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Gleichgewichtssimulator hilft, Stürze zu vermeiden

 

Jena (18. Mai 2010) –  Störungen der Gleichgewichtsregulation sind vor allem für ältere Menschen ein Problem: Nicht nur lassen mit den Jahren Hör- und Sehvermögen nach, auch die empfindlichen Gleichgewichtsorgane im Ohr verlieren ihre Leistungsfähigkeit. Die Folge sind häufigere Stürze, die gerade im Alter oft für die Betroffenen sehr gefährlich sind. Um die Störungen des Gleichgewichts besser aufspüren zu können verwenden die HNO-Spezialisten am Universitätsklinikum Jena seit kurzem ein spezielles computergestütztes Gleichgewichtsanalysesystem, einen sogenannten Posturographen.

„Dieses System liefert uns sehr schnell sehr komplexe Informationen über die Gleichgewichtsregulation unserer Patienten“, erklärt Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am UKJ. Anhand einer Messplattform können hier verschiedenste Bewegungssituationen simuliert und die darauf folgende Gleichgewichtsverlagerung der Patienten erfasst werden. „So erfahren wir, welche Komponenten des Gleichgewichtssystems gestört sind“, so Guntinas-Lichius. Jeder Patient bringt zudem bereits seine eigene Anti-Sturz-Strategie mit, die ganz automatisch als Reaktion auf das nachlassende Gleichgewichtsempfinden entwickelt wird. Nicht immer sind diese Strategien effektiv: „Wer sich als Ausgleich stärker visuell zu orientieren versucht, hat damit nur Erfolg, solange es nicht dunkel ist“, gibt Prof. Guntinas-Lichius ein Beispiel. „Ob diese oder eine andere Kompensationsstrategie verwendet wird, lässt sich ebenfalls anhand der Daten des Posturographiesystems gut erkennen, denn es schaltet die visuelle Kontrolle des Gleichgewichts aus.“


Aufbauend auf diesen Informationen können dann gezielt individuelle Therapien entwickelt werden. „Dazu gehören zielgerichtete physiotherapeutische Maßnahmen, die dabei helfen, die jeweilige Sturzvermeidung zu verbessern“, so der HNO-Spezialist, der auch zu Gleichgewichtsstörungen forscht. Dadurch ließen sich viele Stürze und deren meist schwerwiegende Folgeschäden verhindern.


Der Bewegungssimulator, der bisher nur an wenigen Kliniken im Einsatz ist, wird oft auch zu Untersuchungen bei Patienten der Neurologie, aber auch bei Kindern eingesetzt. „Die Untersuchung, die wir inzwischen in unseren Routinebetrieb aufgenommen haben, ist völlig ungefährlich“, ergänzt Prof. Guntinas-Lichius, “die Patienten sind während der Simulation gut mit Gurten gesichert.“

 

 


Quelle: Universitätsklinikum Jena, 18.05.2010 (tB).

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