Schmerz effektiv behandeln

Neue Studienergebnisse bestätigen die verbesserte gastrointestinale Verträglichkeit von Tapentadol

 

Paris, Frankreich / Aachen (10. Juli 2008) – Die Ergebnisse von zwei klinischen Phase-III-Studien zu einer schnell freisetzenden (IR) Tablette mit dem Wirkstoff Tapentadol lassen auf eine signifikant verbesserte gastrointestinale Verträglichkeit (1), sowie auf ein verbessertes Sicherheitsprofil (2) gegenüber Oxycodon HCl IR schließen. Diese Daten wurden von dem forschenden Pharmaunternehmen Grünenthal beim diesjährigen Kongress der „European League against Rheumatism“ (EULAR, 11.-14. Juni 2008, Paris, Frankreich) vorgestellt.

 

In Europa leidet einer von fünf Erwachsenen an chronischen Schmerzen.(3) Um Schmerzen – insbesondere chronische Schmerzzustände – effektiv zu lindern, steigt der Gebrauch von starken Analgetika, wie Opioiden kontinuierlich an.(4) Allerdings ist eine beträchtliche Anzahl Patienten mit ihrer Schmerztherapie unzufrieden (5,6,7) und bricht diese entgegen ärztlicher Empfehlung ab.(8) Die wichtigsten Gründe für einen solchen Behandlungsabbruch sind gastrointestinale (GI) Nebenwirkungen: in den ersten Tagen meist Übelkeit und Erbrechen, im weiteren Verlauf der Behandlung treten oft Beeinträchtigungen durch Obstipation auf.(9) Mangelnde gastrointestinale Verträglichkeit ist einer der Hauptgründe für den Behandlungsabbruch von Patienten, die rezeptpflichtige Schmerzmittel einnehmen.

 

Tapentadol ist ein neues, zentralwirksames Analgetikum mit einem zweifachen Wirkmechanismus, der μ-Opioid-Rezeptor-Agonismus und Noradrenalin- Wiederaufnahme-Hemmung in einem einzigen Molekül kombiniert. Neue Ergebnisse von zwei Phase-III-Studien mit Tapentadol wurden auf dem EULAR-Kongress in Paris präsentiert.

 

Eine Studie bei Patienten mit fortgeschrittener degenerativer Arthrose am Hüft- oder Kniegelenk zeigte, dass eine Behandlung über fünf Tage mit 50 mg oder 75 mg Tapentadol IR eine wesentlich bessere Schmerzlinderung bewirkte als Placebo (P<0,001)1. Zusätzlich hatten die Patienten, die mit Tapentadol behandelt wurden, signifikant weniger GI Nebenwirkungen als Patienten, die mit 10 mg Oxycodon HCl IR behandelt wurden. Die mit 50 und 75 mg Tapentadol IR behandelten Patientengruppen zeigten dabei eine der 10 mg Oxycodon-Gruppe vergleichbare Schmerzlinderung.

 

Die häufigsten Nebenwirkungen in beiden Behandlungsgruppen waren Übelkeit, Schwindel und Erbrechen. Allerdings zeigten beide Dosierungen von Tapentadol im Vergleich zur Oxycodon IR-Gruppe ein bedeutend geringeres Auftreten von gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Obstipation. 26 % der mit Oxycodon behandelten Patienten hatten Obstipation, während bei den 50 und 75 mg Tapentadol IR-Gruppen nur 4 und 7 % der Patienten betroffen waren (P<0,001). Außerdem berichteten lediglich 18 % der Patienten der Tapentadol IR 50 mg-Gruppe und 21 % der Tapentadol IR 75 mg-Gruppe über Übelkeit – verglichen mit 41 % in der Oxycodon IR-Gruppe (P<0,001). Zudem gab es weniger Berichte über Erbrechen bei beiden Dosierungen Tapentadol IR, 50 und 75 mg: 7 bzw. 14 % gegenüber 34 % bei der Oxycodon IR-Gruppe (P<0,001). Während bei der Oxycodon IR 10 mg-Gruppe die Abbruchrate der Behandlung bei 29 % lag, beendeten nur 13 bzw. 18 % der Patienten unter Tapentadol IR 50 und 75 mg die Behandlung vor Ablauf der Studie.

 

Die zweite Studie, die auf dem EULAR-Kongress präsentiert wurde, zeigte das verbesserte Verträglichkeitsprofil von Tapentadol IR im Vergleich zu Oxycodon HCl IR: Zum ersten Mal wurden Daten über einen Behandlungszeitraum von 90 Tagen gesammelt.(2)

 

In dieser doppelblinden Phase-III-Studie – 4:1 randomisiert vs. Oxycodon IR – mit flexiblen Dosierungen wurde die Sicherheit von Tapentadol IR in Bezug auf die Behandlung von Schmerzen im unteren Rücken und Arthroseschmerzen in der Hüfte oder dem Knie untersucht. Die Behandlung bestand aus Tapentadol (50 oder 100 mg) in bedarfsorientierter, 4-6-stündlicher Dosierung bis zu 600 mg täglich, oder Oxycodon IR (10 oder 15 mg) bis zu 90 mg täglich. In den Effektivitäts- und Sicherheitsanalysen wurden insgesamt 679 Tapentadol IR-Patienten und 170 Oxycodon HCl IR-Patienten, mit einer durchschnittlichen Schmerzintensität von 7.0 bzw. 7.2, auf einer 11-Punkte-Skala berücksichtigt.(10)

 

Beide Behandlungsgruppen wiesen einen vergleichbaren analgetischen Effekt bei den angewendeten Dosierungen auf. Das Auftreten von Übelkeit, Erbrechen, die Kombination beider Symptome, sowie Obstibation, war in der Tapentadol IR-Gruppe dabei signifikant niedriger als in der Oxycodon IR-Gruppe (P<0,001 für alle Behandlungsvergleiche). Weitere signifikante Unterschiede (P<0,05) zwischen den Gruppen ergaben sich bezüglich des zeitlichen Einsetzens von Übelkeit, Erbrechen und Obstipation – diese traten in der Oxycodon HCl IR-Gruppe durchgängig früher auf.

 

Beide Studien zeigen sowohl die höhere Wirksamkeit von Tapentadol IR, als auch das signifikant verbesserte gastrointestinale Verträglichkeitsprofil im Vergleich zu Oxycodon IR.

 

Über Tapentadol

Tapentadol ist ein zentral wirksames Analgetikum der nächsten Generation mit zweifachem Wirkmechanismus, das derzeit zur Behandlung von starken Schmerzen entwickelt wird. Sein einzigartiges Profil mit zwei Wirkmechanismen kombiniert den μ-Opioid- Rezeptor-Agonismus und die Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmung in einem einzigen Molekül. Es zeigt eine Effektivität, die mit der von klassischen starken Opioiden wie Oxycodon und Morphin vergleichbar ist. Tapentadol besitzt ein verbessertes Verträglichkeitsprofil, besonders in Bezug auf gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Obstipation. Tapentadol wird zurzeit als schnell freisetzende Tablette zur Behandlung akuter Schmerzen, sowie als retardierte Form zur Behandlung chronischer Schmerzen entwickelt. Nach erfolgter Zulassung soll Tapentadol im stationären und niedergelassenen Bereich eingesetzt werden.

 

In den Vereinigten Staaten hat Grünenthals Entwicklungspartner Johnson & Johnson Pharmaceutical Research & Development, L. L. C. (J&JPRD) für Tapentadol IR Tabletten die Freigabe des neuen Arzneimittels (New Drug Application – NDA) bei der „U.S. Food and Drug Administration“ (FDA) beantragt. Grünenthal bereitet die Einreichung von Tapentadol IR bei den Zulassungsbehörden in Europa, Mexico und Südamerika vor.

 

Zwei Wirkmechanismen

Tapentadol kombiniert zwei Wirkmechanismen in einem einzigen Molekül – μ-Opioid-Rezeptor-Agonismus und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmung. μ-Rezeptor-Agonisten sind Substanzen, die an die μ-Opioid-Rezeptoren im zentralen Nervensystem binden. Dies verändert die sensorischen und emotionalen Aspekte des Schmerzes, hemmt die Übertragung von Schmerzen zum Rückenmark und beeinflusst Aktivitäten in Teilen des Gehirns, die für die Schmerzwahnehmung verantwortlich sind. Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer im zentralen Nervensystem steigern den Anteil an Noradrenalin im Gehirn, indem sie dessen Resorption in Nervenzellen verhindern. Diese Substanzen haben analgetische Eigenschaften.

 

Partner in der Entwicklung von Tapentadol

Tapentadol wurde von der Grünenthal-Forschung entdeckt und dort begann auch die Entwicklung des Wirkstoffes. Das Phase IIb- und III-Entwicklungsprogramm für Tapentadol bei akuten und chronischen Schmerzen wird von Grünenthal und J&JPRD gemeinschaftlich durchgeführt. Die Vermarktungsrechte an Tapentadol für die Vereinigten Staaten, Kanada und Japan hat Grünenthal an Ortho-McNeil-Janssen Pharmaceuticals, Inc., und J&JPRD vergeben. Grünenthal behält die Vermarktungsrechte für Europa und weitere Gebiete weltweit.

 

Referenzen

  1. Upmalis D, Okamoto A, Van Hove I, Stegmann J, Haeussler J. Efficacy and Tolerability Data Supporting the Use of Tapentadol Immediate Release for the Relief of Pain From End-Stage Joing Disease. Abstract AB0744, 9th Annual European Congress of Rheumatology (EULAR 2008), 11-14 June 2008, Paris, France.
  2. Oh C, Upmalis D, Okamoto A, Stegmann J. Flexible Use of Tapentadol Immediate Reelease for 90 Days for the Treatment of Low Back Pain and Osteoarthritis Pain: A Safety Study. Abstract FRI0335, 9th Annual European Congress of Rheumatology (EULAR 2008), 11-14 June 2008, Paris, France.
  3. Breivik H, Collett B, Ventafridda V, Cohen R, Gallacher D. Survey of chronic pain in Europe: prevalence, impact on daily life, and treatment. Eur J Pain. 2006;10:287-333.
  4. Rowbotham MC, Lindsey CD. How effective is long-term opioid therapy for chronic noncancer pain? Clin J Pain. 2007;23:300-2.
  5. McDermott AM, Toelle TR, Rowbotham DJ, Schaefer CP, Dukes EM. The burden of neuropathic pain: results from a cross-sectional survey. Eur J Pain. 2006;10:127-35.
  6. Eriksen J, Sjogren P, Bruera E, Ekholm O, Rasmussen NK. Critical issues on opioids in chronic non-cancer pain: an epidemiological study. Pain. 2006;125:172-.
  7. OPEN Minds. The white paper on opioids and pain: a pan-European challenge. 2005. Available from: http://www.openmindsonline.org/english/pdf/White_Paper.pdf [Last accessed 09 Apr 2008].
  8. Nicholson B. Responsible prescribing of opioids for the management of chronic pain. Drugs. 2003;63:17-32.
  9. Harris JD. Management of expected and unexpected opioid-related side effects. Clin J Pain 2008; 24: S8-S13.
  10. Oh C., Upmalis D., Okamoto A., Stegmann J. Tapentadol Immediate Release for 90 Days for the Treatment of Low Back Pain and Osteoarthritis Pain: A Safety Study. Johnson & Johnson Pharmaceutical Research & Development, L.L.C., Raritan, NJ, USA; Research and Development, Grünenthal GmbH, Aachen, Germany. Poster presented at the 9th Annual European Congress of Rheumatology (EULAR 2008), 11-14 June 2008, Paris, France.


Quelle: Pressemitteilung der Firma Grünenthal vom 10.07.2008 (tB).

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…
Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern
Toujeo®: Ein Beitrag zu mehr Sicherheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes
Diabeloops Ziel: Baldige Marktpräsenz mit ​individuellen Lösungen zum Diabetes-Management für​ verschiedene…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können
Onkologische Pflegekräfte entwickeln Hörspiel für Kinder: Abenteuer mit Alfons
Krebsüberleben hängt von der Adresse ab

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
Empfehlung zur Corona-Impfung bei Multipler Sklerose (MS)
Fallstudie: Beeinflusst SARS-CoV-2 Infektion die Multiple Sklerose?

PARKINSON

Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit
Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…