Sativex® als effektive Therapieoption bei chronischen Schmerzen

Reinbek (1. April 2019) – Seit Inkrafttreten des „Gesetzes zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ im März 2017 können auch Patienten mit chronischen Schmerzen, für die andere Therapieoptionen nicht erfolgreich waren, von der zusätzlichen Behandlung mit Sativex® (Nabiximols) profitieren. Das Oromukosalspray enthält in einem definierten Verhältnis die Cannabinoide Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD).1 „Für das Fertigarzneimittel Sativex® liegen umfangreiche Daten sowohl aus qualitativ hochwertigen, kontrollierten Studien als auch aus dem Versorgungsalltag vor, die dessen Einsatz vor allem zur Behandlung neuropathischer Schmerzen sinnvoll erscheinen lassen“, verdeutlichte PD Dr. med. Michael Überall (Nürnberg) bei einem Symposium von Almirall, das im Rahmen des 30. Deutschen Schmerz- und Palliativtages 2019 stattfand.


„Obwohl schon lange bekannt war, dass Cannabis eine Wirkung auf Schmerzen haben kann, wurde erst vor etwa 20 Jahren nachgewiesen, dass die Analgesie mit einer Aktivierung der Cannabinoidrezeptoren zusammenhängt“, so Prof. Dr. Beat Lutz (Mainz). Das Cannabinoid THC aktiviert die CB1-/CB2-Rezeptoren, während CBD das Endocannabinoidsystem im ZNS modulieren kann. Bemerkenswerterweise bewirkt dies, dass CBD die psychostimulierende Wirkung von THC antagonisiert.2 Nach den Worten von Lutz kann CBD zudem dazu beitragen, das „Schmerzgedächtnis“ auszulöschen, was sich dann günstig bei der Therapie chronischer neuropathischer Schmerzen auswirkt.

Diese Mechanismen erklären unter anderem die klinische Wirksamkeit des THC:CBD-Oromukosalsprays Sativex® vor allem auf neuropathische Schmerzen. In diesem Kontext verwies Überall auf Daten aus dem Versorgungsalltag („Real-World-Daten“), die aus dem von der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. unterstützten PraxisRegister Schmerz stammen.3,4 Das Register umfasste zum Auswertungszeitpunkt 1.224 Patienten mit schwer zu therapierenden Schmerzen, die mit Cannabinoiden behandelt wurden. Davon erhielten 800 Patienten (65,4 %) als Zusatztherapie das THC:CBD-Oromukosalspray. Die Patienten litten vorwiegend unter chronischen, dysfunktionalen, meist neuropathischen (62,5 %) bzw. gemischten (30,8 %) Schmerzen.

Signifikante Verbesserungen unter der Add-on-Behandlung mit Sativex® zeigten sich bei der Schmerzintensität, bei schmerzbedingten Alltagsbeeinträchtigungen, der körperlichen/seelischen Lebensqualität, dem allgemeinen Wohlbefinden, Depressivität, Angst und Stress (alle p < 0,001). Darüber hinaus veränderte sich die klinische Schmerztypologie: Der Anteil an Patienten mit neuropathischen Kardinalphänomenen verringerte sich von 62,5 % auf 24,1 %.3,4 Bei der Gesamtbeurteilung aus Sicht der Patienten berichteten 76 % derjenigen mit neuropathischen Schmerzen über eine erhebliche Besserung.3,4 Für eine erfolgreiche Behandlung mit dem THC:CBD-Oromukosalspray sei es daher sinnvoll, die Patienten anhand ihres Schmerzphänotyps zu identifizieren, so Überall: „Die Daten zeigen deutlich, dass die Response beim Patienten umso höher ausfällt, je stärker die neuropathische Komponente das Schmerzsyndrom dominiert.“

Ein weiterer praxisrelevanter Vorteil der Add-on-Therapie mit Sativex® liegt in der Verringerung des Bedarfs an anderen Schmerzmedikamenten: Unter der Gabe des THC:CBD-Oromukosalsprays reduzierten 35,6 % der Patienten ihre Dauermedikation. Noch höher ist der Rückgang bei der Bedarfsmedikation – diese konnte bei 47,9 % der Patienten verringert werden.3,4 „Diese Real-World-Daten belegen also die Behandlungserfolge mit dem THC:CBD-Oromukosalspray bei chronischen, anderweitig therapierefraktären Schmerzen“, zog Überall ein positives Fazit.



Über Sativex®

Sativex® ist ein Endocannabinoid-Modulator bestehend aus zwei Wirkstoffen: THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). Entwickelt wurde das Fertigarzneimittel von GW Pharmaceuticals (Großbritannien) und wird auch dort hergestellt. Almirall besitzt die Lizenzrechte in Europa (außer Großbritannien und Russland). Sativex® (THC/CBD) ist als Add-on-Therapeutikum für Patienten mit mittlerer bis schwerer MS-induzierter Spastik indiziert, wenn durch die bisherigen Therapieoptionen keine Besserung der Symptomatik erzielt werden kann.1,5

Die in Sativex® enthaltenen aktiven Wirkstoffe werden als Cannabinoide bezeichnet. Sie stammen aus der Pflanze Cannabis Sativa, die hierfür unter streng kontrollierten Bedingungen angepflanzt und verarbeitet wird. Cannabinoide reagieren mit körpereigenen Cannabinoid-Rezeptoren unter anderem im zentralen Nervensystem.2,6,7


Über Almirall

Almirall ist ein weltweit agierendes Unternehmen mit Sitz in Barcelona, Spanien, das hochwertige Arzneimittel aus eigener Forschung und Entwicklung sowie durch Kooperationen und Partnerschaften zur Verfügung stellt. Der strategische Fokus liegt im Bereich der Hautgesundheit.

Das 1943 gegründete Unternehmen wird heute an der spanischen Börse (Ticker: ALM) gehandelt und erwirtschaftete im Jahr 2018 einen Gesamtumsatz von 811 Millionen Euro. Almirall beschäftigt mehr als 1.800 Mitarbeiter in Europa und den USA. Durch seine Vision und die Verbundenheit seiner langjährigen Hauptaktionäre leistet Almirall einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft, entsprechend seiner Verpflichtung und seiner Entscheidung, anderen zu helfen, ihre Herausforderungen zu verstehen und die Wissenschaft zu nutzen, um ihnen Lösungen zu bieten, wo sie gebraucht werden.

 

Poster PraxisRegister Schmerz2



Literatur

  1. Fachinformation Sativex® (März 2015).
  2. Pérez J. Combined cannabinoid therapy via an oromucosal spray. Drugs of Today 2006;42:495–501.
  3. Überall MA, Essner U. THC:CBD Oromukosalspray – Wirksamkeit & Verträglichkeit in der Schmerzmedizin. Ergebnisse einer Längsschnittanalyse von Bestandsdaten des PraxisRegister Schmerz.
  4. Überall MA, Müller-Schwefe GHH. Wirkung und Verträglichkeit von Cannabis bei chronischen Schmerzen. Real-World-Daten des PraxisRegister Schmerz. Schmerzmedizin 2019;35(2):42–50.
  5. DGN/KKNMS S2e-Leitlinie zur Diagnose und Therapie der MS (Onlineversion, Stand 29.9.2017), https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/030-050l_S2e_Multiple_Sklerose_Diagnostik_Therapie_2014-08_verlaengert.pdf
  6. Pertwee RG. Cannabinoid pharmacology: the first 66 years. Br J Pharmacol 2006;147(suppl 1):163–171.
  7. Russo E, Guy GW. A tale of two cannabinoids: the therapeutic rationale for combining tetrahydrocannabinol and cannabidiol. Med Hypotheses 2006;66(2):234–246. 





Quelle: Almirall-Lunchsymposium „Cannabis als Medizin – Evidenz oder Eminenz?“ im Rahmen des 30. Deutschen Schmerz- und Palliativtages, 07.03.2019, Frankfurt am Main. Veranstalter: Almirall (tB).