Erster Kontakt mit der Roboter-Robbe PARO: Studierende der Assistiven Technologien arbeiten anwendungsorientiert. Photo: Foto: Piet MeyerRoboter-Robbe therapiert Demenzkranke

 

Studierende der Jade Hochschule untersuchen die Anwendung assistiver Technologien

 

Oldenburg (5. Mai 2011) – Frau Kuhn hat nicht mehr gesprochen seit sie im Altenheim wohnt. Sie leidet an Demenz. Als eine Pflegerin ihr PARO in die Arme legt, spricht sie plötzlich: „Hallo, wer bist denn du?“. PARO ist ein einem Robbenbaby nachempfundener Roboter und das neueste Forschungs- und Lernobjekt von Studierenden des Studiengangs Assistive Technologien der Jade Hochschule. Neben der Programmierung von assistiven Technologien steht für sie jetzt auch deren Anwendung auf dem Stundenplan. Der Frage, wie intelligente Geräte auf Menschen wirken, gehen die Studierenden von nun an mit Unterstützung der therapeutischen Robbe PARO nach. „Selbst gut geschulte Pflegekräfte finden gelegentlich keine Möglichkeit, zu ihren demenziell veränderten Patienten in Kontakt zu treten und ihre Bedürfnisse zu erfahren“, sagt Dr. Frank Wallhoff, Professor für assistive Technologien an der Jade Hochschule.

 

„Die Roboter-Robbe PARO erreicht die Menschen auf der emotionalen Ebene – und wirkt oftmals als Türöffner.“ Untersuchungen würden zeigen, dass der Einsatz der von Takanori Shibata in Japan entwickelten Robbe ähnlich wünschenswerte Effekte wie eine tiergestützte Arbeit bewirken kann. Denn trotz des Wissens um diese Effekte sind Tierbesuche in vielen Pflegeeinrichtungen nicht möglich. PARO, der u.a. im Seniorenpflegeheim „Haus O’land“ in Bremen bereits seit Oktober 2010 erfolgreich eingesetzt wird, zeichnet sich zudem durch eine hohe Verfügbarkeit, einen flexiblen und spontanen Einsatz und seine Schmerzunempfindlichkeit aus. Der interaktive Robbenroboter reagiert auf Licht, Stimmen und Berührungen. „Streicheln Sie PARO, wird er freudig rufen und sich bewegen, schlagen Sie ihn, wird er wütend. Ihre Aktionen mit PARO prägen sein Verhalten“, erklärt Wallhoff seinen Studierenden, die die 5400 Euro teure Robbe vorsichtig kraulen. Unter dem kuscheligen Fell ist jede Menge Technik versteckt. Zwei 32-bit RISC Prozessoren steuern die Berührungs- und Lichtsensoren, Aktuatoren und Mikrophone und sorgen so für eine realistische Interaktion der Roboterrobbe mit dem Anwender.

 

„Wir haben heute differenzierte Anforderungen an die Technik“, sagt Prof Dr. Frank Wallhoff, „sie soll bedienbar sein, fehlertolerant und die Komplexität der Geräte darf nicht in Form von zu vielen Knöpfen sichtbar werden – Ziel des Studiengangs Assistive Technologien ist es, den Studierenden interdisziplinäre Ansätze zu vermitteln, wie sie diese Anforderungen in Produkte umsetzen können.“ Dabei steht sowohl die technische als auch die anwendungsbezogene Seite der Produkte im Fokus. „Unsere Studierenden bauen nicht nur irgendwelche elektrischen Schaltungen. Sie arbeiten praxis- und anwendungsorientiert. Sie werden Technologieausstatter, die den Alltag ihrer Kunden kennen.“ Kunden seien in diesem Fall einerseits die älteren Leute, aber indirekt auch die Pflegerinnen und Pfleger, die mit der Technik arbeiten und letztlich die Krankenkassen, die die Geräte beschaffen. „Das Ziel unseres Studiengangs ist es, den Menschen zu unterstützen, deswegen assistive Technologien. Aufgrund des demografischen Wandels werden wir in 50 Jahren solche Technologien brauchen, um die Lücken zu schließen, die wir in der Versorgung haben werden, und um die Pflege weiter aufrecht zu erhalten. Aber neue Technologien sollen immer im Sinne des Menschen sein.“ Dieser Grundsatz gilt auch für die Forschung und das Programmieren. Ein zweiter Roboter, der Menschen vom Erscheinungsbild nachempfundene Humanoide NAO, muss erst noch programmiert werden. „Was prinzipiell denkbar ist, ist auch programmierbar, z.B. eine Spracherkennung, Gesichtserkennung, Geräuschlokalisation, Greiffunktion. NAO könnte dann beispielsweise bei älteren Leuten in der Wohnung nach dem Rechten sehen oder als Teletrainer Bewegungsabläufe von Sportlern oder Patienten optimieren.“ In den höheren Semestern können Studierende hier kreativ werden.

 

22 Studierende werden zum Wintersemester für den 7-semestrigen Bachelor- Studiengang Assistive Technologien aufgenommen. Die Bewerbung ist noch bis zum 15. Juli möglich.

 

 


Quelle: Jade Hochschule – Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth, 05.05.2011 (tB)

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