Stammzelltherapie bei komplexen perianalen Crohn-Fisteln –
interdisziplinäres Teamwork ist wichtig für CED-Patienten

 

Frankfurt am Main (27. August 2019) – Viszeralmedizinische Kompetenzzentren, wie sie am Agaplesion Markus Krankenhaus (AMK) in Frankfurt am Main integriert sind, tragen dazu bei, die Versorgung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zu optimieren. Die enge Zusammenarbeit von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen, regelmäßige CEDFallkonferenzen sowie die kurzen Wege am Zentrum helfen, auch bei schwierigen Fällen schnell die bestmögliche Behandlung für den Patienten zu finden. Eine besondere therapeutische Herausforderung stellen komplexe perianale Fisteln bei Morbus Crohn dar. Hier ist ein interdisziplinäres Team für die konservative, chirurgische sowie die Stammzelltherapie Darvadstrocel (Alofisel®*) gefragt.

„Die Zahl der Menschen, die unter Colitis ulcerosa (CU) oder Morbus Crohn (MC) leiden, nimmt stetig zu. Dabei handelt es sich oft um sehr komplexe Erkrankungsbilder“, erklärte Prof. Dr. med. Axel Dignaß, Chefarzt der Medizinischen Klinik I für Gastroenterologie, Hepatologie und Onkologie am AMK. Um eine umfassende Versorgung der CED-Patienten und den bestmöglichen Therapieerfolg zu gewährleisten, profitieren die Betroffenen von den am AMK etablierten Kompetenzzentren für Magen- und Darmerkrankungen. Auf diese Art und Weise kann der von den CED-Fachgesellschaften geforderten interdisziplinären Therapie Rechnung getragen werden, so Dignaß weiter.

 

Viszeralmedizinische Kompetenzzentren bieten interdisziplinäre Betreuung mit kurzen Wegen

In beiden Zentren werden sowohl onkologisch erkrankte sowie von einer CED betroffene Patienten behandelt. Die Zentren bieten eine enge Vernetzung verschiedener Fachdisziplinen unter einem Dach, die strukturiert zusammenarbeiten. Dazu zählen u. a. die Abteilungen Gastroenterologie, Onkologie, Psycho-Gastroenterologie, Radiologie, Viszeral-Chirurgie, Pathologie, Ernährungsmedizin und Labor. „Ein großes Plus der Kompetenzzentren ist die wöchentliche interdisziplinäre CED-Konferenz, das CED-Board“, betonte Dignaß. Die einzelnen Patientenfälle werden hier vorgestellt und diskutiert, anschließend werde dann gemeinsam das weitere therapeutische Vorgehen festgelegt.

Prof. Dr. med. Christoph Heidenhain, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am AMK, stellte das Darmzentrum, das der Viszeralchirurgie angegliedert ist, näher vor: „Wir führen an diesem Zentrum pro Jahr über 250 Darm-(Teil-)Resektionen durch. Darunter sind etwa 60 Operationen bei MC-Patienten – auch Proktokolektomien.“ Die Eingriffe erfolgen offen oder laparoskopisch. „Neu am Darmzentrum ist das innovative und interdisziplinäre Zukunftsprojekt ‚robotische Chirurgie‘“, berichtete Heidenhain. In 2019 seien bereits 60 Eingriffe, u. a. bei CED-Patienten, mittels robotischer Chirurgie durchgeführt worden. Besonders positiv sei die extrem hohe Akzeptanz durch die Patienten sowie deren Zufriedenheit. Ziel sei daher, das operative CED-Zentrum weiter auszubauen und zudem ein Referenzzentrum Robotic im Rhein-Main-Gebiet zu etablieren, betonte Heidenhain.

„Der große Vorteil der Kompetenzzentren ist, wenn bei einem Patienten ein neues, möglicherweise schweres Symptom auftritt, kann sofort reagiert werden. Die Ärzte der verschiedenen Disziplinen können sich in kurzer Zeit abstimmen und schnell therapeutisch reagieren“, betonte Dignaß.

 

Interdisziplinäres Vorgehen kann den Patienten entscheidend helfen

Anhand von Patientenfällen verdeutlichten der Gastroenterologe Dr. med. Hermann Schulze und der Viszeralchirurg Thomas Schulz, beide am AMK tätig, den hohen Stellenwert der interdisziplinären Zusammenarbeit bei der Behandlung von Patienten mit CU und MC. Insbesondere bei schweren Fällen mit komplizierten Verläufen sei das interdisziplinäre Vorgehen von entscheidender Bedeutung, betonte Schulze. Eine chirurgische Intervention – z. B. die Ileozökalresektion bei einem Patienten mit therapierefraktärem MC oder die Proktokolektomie bei einem CU-Patienten mit massiven Blutungen unter intensiver medikamentöser Behandlung – ermögliche dann eine viel effektivere konservative Therapie. Gleichzeitig könne so eine Über- oder Untertherapie des Patienten verhindert werden. Laut Schulze komme gerade bei schweren akuten Symptomen ein wichtiger Vorteil des Zentrums zum Tragen: die kurzen Wege von der Ambulanz direkt zu den verschiedenen Fachärzten bzw. Stationen.

 

Komplexe perianale Crohn-Fisteln fordern Patient und behandelnde Ärzte

Eine besondere Herausforderung stellen therapierefraktäre komplexe perianale Fisteln bei Morbus Crohn dar, erklärte Schulz. Dies demonstrierte der Chirurg am Beispiel einer jungen MC-Patientin: Nach zwei Jahren mit zunehmenden Beschwerden (Durchfall, Bauchschmerzen) und Ausbildung einer perianalen Fistel, erhielt die 18-Jährige die Erstdiagnose MC mit Magen-, Dünn- und Dickdarmbefall. Eine Kortison- und Antibiotikatherapie führte zur Symptombesserung, ein operativer Verschluss der Fistel blieb erfolglos und wurde mit einer Fadendrainage versorgt.

Im AMK erhielt die Patientin dann eine Antikörpertherapie in Kombination mit Azathioprin, die zunächst zur Remission führte. Die Fistel rezidivierte dennoch bereits kurz nach einer zweiten Operation und erforderte eine erneute Fadendrainage. Wegen weiter bestehender leichter Krankheitsaktivität im Rektum wurde die Kombinationstherapie fortgesetzt. Nach zwei Jahren Therapiedauer und klinischer Remission wurde die Fistel ein drittes Mal operiert. Sie rezidivierte jedoch wieder in kürzester Zeit und musste drainiert werden. Unter der Kombinationstherapie blieb die Patientin für ein Jahr in Remission. Allerdings fühlte sie sich durch die sezernierende Fistel bei liegendem Drainagefaden sehr gestört. Mitte 2018 wurde die Patientin erneut in der Sprechstunde im AMK vorstellig. Ihr Wunsch: „Die Fistel loswerden, keine Operation und keine Kombi-Therapie mehr!“

 

Stammzelltherapie als sphinkterschonende Behandlungsalternative

„Aufgrund dieser Vorgeschichte und dem Vorliegen einer therapierefraktären komplexen perianalen Crohn-Fistel, wurde im CED-Board und in Abstimmung mit der Patientin der Entschluss zur sphinkterschonenden Stammzelltherapie Darvadstrocel (Alofisel®) gefasst“, berichtete Schulz.

Die aus menschlichen Fettzellen gewonnenen und vermehrten Stammzellen können dank ihrer immunmodulatorischen und antiinflammatorischen Eigenschaften die Heilung von geschädigtem perianalem Gewebe fördern, wenn sie intraläsional in die Fistelwand injiziert werden.1,2 Wirksamkeit und Sicherheit von Darvadstrocel wurden in der zulassungsrelevanten Studie ADMIRE-CD gezeigt, in der die Daten systematisch bis Woche 52 gesammelt wurden und bei allen Patienten konsequent die Fistelbeurteilung mittels MRT erfolgte, ergänzte Dignaß.3,4 Schulz erklärte die Anwendung von Darvadstrocel nach der Vorbereitung der Fistel: Unter Operationsbedingungen werde nach Kürettage der Fistel und Verschluss der inneren Fistelöffnung die Stammzellsuspension lokal um die innere Fistelöffnung und im Verlauf des Fistelganges in das umgebende Gewebe injiziert.

„Im Dezember 2018 behandelten wir die Patientin dann mit Darvadstrocel“, berichtete Schulz weiter. Bereits im Januar 2019 war die Fistel abgeheilt. Kurz darauf konnte die Medikation auf eine AntikörperMonotherapie umgestellt werden. Seither sei die Patienten klinisch und endoskopisch erkrankungsfrei.

„Die Anwendung der Stammzellsuspension ist für den Chirurgen nicht komplex. Die Komplexität besteht vielmehr im fein abgestimmten Zusammenspiel aller beteiligten Disziplinen – das heißt Gastroenterologen, Proktologen, Radiologen, Klinik-Apotheker, OP-Personal, Chirurgen usw. – von der Indikationsstellung bis zur eigentlichen Behandlung“, betonte Schulz. „Die Stammzelltherapie mit Darvadstrocel schließt eine Lücke in der Behandlung von komplexen perianalen Crohn-Fisteln“, so seine Einschätzung.

 

Teamwork bei CED ist wichtig!

„Für die optimale Behandlung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist ein gut interagierendes Team von Experten notwendig, das im Rahmen eines CED-Boards erkrankungsbedingte Fragestellungen interdisziplinär diskutiert und daraufhin die entsprechenden Therapiestrategien festlegt. Teamwork ist wichtig – sowohl für CED-Patienten als auch für die Anwendung innovativer Behandlungsmethoden“, lautete das Fazit der Referenten.

 

Anmerkung

* Darvadstrocel (Alofisel®) ist zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit perianalen Fisteln bei nicht-aktivem/ gering aktivem luminalem Morbus Crohn zugelassen, wenn die Fisteln auf mindestens eine konventionelle oder biologische Therapie unzureichend angesprochen haben. Alofisel® sollte nur nach der Vorbereitung der Fistel angewandt werden.1

 

Referenzen

  1. Fachinformation Darvadstrocel (Alofisel®), Stand April 2019.
  2. Garcia-Olmo D et al. World J Gastroenterol 2015; 21(11): 3330-3336.
  3. Panés J et al. Lancet 2016; 388(10051): 1281-1290.
  4. Panés J et al. Gastroenterology 2018; 154: 1334-1342 e1334.

 

Das Engagement von Takeda in der Gastroenterologie

Weltweit leiden mehr als 70 Millionen Menschen an gastrointestinalen Erkrankungen, die die Lebensqualität  der Patienten stark beeinträchtigen können. Als führender Spezialanbieter in der Gastroenterologie mit über  25 Jahren Erfahrung engagiert sich Takeda für Innovationen in der Medizin und verbessert damit die Gesundheitsversorgung und die Lebensqualität von Patienten weltweit.

So setzt sich Takeda mit innovativen Medikamenten in Therapiegebieten mit hohem medizinischem Bedarf ein, wie z. B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, säurebedingte Magen-Darm-Erkrankungen und Motilitätsstörungen des Gastrointestinaltrakts. Wir forschen intensiv nach Lösungen im Bereich Zöliakie und Lebererkrankungen und unterstützen aktiv den wissenschaftlichen Fortschritt bei Mikrobiom-Therapien.
Uns verbindet ein gemeinsamer Antrieb. Von unserem Engagement im Bereich der Forschung über den kontinuierlichen Dialog unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit mit Ärzten und Fachpersonal bis zur Entwicklung innovativer Patientenangebote – alles dient einem Ziel: Patienten mit gastrointestinalen Erkrankungen zu helfen und ihnen ein möglichst beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

 

Über Takeda

Takeda ist ein forschungsgetriebenes, wertebasiertes und global führendes biopharmazeutisches Unternehmen mit Hauptsitz in Japan. Als größter japanischer Arzneimittelhersteller engagiert sich Takeda in 80 Ländern und Regionen weltweit dafür, Patienten mit wegweisenden medizinischen Innovationen eine bessere Gesundheit und eine schönere Zukunft zu ermöglichen. Takeda fokussiert seine Forschung auf die Therapiegebiete Onkologie, Gastroenterologie, Neurowissenschaften und Seltene Erkrankungen – sowohl in eigenen Zentren als auch gemeinsam mit externen Experten. Außerdem investiert Takeda zielgerichtet in Forschungsaktivitäten in den Bereichen Plasmabasierte Therapien und Impfstoffe, um eine noch stabilere und vielfältigere Pipeline aufzubauen. Dabei steht der Patient jederzeit im Mittelpunkt: Unsere Mitarbeiter engagieren sich täglich dafür, die Lebensqualität von Patienten zu verbessern und die Zusammenarbeit mit Partnern im Gesundheitswesen voranzutreiben. In Deutschland steuert Takeda von Berlin aus die Aktivitäten für den deutschen Markt, ergänzt durch weitere administrative Funktionen in Konstanz. Als Teil eines globalen Produktionsnetzwerkes betreibt Takeda in Deutschland Produktionsstätten im brandenburgischen Oranienburg sowie in Singen. Insgesamt sind mehr als 2.300 Mitarbeiter für Takeda in Deutschland tätig.

 


Quelle: Takeda Presse-Seminar „CED aus Arzt- und Patientensicht: Optimale Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit“, 27.08.2019, am Agaplesion Markus Krankenhaus, Frankfurt am Main (tB).

Schlagwörter: ,

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung