Spirometrie 2014

Welche Konsequenzen erfordern die neuen Spirometrie-Normwerte?

 

Bonn (10. April 2014) – Die wichtigsten spirometrischen Parameter wie die forcierte Vitalkapazität (VC) und die Sekundenkapazität (FEV1) liegen in mittleren höheren Lebensabschnitt ca. 10 % höher als nach den bisherigen Referenzwert-Empfehlungen. In den neuen Leitlinien und im Rahmen des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin wird bzw. wurde heftig debattiert, ob auch die Schweregradeinteilung der COPD wie früher gewohnt in Prozent des Sollwertes oder nach dem Z-Score erfolgen sollte.

 

Ende 2012 veröffentlichte eine Taskforce der European Respiratory Society (ERS) nach fünfjähriger Arbeit auf Basis einer integrativen Auswertung der zur Verfügung stehenden Studien neuere Referenzwertempfehlungen für die Spirometrie. Dabei kamen über 97.000 Spirometrien von gesunden Nichtrauchern (55,3 % Frauen) zur Auswertung, wobei die Untersuchung über 57.000 Kaukasier (einschl. Europäer) umfassten.

Die wichtigsten spirometrischen Parameter wie die forcierte Vitalkapazität (VC) und die Sekundenkapazität (FEV1) liegen in mittleren höheren Lebensabschnitt ca. 10 % höher als nach den bisherigen Referenzwert-Empfehlungen. Aus den Referenzgleichungen geht auch eindeutig hervor, dass die häufig geübte Praxis einen Lungenfunktionswert dann als pathologisch zu betrachten, wenn er weniger als 80 % des Sollwertes beträgt, nur für Patienten bis zum 40igsten Lebensalter vertretbar ist. Der untere Grenzwert, der über die Beurteilung "normal" oder "pathologisch" entscheidet (auch Lower Limit of Normal LLN genannt), liegt z.B. bei 80-Jährigen unterhalb von 70 % des alten Sollwertes, was früher also fälschlich als pathologisch angesehen wurde. Die neuen Normalwerte müssen jetzt in die Software der Lungenfunktionsmessgeräte implementiert werden, die Dateien können kostenlos aus dem Internet abgerufen werden.

Da nach diesen Daten die Grenze zwischen "normal" und "pathologisch", ausgedrückt in Prozenten des Sollwertes, altersabhängig ist, wurde ein Parameter gesucht, der diese Grenze altersunabhängig angibt. Dies ist der sogenannte "Z-Score", der alters- und geschlechtsunabhängig angibt, wieweit sich der gemessene Wert vom Mittelwert und von der unteren Normalgrenze (LLN) entfernt befindet.

In den neuen Leitlinien und im Rahmen des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin wird bzw. wurde heftig debattiert, ob auch die Schweregradeinteilung wie früher gewohnt in Prozent des Sollwertes oder nach dem Z-Score erfolgen sollte.

Ein Nebeneffekt der neuen Normalwerte ist die Bestätigung auch älterer Normalwerte, dass die Definition der COPD nach den GOLD-Leitlinien pathophysiologisch falsch ist, da die Altersabhängigkeit nicht berücksichtigt wurde. Das führt zu einer Überschätzung der COPD-Diagnosen in der älteren Bevölkerung. Auch wird in der neuen Leitlinie diskutiert werden, ob die lungenfunktionellen GOLD-Kriterien in die neue Fassung der COPD-Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga übernommen werden sollten.

Die Veröffentlichung der neuen COPD-Leitlinie ist geplant.

 

Quelle: Vortrag Spirometrie 2014: "Was ist neu? Was machen wir mit den neuen Spirometrienormwerten?", Referent: Prof. C.-P- Criée, Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga anlässlich der Pressekonferenz der Deutschen Atemwegsliga im Rahmen des 55. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Bremen, 27. März 2014

 


 

Quelle: Deutsche Atemwegsliga e.V., 10.04.2014 (tB).

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