die Reiserückkehrer und ihre Begleitung sowie deren Ärzte auf das zwar sehr geringe, aber potenziell lebensbedrohliche Infektionsrisiko hinwiesen.

Ärzte sollten bei der Behandlung und Betreuung von Personen, die sich in den letzten Wochen im Yosemite-Nationalpark aufgehalten haben, differenzialdiagnostisch frühzeitig an Sin-Nombre-Hantavirus denken und eine gezielte virologische Diagnostik veranlassen – hierzu sind die in Deutschland üblichen Hantavirus-Tests geeignet. Wenn entsprechende Symptome vorliegen, kann ein Bluttest die Diagnose sichern. Ohne entsprechende Symptome ist die Durchführung des Tests nicht sinnvoll. In Yosemite infizierte Patienten sollten engmaschig auf die Entwicklung eines HPS überwacht und bei Bedarf umgehend in ein Krankenhaus eingewiesen werden.

Symptome einer Infektion mit dem Sin-Nombre-Hantavirus treten in der Regel zwischen ein und sieben Wochen nach Infektion auf. Als frühe Symptome liegen Müdigkeit, Fieber und Muskelschmerzen fast immer vor. Darüber hinaus kann es auch zu Kopfschmerzen, Schwindel, Schüttelfrost und Magen-Darm-Beschwerden, wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen, kommen. Vier bis zehn Tage nach der ersten Phase der Krankheit können die Symptome von HPS auftreten. Hierzu gehören Husten, Kurzatmigkeit und zunehmende Atembeschwerden. HPS verläuft rasant und kann tödlich sein. Zwischen 1993 und 2009 wurden in den USA insgesamt 510 HPS-Patienten registriert (35 % von ihnen starben), die Fallzahlen schwankten zwischen 11 und 48 pro Jahr.

Eine spezifisch gegen HPS gerichtete Therapie steht nicht zur Verfügung. Aber eine frühzeitige Diagnose und Behandlung auf einer Intensivstation verbessert die Prognose der Erkrankung erheblich. Durch eine intensivmedizinische Behandlung kann insbesondere die Zeit der schweren Atemnot überbrückt werden.

Wer den Yosemite-Nationalpark demnächst besucht, sollte die Hinweise der amerikanischen Gesundheitsbehörden und der Parkverwaltung vor Ort beachten und bei Bedarf eine reisemedizinische Beratung bei einem Tropeninstitut oder anderen reisemedizinischen Beratungsstellen einholen (Übersicht siehe http://www.rki.de/reise). Aktuelle Informationen zum Geschehen sind abrufbar unter http://www.nps.gov/yose/planyourvisit/hantafaq.htm

In den Vereinigten Staaten sind vor allem Hirschmäuse Träger des Virus. Die Nager scheiden das Virus in ihrem Urin, Kot und Speichel aus. Das Virus kann insbesondere durch Einatmen von Staub, der mit Exkrementen von Nagern verunreinigt ist, auf den Menschen übertragen werden. Das Virus wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen. In Deutschland kommen andere Hantavirus-Typen vor, die bei schweren Verläufen die Nieren schädigen, aber fast nie tödlich verlaufen. Gebiete, in denen ein erhöhtes Risiko besteht, sich mit Hantaviren zu infizieren, liegen insbesondere in Baden-Württemberg und Bayern (weitere Informationen siehe http://www.rki.de).


 

Quelle: Robert Koch-Institut, 17.09.2012 (tB).

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