SATURN-Studie:

Erhaltungstherapie mit Erlotinib verlängert Gesamtüberleben bei fortgeschrittenem NSCLC

 

Grenzach-Wyhlen (13. August 2009) – Aktuelle Daten der SATURN-Studie bestätigen eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens durch die Erhaltungstherapie mit Erlotinib (Tarceva®) bei Patienten mit metastasiertem oder fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (non small cell lung cancer, NSCLC). Die neuen Studiendaten wurden auf der 13. World Conference on Lung Cancer (WCLC) vorgestellt. Dieser internationale Ärztekongress fand vom 31. Juli bis 4. August 2009 in San Francisco, USA statt.


 

Die Phase-III-Studie SATURN (SequentiAl Tarceva in UnResectable NSCLC) hat einen wichtigen sekundären Endpunkt erreicht: Der orale EGFR-Inhibitor Erlotinib verlängert das Gesamtüberleben (overall survival, OS) bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC signifikant, wenn er unmittelbar im Anschluss an die initiale platinhaltige Chemotherapie verabreicht wird. Die Studiendaten zeigen, dass die Erlotinib-Therapie die Überlebensrate um 23 % im Vergleich zu Patienten, die Placebo erhielten (HR = 0,81; p = 0.0088), steigern kann. Das mediane OS lag bei 12 Monaten im Erlotinib-Arm versus 11 Monaten im Placebo-Arm (1). Auch Patienten mit EGFRWildtyp wiesen eine signifikante Verlängerung des OS auf. Die Verbesserung der Gesamtüberlebensrate betrug in dieser Subgruppe 30 % (HR = 0,77, p = 0,0243; 11,3 Monate im Erlotinib-Arm versus 10,2 Monate im Placebo-Arm).

 

Erst wenige Wochen zuvor wurden die Ergebnisse der Datenauswertung zum primären Endpunkt der SATURN-Studie, Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS), auf dem ASCO-Kongress in Orlando vorgestellt: Das PFS konnte unter Erlotinib im Vergleich zu Placebo signifikant um 41 % verlängert werden. Das Progressionsrisiko bei allen Patienten (intent-totreat population) sank um 29 % (HR = 0,71, p < 0,0001). Bei den Patienten mit immunhistochemisch nachgewiesenen EGFRpositiven Tumoren (IHC-positiv) sank es sogar um 31 % (HR = 0,69, p < 0,0001).

 

Die Subgruppen-Analyse der Studie zeigte, dass alle Gruppen signifikant von Erlotinib profitieren. Die Wirkung des EGFRInhibitors war unabhängig von den klinischen Parametern Geschlecht, Raucherstatus oder Tumorhistologie und auch den molekularen Faktoren wie Immunhistochemie, FISH (fluorescence in situ hybridization) oder EGFR-Mutationsstatus. Die Erlotinib-Therapie verlängerte das PFS signifikant sowohl bei Patienten mit Plattenepithelkarzinomen (HR = 0,76, n = 359) als auch bei Patienten mit Adenokarzinomen (HR = 0,60, n = 401). Die in der SATURN-Studie beobachteten unerwünschten Wirkungen entsprachen denen, die bereits in vorherigen mit Erlotinib durchgeführten klinischen Studien verzeichnet wurden. Hinweise auf neue sicherheitsrelevante Erscheinungen gab es nicht. Die meisten Nebenwirkungen lagen bei Schweregrad 1/2. 60 % der Patienten in der Erlotinib-Gruppe entwickelten einen Hautausschlag (Rash). In der Placebo-Gruppe wurde diese Nebenwirkung bei 9 % der Patienten beobachtet. Bei 20 % der mit dem EGFR-Inhibitor behandelten Patienten trat Diarrhoe auf. In der Placebo-Gruppe waren davon 4 % betroffen.

 

Untersuchungen mit dem FACT-L-Fragebogen (FACT-L =Functional Assessment of Cancer Therapy – Lung questionnaire) ergaben, dass die Lebensqualität in beiden Gruppen nicht weiter beeinflusst wurde. Damit belegen die Studienergebnisse, dass der EGFR-Inhibitor gut verträglich ist.

 

FAZIT

Die Weiterbehandlung der Patienten mit Erlotinib unmittelbar nach der First-line-Chemotherapie ist ein neuer Behandlungsansatz beim fortgeschrittenen NSCLC. Bislang erhielten die Patienten in der palliativen Therapie vier bis sechs Zyklen einer platinhaltigen Chemotherapie. Sprachen sie auf diese Behandlung mit kompletter bzw. partieller Remission oder mit Krankheitsstabilisierung an, trat eine Therapiepause ein. Eine Folgetherapie fand erst bei einer klinisch oder radiologisch nachweisbaren Progression statt.

 

„Diese Studie hat jetzt nicht nur bestätigt, dass eine sofortige Weiterbehandlung mit Erlotinib nach der ersten Chemotherapie das Fortschreiten der Erkrankung verzögert. Vielmehr konnte auch gezeigt werden, dass die Patienten in der Studie länger überlebten, und das ist besonders wichtig“, so Studienleiter Prof. Federico Cappuzzo (MD, Instituto Clinico Humanitas IRCCS, Mailand, Italien). Die Studiendaten belegen erneut, dass alle Subgruppen signifikant von Erlotinib profitieren. Eine überdurchschnittliche Steigerung der Überlebensrate wurde bei Patienten mit EGFR-Wildtyp beobachtet. „Dies ist eine gute Nachricht sowohl für Ärzte als auch für deren Patienten. Denn der fortgeschrittene Lungenkrebs gehört zu den am schwierigsten zu behandelnden Krebsarten und die Lebenserwartung der Betroffenen ist häufig sehr kurz.“

 

Details zur SATURN-Studie

SATURN ist eine multizentrische, doppelblinde, randomisierte, prospektive Phase-III-Studie. Insgesamt wurden 1.949 chemotherapienaive Patienten mit fortgeschrittenem, rezidiviertem (Stadium IIIB) oder metastasiertem (Stadium IV) NSCLC mit vier Zyklen einer platinhaltigen Chemotherapie behandelt. 889 Patienten ohne Krankheitsprogression nach der Chemotherapie erhielten Erlotinib (150 mg/Tag, n = 438) oder Placebo (n = 451) bis zur Progression oder inakzeptablen Toxizität. Primäre Endpunkte waren das PFS bei allen Patienten sowie bei IHC-positiven Patienten. Zu den sekundären Endpunkten gehörten das OS, die Verträglichkeit, Biomarkeranalysen und die Lebensqualität.

 

 

Quellen

 

  1. Cappuzzo F et al., Abstract A.2.1, vorgestellt auf der 13. World Conference of Lung Cancer (WCLC) 2009, San Francicsco, USA.
  2. Cappuzzo F et al., Abstract 8001, vorgestellt auf der ASCOJahrestagung 2009, Orlando, USA

 


Quelle: Presseinformation der Firma Roche Pharma vom 13.08.2009 (medical relations) (tB).

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