LANCET: Schuppenflechte-Medikament mildert Multiple-Sklerose-Schübe

Fumarsäure: Hoffnung auf verträgliches Medikament

Bochum (28. Oktober 2008) – Ein zehntausendfach erprobtes Medikament, das standardmäßig gegen Schuppenflechte eingesetzt wird, ist auch wirksam bei Multipler Sklerose (MS). Das ergab eine Studie an 257 MS-Patienten, die unter Leitung von Prof. Dr. Ralf Gold (RUB-Neurologie St. Josef Hospital) und seinem Basler Kollegen Prof. Dr. Ludwig Kappos durchgeführt wurde. Der Wirkstoff Fumarsäure beeinflusst das Immunsystem so, dass bei MS-Patienten über 70 Prozent weniger neue Entzündungsherde im Gehirn und etwa ein Drittel weniger Schübe auftraten. Darüber berichten die Forscher im Journal "The Lancet". Demnächst starten dazu zwei weltweite klinische Studien mit über 2.000 Patienten.

Hautärzte gaben den entscheidenden Tipp
Die Fumarsäure, von einem selbst an Schuppenflechte (Psoriasis) erkrankten Biochemiker durch Selbstbehandlung in die Therapie der Psoriasis eingeführt, ist bis heute die meist verwendete Therapie bei schwerer Schuppenflechte in Deutschland. Die Schuppenflechte ist wie die Multiple Sklerose eine Autoimmunkrankheit, bei der sich die Immunabwehr gegen körpereigene Zellen richtet. Bei MS wird so die "Isolierschicht" der Nervenzellen zerstört. Die Fumarsäure beeinflusst das Immunsystem bei Schuppenflechte positiv – eine Tatsache, auf die der Direktor der Bochumer Universitätshautklinik, Prof. Dr. Peter Altmeyer, zu Beginn des Jahrzehnts seinen Kollegen Prof. Dr. Horst Przuntek, damals Direktor der Neurologischen Klinik der RUB am St. Josef-Hospital, hinwies. In Bochum startete Dr. Sebastian Schimrigk danach eine erste kleine Studie mit zehn in der RUB-Klinik behandelten MS-Patienten.

Hochaktive Substanz
Unabhängig davon begann zeitgleich Prof. Dr. Ralf Gold, damals noch beschäftigt am MS-Institut in Göttingen, mit Untersuchungen zur Fumarsäure-Wirkung am Tiermodell. Sowohl die kleine Anwendungsbeobachtung bei Patienten in Bochum als auch die tierexperimentellen Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Fumarsäure eine hochaktive Substanz zur Behandlung der schubförmigen MS sein könnte.

Neuer Wirkmechanismus
Neueste Ergebnisse von Dr. Ralf Linker aus der RUB-Neurologie sprechen nun dafür, dass Fumarsäure über einen zellulären Transkriptionsfaktor Nrf2 Nervenzellen schützt – ein neuer Wirkmechanismus. "Damit wäre diese Substanz eine der ersten, die bei der Therapie der Multiplen Sklerose so genannte Neuroprotektion vermittelt", so Prof. Gold. "Auch würde sie sich optimal für eine Kombinationsbehandlung zum Beispiel mit Interferonen eignen, weil sie die Wirkungen gegenseitig ergänzen." Die Bochumer Neurologen hoffen, dass die nun beginnenden Therapiestudien sowie die experimentellen Daten die Therapie der MS weiter verbessern werden. "Besonderer Dank gebührt dabei den Dermatologen!", unterstreicht Prof. Gold. 

Titelaufnahme
Ludwig Kappos, Ralf Gold, David H Miller, David G MacManus, Eva Havrdova, Volker Limmroth, Chris H Polman, Klaus Schmierer, Tarek A Yousry, Minhua Yang, Mefk ûre Eraksoy, Eva Meluzinova, Ivan Rektor, Katherine T Dawson, Alfred W Sandrock, Gilmore N O’Neill, for the BG-12 Phase IIb Study Investigators: Efficacy and safety of oral fumarate in patients with relapsing-remitting multiple sclerosis: a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled phase IIb study. In: Lancet 2008; 372: 1463-72


Quelle: Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum vom 28.10.2008.

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung