Sehstörungen als Risiko im Straßenverkehr

Ausfälle des Gesichtsfeldes bleiben häufig unbemerkt

 

München (15. Juli 2008) – Schlaganfälle, Verletzungen oder auch Tumoren im Gehirn können auch das Sehen beeinträchtigen: Betroffene nehmen bestimmte Bereiche ihres Gesichtsfeldes nicht mehr wahr. Häufig bemerken sie die Sehstörungen jedoch gar nicht. Sie gefährden deshalb sich und andere – zum Beispiel im Straßenverkehr, warnt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) anlässlich einer aktuellen Studie. Die Fach-esellschaft empfiehlt für diese Menschen augenärztliche Untersuchungen.

 

Wissenschaftler der Universität Lübeck untersuchten 15 Personen mit Ausfällen im Gesichtsfeld. Einigen Patienten fehlte ein Viertel oder sogar die Hälfte des normalen Sehfeldes. Dennoch fühlten sich die Betroffenen im Alltag nicht beeinträchtigt. Blinde Menschen sind mitunter kontaktschwach oder ziehen sich zurück, so die Autoren. Dies sei bei den Patienten mit Gesichtsfeldausfällen jedoch nicht feststellbar. Erst in einem speziellen Fragebogen zu Sehstörungen gaben die Betroffenen leichte Einschränkungen im Sozialleben und Probleme beim Autofahren an. Diese beeinträchtigten jedoch angeblich nicht ihr allgemeines Befinden.

Die Ergebnisse bestätigen die Erfahrungen von Augenärzten: „Solange der Bereich des schärfsten Sehens nicht betroffen ist, werden auch größere Gesichtsfeldausfälle oftmals nicht als Beeinträchtigung empfunden“, erläutert Professor Dr. med. Frank G. Holz, Präsident der DOG. Dies sei vergleichbar mit dem bei jedem Gesunden vorhandenen blinden Fleck: Dort, wo der Sehnerv aus dem Auge austritt, stellt die Netzhaut kein Bild dar. Menschen mit Gesichtsfeldausfällen nehmen diese ebenfalls nicht als schwarz oder störend wahr. „Die Betroffenen haben oft gar nicht das Gefühl, dass ihnen etwas fehlt”, erläutert der Experte von der Universitäts-Augenklinik in Bonn. Selbst der Ausfall des halben Gesichtsfeldes, die Hemianopsie, werde mitunter noch als normal empfunden. „Viele Patienten wundern sich lediglich darüber, dass sie sich häufiger an Türen stoßen oder mit anderen Personen kollidieren“, berichtet Professor Holz. Einigen fällt es auch schwer, beim Lesen den Anfang der nächsten Zeile zu finden.

 

Zur Gefahr werden Ausfälle im Umfeldsehen und insbesondere die Halbseitenblindheit im Straßenverkehr. Autofahren ist Menschen mit größeren Gesichtsfeldausfällen verboten. Da viele Betroffene sich ihrer Beeinträchtigung jedoch gar nicht bewusst sind, führen in Deutschland nach Schätzungen der DOG mehrere Tausend Menschen mit solchen Ausfällen einen PKW. Die DOG empfiehlt deshalb dringend, dass hirngeschädigte oder -verletzte Menschen sich nach der Genesung auch augenärztlich untersuchen lassen, bevor sie ihren Alltag wieder aufnehmen. Gesichtsfeldausfälle lassen sich nur mittels einer gezielten augenärztlichen Untersuchung feststellen.

 

Quelle

S. Jobke, E. Kasten, B. A. Sabel: Zeigen Patienten aufgrund ihres Gesichtsfeldausfalls Veränderungen in ihrer Persönlichkeit? Eine Untersuchung mittels FPI-R und NEI-VFQ. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2008; 225: 570-576

 


DOG

 

Die DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fach­gesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 5.400 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschatliche Fachgesellschaft der Welt.


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) vom 15. Juli 2008 (tB).

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