San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2006

Paradigmenwechsel in der endokrinen Therapie:

 

Arimidex® neuer adjuvanter Goldstandard, Faslodex® schließt Lücke in der Palliation

 

Berlin (17. Januar 2007) – Fünf Jahre nach der Präsentation der ersten Analyse der ATAC-Studie mit Anastrozol (Arimidex®) wurden auf dem 29. San Antonio Breast Cancer Symposium neue Daten vorgestellt, die das positive Nutzen/Risiko-Profil des Aromatasehemmers weiter untermauern. Anastrozol gilt aufgrund der breiten Datenbasis als bestuntersuchte Substanz seiner Klasse und ist weltweit inzwischen in einigen Ländern zu einem neuen Goldstandard in der adjuvanten Antihormontherapie bei postmenopausalen Frauen geworden. Auch auf dem Gebiet der palliativen Therapie gab es Neues zu vermelden: Mit dem modernen Östrogenrezeptorantagonisten Fulvestrant (Faslodex®) lässt sich die therapeutische Lücke, die mit der Etablierung der Aromatsehemmer in frühen Krankheitsstadien einhergeht, effektiv schließen. Das zeigen die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der EFECT-Studie (Evaluation of Faslodex vs. Exemestan Clinical Trial).

 

Der Aromatasehemmer Anastrozol stand in San Antonio wieder im Blickpunkt des Interesses: Eine weitere Auswertung der ATAC-Studie (Arimidex Tamoxifen alone or in Combination) zeigte, dass unter Anastrozol signifikant weniger thromboembolische Ereignisse auftraten als unter Tamoxifen (‑39 %, p=0,0001) [1]. Auch das Endometrium-Subprotokoll der ATAC-Studie wurde beim SABCS präsentiert: Unter Anastrozol sind weniger Endometriumveränderungen zu beobachten als unter der Therapie mit Tamoxifen (27 % vs. 44 %) [2]. Die gute Verträglichkeit der Therapie mit dem Aromatasehemmer, der derzeit als einziger seiner Klasse über 5-Jahresdaten zu Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit verfügt, konnte somit wieder unter Beweis gestellt werden. „Die solide Datenbasis von Arimidex® stärkt das Vertrauen von Ärzten und Patientinnen in die Therapieentscheidung", sagte Bernd Friedrich, Mitglied der Geschäftsleitung von AstraZeneca.

 

Erneut vorgestellt wurden auch die Daten der TanDEM-Studie zur Wirksamkeit der Kombination von Anastrozol und Trastuzumab in der palliativen Therapie des Mammakarzinoms. 207 Patientinnen mit HER2-überexprimierendem Brustkrebs wurden randomisiert: 103 erhielten die Kombination der Substanzen, 104 Anastrozol allein. Die Patientinnen im Kombinationsarm zeigten ein progressionsfreies Überleben von 4,8 Monaten (vs. 2,4 Monate unter Anastrozol allein). Ein klinischer Benefit wurde bei 42,7 % der Kombinationsgruppe (vs. 27,9 % unter Anastrozol allein) erreicht [3].

 

Die Vielfalt der vorgestellten Analysen vom San Antonio Breast Cancer Symposium 2006 bestätigen die Ergebnisse der vergangenen Jahre erneut, bauen die herausragende Datenlage für Anastrozol weiter aus und stärken die Position als bestuntersuchte Substanz ihrer Klasse. Weltweit ist Arimidex® der meistverordnete Aromatasehemmer. In den USA und in einigen europäischen Ländern hat Anastrozol den alten Standard Tamoxifen inzwischen als die am häufigsten eingesetzte antihormonelle Brustkrebstherapie bei postmenopausalen Frauen abgelöst und gilt als Goldstandard. Hierzulande werden hingegen noch lange nicht alle Patientinnen, die für diese Therapie in Frage kommen, auch mit einem Aromatasehemmer behandelt. Wie eine 2006 von der Firma AstraZeneca in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, liegt der Anteil derer, die von Beginn an (Upfront) die moderne Therapie erhalten, derzeit nur bei etwa 40 %. 60 % der Patientinnen beginnen ihre Antihormontherapie nach wie vor mit dem weniger wirksamen und schlechter verträglichen Tamoxifen. In den USA und Frankreich hingegen erhalten bereits über 80 % von Anfang an einen Aromatasehemmer [4].

 

EFECT: Erste Phase III Studie zur palliativen Therapie nach Aromatasehemmer‑Einsatz

Auch aus der palliativen Therapie gab es in San Antonio Neues zu vermelden: Nach einer Therapie mit einem nicht-steroidalen Aromatasehemmer steht mit Fulvestrant (Faslodex®) eine effektive weitere Option zur Verfügung ‑ bei sehr guter Verträglichkeit. Durch den vermehrten Einsatz der Aromatasehemmer in der adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms bei postmenopausalen Frauen ist eine therapeutische Lücke für die Frauen entstanden, die ein Rezidiv erleben oder progredient werden. In dieser therapeutischen Situation findet Fulvestrant seinen Platz, da es aufgrund seines Wirkmechanismus (komplette Blockade und Downregulation der Ostrogenrezeptoren) keine Kreuzresistenz gegenüber anderen endokrinen Therapien besitzt.

 

Die EFECT‑Studie ist mit fast 700 Teilnehmerinnen eine der größten Studien mit Patientinnen mit fortgeschrittenem hormonrezeptorpositivem Mammakarzinom. Darüber hinaus untersucht die Studie erstmals in einer randomisierten, doppelblinden Phase III-Studie den Einsatz weiterer antihormoneller Therapien nach Versagen eines nicht steroidalen Aromatasehemmers. Die Patientinnen wurden dem Arm mit Fulvestrant plus Exemestan-Placebo oder Exemestan plus Fulvestrant‑Placebo zugewiesen, wobei Fulvestrant initial als „loading dose" verabreicht wurde, um schnell einen hohen Wirkspiegel zu erreichen. In der in San Antonio vorgestellten Auswertung zeigte die Substanz eine gleich gute Effektivität wie der steroidale Aromatasehemmer. Die klinische Benfitrate lag bei 32,2 %: Ein sehr guter Wert für die teilweise bereits sehr stark vorbehandelten Patientinnen mit ungünstiger Prognose. Die Patientinnen profitierten erneut von einer längeren Ansprechdauer und der guten Verträglichkeit von Fulvestrant. Auch bei therapeutisch problematischen Patientinnen mit HER2-positiven Tumoren, viszeraler Metastasierung oder multiplen Vortherapien konnten Remissionen und lang anhaltende Stabilisierungen erreicht werden [5].

 

Die intramuskuläre Injektion von Fulvestrant zeigt sich als Vorteil: Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Patientinnen orale Therapien aus unterschiedlichen Gründen nicht konsequent durchführen und so den Therapieerfolg gefährden. Darüber hinaus begrüßt ein großer Teil der Patientinnen den sich durch die Fulvestrant-Behandlung ergebenden regelmäßigen Kontakt mit ihrem Arzt.

 

 

Quellen

  1. Cuzick J et al., A detailed analysis of the benefits of anastrozole over tamoxifen for venous thromboembolic events (VTEs) after 5 years’ treatment, SABCS 2006; Poster 104
  2. Duffy S et al., Anastrozole is associated with a lower risk of endometrial abnormalities than tamoxifen: first report of the ATAC trial endometrial sub‑protocol at 6 years’ follow‑up, SABCS 2006; Abstr. 4055
  3. Mackey JR et al., Trastuzumab prolongs progression‑free survival in hormone‑dependent and HER2‑positive metastatic breast cancer, SABCS 2006; Abstr. 3
  4. Synovate Healthcare Cancer Therapy Monitor Europa, MAT Aug 06; Breast Cancer Physician ATU
  5. Gradishar W et al., Fulvestrant versus exemestane following prior non‑steroidal aromatase inhibitor therapy: first results from EFECT, a randomized, phase III trial in postmenopausal women with advanced breast cancer, SABCS 2006; Abstr 12


Quelle: Pressekonferenz der Firma AstraZeneca zum Thema “San Antonio Breast Cancer Symposium 2006: Neues von der endokrinen Therapie des Mammakarzinoms” am 17.01.2007 in Berlin (Publicis Vital PR).

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