MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Abb.: Bild: links: Durch ein Blutgerinnsel (Pfeil) wird ein großer Bereich des Gehirns von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten. Rechts: Wiedereröffnetes Gefäß nach Entfernen des Gerinnsels mittels Stent. Photo und Copyright: Universitätsklinikum FreiburgSchlaganfall-Therapie

Zeitfenster für neue Kathetertechnik oft größer als gedacht

 

Freiburg (22. März 2016) – Die Hirnschädigung nach einem Schlaganfall nimmt nicht zwangsläufig mit der Zeit zu. Das haben nun Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Freiburg gezeigt. Sie werteten Daten von Patienten aus, die eine bis sechs Stunden zuvor einen schweren Schlaganfall erlitten hatten. Wichtiger als die verstrichene Zeit war offensichtlich eher, wie gut die betroffenen Gehirnbereiche über kleinere Arterien mit Blut versorgt wurden. Das erklärt auch, weshalb mit einer mechanischen Entfernung des Blutgerinnsels bis zu sechs Stunden und im Einzelfall auch deutlich länger gute Behandlungserfolge erzielt werden. Die Studie erschien in der Februarausgabe der Fachzeitschrift Clinical Neuroradiology.

 

Die bisherige Formel ‚Time is brain‘ oder ‚je schneller, desto besser‘ gilt zwar in der Akutphase weiterhin, ist bei einer minimalinvasiven Behandlung aber nicht allein ausschlaggebend: „Bei einem Großteil der Betroffenen kann der Zustand bis zu zwölf Stunden konstant bleiben. In dieser Zeit ist es notfalls auch möglich, die Patienten in ein entsprechend ausgestattetes Zentrum zu verlegen, um den Schlaganfall minimalinvasiv zu behandeln“, sagt Prof. Dr. Horst Urbach, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Bei dem als Thrombektomie bezeichneten Verfahren wird ein Katheter in die Leistenarterie eingeführt und bis zum arteriellen Verschluss im Gehirn vorgeschoben. In den Katheter wird ein als Stent bezeichnetes Röhrchen eingebracht, das sich bei Rückzug des Katheters entfaltet und das Blutgerinnsel festklemmt. Anschließend werden Katheter, Stent und mit ihnen das Blutgerinnsel herausgezogen. „Für den Erfolg einer Thrombektomie ist weniger die verstrichene Zeit von Bedeutung, sondern vielmehr, wie die Blutzirkulation im Gehirn aussieht“, sagt Prof. Urbach. Anhand modernster bildgebender Verfahren können erfahrene Ärzte feststellen, wie hoch die Chancen für einen erfolgreichen Eingriff stehen.

Für ihre Studie werteten die Forscher Daten über Durchblutung und Aktivität des Gehirns von 155 Patienten aus, bei denen eine Hals- oder Hirnschlagader verstopft war und das Gehirn nur durch kleine Nebenarterien, sogenannte Kollateralen, mit etwas Blut versorgt wurde. „Bei diesen Patienten mit Verschlüssen der großen Hirnarterien konnten wir in den letzten Jahren dank Thrombektomie die Heilungschancen von 30 Prozent auf 60 Prozent im Vergleich zur medikamentösen Therapie verdoppeln“, sagt Prof. Urbach.

Das Universitätsklinikum Freiburg ist das einzige Klinikum in Südbaden, das auf Thrombektomien spezialisiert ist. Es ist als eines von wenigen Pilotzentren von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft zertifiziert. Partnerkliniken werden bei Bedarf telemedizinisch durch die Klinik für Neurologie und Neurophysiologie und die Klinik für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Freiburg unterstützt.


Original-Arbeit

Werbung

  • Facing the time window in acute ischemic stroke: the infarct core
    DOI: 10.1007/s00062-016-0501-8

 

Weitere Informationen

 

 

 

Abb.oben: Bild: links: Durch ein Blutgerinnsel (Pfeil) wird ein großer Bereich des Gehirns von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten. Rechts: Wiedereröffnetes Gefäß nach Entfernen des Gerinnsels mittels Stent. Photo und Copyright: Universitätsklinikum Freiburg

 

 


Quelle: Universitätsklinikum Freiburg, 22.03.2016 (tB).

MEDICAL NEWS

Monoclonal antibody therapy for COVID-19 safe, effective for transplant patients
Having trouble falling asleep predicts cognitive impairment in later life
SARS-CoV-2 detectable — though likely not transmissible — on hospital…
Waking just one hour earlier cuts depression risk by double…
Moving one step closer to personalized anesthesia

SCHMERZ PAINCARE

Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung
Risikobasiertes Brustkrebs-Screening kosteneffektiv
Krebs – eine unterschätzte finanzielle Herausforderung

MULTIPLE SKLEROSE

Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose
Patienteninformationen zu Interferon-beta-Präparaten
Zulassung des S1P Modulators Ponesimod zur Behandlung von erwachsenen Patienten…
Neue S2k-Leitlinie für Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose
Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose: Stellungnahme zu SARS CoV 2 Impfdaten…

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung