Sind pflegerische Handlungen an Intensivpatienten gefährlich?

Repetitive Perfusionsstörungen mitverantwortlich für Organversagen

 

Bern, Schweiz – Bei vielen Handlungen an Intensivpatienten werden Nebenwirkungen in Kauf genommen: transiente Hypovolämien bei Hämodialyse, Vasokonstriktion durch Vasopressoren oder Beatmung mit hohem Druck.
Bei Pflegehandlungen ist man bisher davon ausgegangen, dass sie nützen und nicht schaden.  
Jede/r Pflegende auf Intensivstation weiss jedoch, dass beim Absaugen Sättigungsabfälle und bei, für den Patienten unangenehmen Pflegehandlungen, wie etwa der Mundpflege, Blutdruckspitzen auftreten.

Wenn sich solche Ereignisse häufen, haben sie negative Folgen für den Patienten und beeinträchtigen die Organfunktion.

 

Diese Folgen wurden anhand von 36 Patienten mit akutem respiratorischem oder Kreislaufversagen untersucht (Jakob S; Crit Care Med 2009; 37:622).

Es wurden v.a. die Auswirkungen pflegerischer Tätigkeiten auf die SO2-Sättigung des Lebervenenblutes untersucht, da Leber- und Darmdysfunktion eine grosse Rolle bim Multiorganversagen spielen.

Das Ergebnis zeigte, dass die Anzahl von Entsättigungen die durch Absaugen, Umlagern etc. eintraten mit der maximalen Anzahl von Organversagen (SOFA-Score) korrelierten.


Weitere Studien müssen zeigen, ob dieser Zusammenhang tatsächlich besteht. Vorläufig sollten aber Patienten mit besonders limitierenden Organfunktionsstörungen wie ARDS, kardiogenem Schock usw.  zurückhaltend gepflegt werden, so dass nur die unbedingt notwendigen Massnahmen vorgenommen werden.

 

Prof. Dr. Stephan Jakob   
Universitätsklinik für Intensivmedizin, Inselspital
Bern, Schweiz 
stephan.jakob@insel.ch


Quelle: Jakob, Stephan: "Sind pflegerische Handlungen an Intensivpatienten gefährlich?". Intensiv-News Schweiz, 3/09, S. 6-7.

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