Abb.: Basis für die einmal tägliche Gabe von Mezavant® ist die Multi-Matrix-Technologie (MMX®), die eine verlängerte Wirkstofffreisetzung möglich macht. Die äußerste Schicht einer Retardtablette besteht aus einem magensaftresistenten Polymerüberzug, der sich ab einem pH-Wert von 7 auflöst. Eine hydrophile Matrix bildet nach dem Eindringen von Wasser eine viskose Gelmasse. Eingelagert in diese hydrophile Matrix ist eine lipophile Matrix, die eine hydrophobe Umgebung erzeugt. Photo: ShireShire Experten Round Table

Colitis ulcerosa: die hohe Kunst der Therapie – individuell und patientengerecht

 

Frankfurt am Main (13. Oktober 2015) – Colitis ulcerosa ist eine in Schüben verlaufende chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit unterschiedlichen Erscheinungs- und Verlaufsformen. Sie erfordert eine möglichst individuelle Herangehensweise und konsequente Mitwirkung des Patienten. „Deshalb stellt die Therapieadhärenz, insbesondere in Phasen der Remission, den Schlüssel für den Behandlungserfolg dar“, erklärte Professor Dr. Stefan Schreiber, Kiel, bei einem Experten Round Table von Shire in Frankfurt. Gute Voraussetzungen für die Therapietreue bietet die einmal tägliche orale Einnahme von MMX®-Mesalazin (Mezavant®): Neben der guten Datenlage zur Remissionserzielung und -aufrechterhaltung konnte ebenfalls die Normalisierung der Lebensqualität bei einer gleichzeitig hohen Therapieadhärenz der Patienten erreicht werden.1,2,3,4,5 Neben medikamentösen Therapien spielen auch die richtige Diagnostik sowie Unterstützungsangebote bei der Bewältigung der Erkrankung im Alltag eine Rolle. Über die wichtigen Stellschrauben für eine patientengerechte Versorgung in der Zukunft diskutierten Experten in Frankfurt.


Warum Menschen eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) wie Colitis ulcerosa (CU) entwickeln, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Gleichzeitig sind die Erscheinungs- und Verlaufsformen so unterschiedlich, dass Colitis ulcerosa auch als „Erkrankung mit 1.000 Gesichtern“ bezeichnet wird. Schmerzhafte abdominale Krämpfe, blutige Diarrhoen mit hoher Dringlichkeit und Mangelernährung sind die typischen Symptome. Die meisten Menschen trifft die Diagnose mitten in ihrer aktiven Lebensplanung, die Erkrankungsspitze liegt um das 20. Lebensjahr. Die Prävalenz wird in Deutschland auf 238 pro 100.000 Einwohner geschätzt.6

 

Wie sehr die chronische, in Schüben verlaufende Entzündung der Dickdarmschleimhaut die Menschen aus der Bahn wirft und ihre Lebensqualität beeinträchtigt, wird vielfach unterschätzt. „Viele Patienten fühlen sich in ihrem Alltag hochgradig eingeschränkt, während ihre Ärzte und Krankenschwestern die Schwere der Erkrankung häufig unterschätzen“, erklärte Schreiber. Die von ihm beschriebene Diskrepanz zwischen Arzt und Patient belegt eine strukturierte, internetbasierte Befragung von CU-Patienten sowie Ärzten und Krankenschwestern in fünf Ländern Europas und Kanada. Die Ergebnisse zeigten insbesondere bei der Einschätzung der Krankheitsschwere deutliche Unterschiede: Als „mild“ stuften die Ärzte 52 Prozent der Krankheitsverläufe ein, in der Selbsteinschätzung der Patienten lag die Rate lediglich bei 32 Prozent.7 Für viele Betroffene sind selbst kleinere Schübe, leichte Bauchschmerzen oder die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit keineswegs eine Bagatelle, sondern können die Lebensqualität erheblich senken.

 

 

Konsequent und individuell behandeln

 

Den „Schlüssel zum Behandlungserfolg“ sieht Schreiber in der konsequenten Medikation, da eine unzureichende Behandlung der Colitis ulcerosa ihre Progredienz fördere. Besonders kritisch sind vor diesem Hintergrund die Phasen der inaktiven CU, also wenn es den Patienten besser geht. Dann nehmen sie im Mittel höchstens 71 Prozent der verschriebenen Dosen ein.8 Dabei erhöht Nicht-Adhärenz das Risiko für einen erneuten Krankheitsschub um das Fünffache.9 Deshalb gilt es, die Patienten insbesondere in den Remissionsphasen zur Therapietreue zu motivieren und eine geeignete Therapie auszuwählen. „Mesalazine sind eine sehr potente Behandlungsoption, sowohl im akuten Schub wie auch in der Erhaltungsphase und im späteren Verlauf auch in Kombination aufgrund ihrer antientzündlichen und auch antikarzinogenen Wirkung. Es lohnt sich, auch längerfristig auf diese Therapie zu setzen und die Patienten zu motivieren, diese konsequent durchzuführen“, betonte Schreiber. Die Chancen für eine höhere Therapietreue steigen mit einem unkomplizierten und einfachen Einnahmeregime.10

 

 

Mezavant®: Vorreiter der einmal täglichen oralen Mesalazin-Einnahme

 

Schreiber sieht in einer einmal täglichen Mesalazin-Einnahme den Therapiestandard in der Behandlung von CU-Patienten. So bietet das einmal täglich oral zu verabreichende Mezavant® eine hohe Flexibilität und kann somit zu einer guten Therapieadhärenz und hoher Patientenzufriedenheit beitragen. Ermöglicht wird die 1x tägliche Gabe durch die innovative Multi-Matrix-Technologie (MMX®), die eine verlängerte, pH-abhängige Wirkstofffreisetzung gewährleistet. Auf diese Weise wird ein Großteil des Wirkstoffs erst in den unteren Darmabschnitten freigesetzt, also genau dort, wo er gebraucht wird.11,12 „Die MMX®-Technologie war ein Quantensprung in der Behandlung von Patienten mit Colitis ulcerosa und Vorreiter für die Entwicklung weiterer Optionen zur oralen Einmalgabe“, hob Schreiber hervor.

 

 

Patienten den Therapieerfolg spüren lassen

 

Wie sehr die gesundheitsbezogene Lebensqualität von CU-Patienten durch die MMX®-Mesalazin-Therapie beeinflusst werden kann, untersuchte eine Studie bei Patienten während eines akuten Schubes sowie in Remission. Während der Akutphase und in Remission wurde die Lebensqualität von 132 bzw. 206 Patienten unter Mezavant® (2,4-4,8 g bzw. 2,4 g) anhand des SF-12v2-Fragebogens zur Lebensqualität ermittelt. Unter Behandlung mit Mezavant® konnte die Lebensqualität normalisiert und dadurch der Therapieerfolg für die Patienten spürbar gemacht werden. Auch in allen ermittelten Untergruppen wie soziale Integration, Vitalität und Schmerz verbesserten sich die Werte auf das Niveau der gesunden Vergleichsgruppe. Die Verbesserung galt gleichermaßen für die Akut- wie für die Erhaltungstherapie.5

 

 

Mukosale Heilung als Therapieerfolg

 

Mit der Erkrankungsdauer und Ausdehnung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung steigt das Risiko für ein kolorektales Karzinom oder eine Kolorektomie.6 „Deshalb ist aus ärztlicher Sicht die mukosale Heilung ein neues Therapieziel, also das endoskopische und histologische Verschwinden von entzündlichen Veränderungen“, erklärte Professor Dr. Ralf Kiesslich, Wiesbaden. Neue diagnostische Möglichkeiten erlauben eine bessere Verlaufskontrolle und -prognose und unterstützen somit die individuellere Therapiestratifizierung. Basierend auf einer Mesalazin-Therapie wird zumeist einmal jährlich eine Überwachungskoloskopie mit Stufenbiopsien, also vier Biopsien alle 10 cm, durchgeführt. Inzwischen gilt die Chromoendoskopie mit Methylenblau als Methode der Wahl. Das Verfahren wird mittlerweile in internationalen Leitlinien13 empfohlen. Die Farbendoskopie ist nur geringfügig aufwendiger als die herkömmliche Weißlichtendoskopie. Doch lassen sich intraepitheliale Neoplasien mittels gezielter Biopsien aus auffälligen Arealen besser erkennen und histologische Differenzierungen können zu individualisierten Therapieentscheidungen genutzt werden. Alternativ zur Koloskopie sollten Biomarker wie C-reaktives Protein (CRP) oder fäkales Calprotectin betrachtet werden, die bei der Beurteilung von Krankheitsaktivität und Therapieerfolg helfen.

 

 

Arzt und Patient: eine Beziehung im Wandel der Technik

 

Allen therapeutischen Anstrengungen zum Trotz scheint die Kommunikation zwischen Arzt und Patient gelegentlich noch nicht ganz „rund zu laufen“. So führt ein erfolgreicher Therapieverlauf aus ärztlicher Sicht nicht immer zur höheren Patientenzufriedenheit. Gleichzeitig ist für viele Behandler das individuelle Krankheitserleben nur schwer einschätzbar. Dabei können beide Parameter die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinflussen und in der Folge Therapieadhärenz und Behandlungserfolg bedingen.

 

Möglicherweise ist die hohe Nachfrage an medizinischen Informationen im Internet ein Zeichen für eine wachsende Verunsicherung von Patienten. Oder sollte die Frage umgekehrt gestellt werden? Nichtsdestotrotz gewinnen Gesundheits-Apps, Informationsportale und Online-Sprechstunden stetig an Bedeutung. „Damit schmilzt einerseits der Wissensvorsprung des Arztes, andererseits wird die medizinische Expertise immer wichtiger“, erklärte Nicolas Schulwitz, Spezialist für Online-Kommunikation aus Lübeck. Für ihn steht außer Frage, dass die Technologie auch im Arzt-Patienten-Verhältnis eine immer größere Rolle spielen wird. Schon heute helfen Internetangebote Patienten bei der praktischen Bewältigung ihrer Erkrankung und unterstützen Behandler „ressourcenschonend“ in vielen Arbeitsabläufen. „Zweifellos wird die Technik immer wichtiger, wenn die Ressource Arzt zu knapp ist“, erklärte Schulwitz und wies auf Pilotprojekte hin, wie eine kürzlich gestartete Online-Videosprechstunde in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutscher Dermatologen (BVDD) und der Techniker Krankenkasse (TK). Eine spannende Entwicklung, von der langfristig alle Beteiligten und auch andere Facharztgruppen wie die Gastroenterologen profitieren können.

 

 

Die Innovation steckt häufig im Detail

 

Kiesslich begrüßt digitale Unterstützungsangebote und schätzt es grundsätzlich, wenn Patienten gut informiert sind und mit ihrer Erkrankung verantwortungsbewusst umgehen. Die wichtigsten Stellschrauben bleiben aber nach wie vor Diagnostik und Medikation: „Wenn die Therapieadhärenz und orale Einmalgabe berücksichtigt, regelmäßig eine Endoskopie durchgeführt und das fäkale Calprotectin als Verlaufsbeobachtung genutzt würde, hätten wir schon eine sehr viel genauere und individualisiertere Therapie für die Menschen, die heute erkrankt sind. Ich bin sicher, dass sich im Hinblick auf die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten in Zukunft noch einiges tun wird“.

 

Schreiber resümierte: „Wir sollten unsere bestehenden Behandlungsmöglichkeiten optimaler nutzen und die Therapie nicht zu früh eskalieren. Die Standardtherapie bei leichter bis mittelschwerer Colitis ulcerosa ist die 5-ASA-Therapie, die bei vielen Patienten sehr gut funktioniert. Diese ist millionenfach getestet, es gibt gute Erfahrungswerte und sie hat sich bewährt. Die Innovation steckt hier in der Adhärenz, im Beobachten und Adjustieren von Therapiezielen. Auch ein Umstellen auf ein anderes Mesalazin, das z.B. eine andere Galenik, Dosis oder Art der Verabreichung bietet, kann sinnvoll sein. Diese Möglichkeiten sollten wir ausschöpfen. Alle Therapien, die danach kommen, sind komplexer und erschweren die Therapieadhärenz.“

 

 

 

Literaturverweise 

  1. Kamm MA et al. Gastroenterolog. 2007; 132(1): 66-75
  2. D’Haens G et al. Am J Gastroenterol 2012; 107(7): 1064-1077
  3. Kamm MA et al. Gut 2008; 57; 893-902
  4. Kane S et al. Inflamm Bowel Dis 2012; 18(6): 1026-1033
  5. Hodgkins P et al. Inflamm Bowel Dis 2013; 19(2): 386-396
  6. Dignass A et al. Aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa. Z Gastroenterol 2011; 49: 1276-1341
  7. Schreiber S et al. BMC Gastroenterology 2012,12: 108
  8. Kane SV et al. Am J Gastroenterol 2001; 96: 2929-2933
  9. Kane S et al. Am J Med 2003; 114: 39-43
  10. Loftus EV. Inflamm Bowel Dis 206; 12: 1107-1113
  11. Tenjarla S et al. Adv Ther 2007; 24: 826-840
  12. Brunner M et al. Aliment Pharmacol Ther. 2003; 17: 395-402
  13. Kamiński MF et al. Advanced imaging for detection and differentiation of colorectal neoplasia: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Guideline; Endoscopy 2014; 46: 435-449

 

Abb.: Basis für die einmal tägliche Gabe von Mezavant® ist die Multi-Matrix-Technologie (MMX®), die eine verlängerte Wirkstofffreisetzung möglich macht. Die äußerste Schicht einer Retardtablette besteht aus einem magensaftresistenten Polymerüberzug, der sich ab einem pH-Wert von 7 auflöst. Eine hydrophile Matrix bildet nach dem Eindringen von Wasser eine viskose Gelmasse. Eingelagert in diese hydrophile Matrix ist eine lipophile Matrix, die eine hydrophobe Umgebung erzeugt. Photo: Shire

 


Quelle: Shire, 13.10.2015 (tB).

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