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Sozial Schwache sind auf Schlaganfall besser vorbereitet

 

Hamburg (10. September 2008) – Eine Hamburger Aufklärungs-Aktion zum Thema Schlaganfall hat aufgedeckt, dass Bewohner reicher Stadtteile schlechter Bescheid wissen, was bei ersten Krankheits-Symptomen zu tun ist. In ärmeren Vierteln nannten in einer Umfrage deutlich mehr Menschen die richtige Notfallnummer – nämlich 112, so Prof. Dr. med. Christian Gerloff, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf.

Mehrere renommierte Schlaganfall-Experten stellten heute auf der 81. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) den neuen Stand der Schlaganfallforschung und -versorgung vor : In beiden Bereichen sind die Deutschen weltweit führend. "Wir haben 193 Stroke Units, so viele wie in den USA und Kanada zusammen, – und damit das beste System zur akuten Versorgung", erklärte Prof. Dr. med. Werner Hacke, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg. Stroke Units sind spezielle Zentren, die sich auf die schnelle Diagnose und Behandlung des Schlaganfalls spezialisiert haben. In ländlichen, schwach bevölkerten Gebieten setzt sich dagegen zunehmend die Ferndiagnose zwischen örtlicher Notaufnahme und Stroke Unit via Highspeed-Internet durch. Bei Schlaganfällen zählt jede Minute. Um schwere Folgeschäden zu verringern, sollte die richtige Behandlung innerhalb von 1,5 bis zwei Stunden beginnen.

"Diese Erfolge konnten erreicht werden, obwohl die finanziellen Mittel für die Erforschung von Schlaganfall im Vergleich mit anderen Krankheiten niedrig sind", erklärte Hacke. Die Investitionen in die Verbesserung von Diagnose und Therapie sind pro Patient bei Herzinfarkt vier Mal höher, bei Krebs zehn Mal und bei Aids sogar hundert Mal.

Telemedizin kann die Akutversorgung von Schlaganfall nicht ersetzen

"Schon jeder zweite Schlaganfall-Patient wird inzwischen in Stroke Units von einem speziell ausgebildeten Behandlungs- und Pflege- Team versorgt. Die weitere Verbesserung der Akut-Therapie bei Schlaganfall ist dennoch eine der großen Herausforderungen in der Neurologie. Denn diese Krankheit ist inzwischen die häufigste Gefäßerkrankung – und die Anzahl der Patienten wird sich aufgrund der Bevölkerungsentwicklung in den nächsten Jahren verdoppeln", betonte Prof. Dr. med. Martin Grond, Vorstandsmitglied der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft.

Mehr Aufklärungsaktionen gefordert

Die Hamburger Präventionskampagne "Hamburg gegen den Schlaganfall" hat es innerhalb eines halben Jahres mit Werbe- und Informationsmaßnahmen geschafft, rund 25 Prozent mehr Schlaganfall-Patienten in die spezialisierten Stroke Units zu bringen. Auf Bundesniveau hochgerechnet, könnten durch solche Aktionen 12.000 Menschen vor schweren Schäden oder sogar dem Tod bewahrt werden. "Bisher mussten wir uns die Aktion von Spenden aus der Industrie bezahlen lassen", so Grond. Es sei Zeit, dass auch die Gesundheitspolitik ihre öffentliche Hand zum Kampf gegen den Schlaganfall erhebt, fügt Werner Hacke hinzu.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren fast 6000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. vom 10.08.2008 (tB).

 

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